Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
71 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Geist des Glaubens, 23. Juli 2001
Das Buch von Joseph Kardinal Ratzinger hat wie kein anderes Buch bei mir zu einem Umdenken im Umgang mit der christlichen Glaubenswelt geführt.Das klischeebedingte Bild des vom Moral- und Wertvorstellung degenerierten Christentums wird dank diesem Buch aus der Welt geschafft. Dazu hat besonders die Beschreibung über die Entstehung und Entwicklung des Kultes (Wesen der Liturgie) und die von großem Fachwissen geprägte Beschreibung der Gebärden während des christlichen Gottesdienstes. Nicht wenige beschäftigen sich heute mit okkulten Praktiken und Okkultismus und übersehen dabei die symbolische Vielfalt in der Liturgie, welche allgemeinverständlich und ausführlich in diesem Buch behandelt wird. Ich wünsche diesem Buch eine schnelle Verbreitung und jede Menge interessierte (junge) Leser, die die wahre Bedeutung der zentralen Ausdrucksform des Glaubens erkennen und diese wieder aus dem Schleier der Unwissenheit hervortreten lassen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zarte Berührung eines wunden Punktes, 14. Dezember 2006
Daß sich die katholische Kirche in einer tiefgreifenden Krise befindet, wird von Vertretern der unterschiedlichsten Couleurs zugegeben. In der Frage der Ursachen und folglich auch der Heilmittel ist man aber sehr geteilter Auffassung. Hat die Kirche die Öffnung gegenüber den anderen Konfessionen, Religionen und der heutigen Welt, die durch das letzte Konzil angeregt wurde, nur nicht entschieden genug gemacht, so daß sie auf halber Strecke stehenblieb und nun "nicht Fisch, nicht Fleisch" ist? Oder hat man in den zurückliegenden Jahrzehnten im Gegentei viel zu viel an katholischer Identität aufgegeben, die Fenster nach außen hin zwar weit aufgestoßen, doch dadurch nicht die Welt kirchlicher sondern die Kirche weltlicher gemacht?
Der Streit darüber findet kein Ende. Man muß daher konkret werden, sich wirklich mit wesentlichen Gehalten des christlich-katholischen Glaubens und Lebens befassen. Es ist nötig, "ad fontes" zu gehen, das Zeugnis der Schrift und der kirchlichen Tradition zu befragen; denn daß kirchliches Christentum eine lebendige Überlieferung ist, daran kann niemand zweifeln, der auch nur einen oberflächlichen Blick auf die Geschichte geworfen hat.
Joseph Ratzinger, ehemaliger Präfekt der römischen Glaubenskongregation und heute als Papst Benedikt XVI. mit der Leitung der Kirche betraut, führt diesen Weg heraus aus den aktuellen Zankereien und hinein in den Strom der großen Überlieferung exemplarisch auf dem Gebiet der Liturgie vor. Diese ist ja - zusammen mit der Glaubensverkündigung und dem Liebesdienst - wesentlicher Lebensvollzug der Kirche, nach Aussage des Zweiten Vatikanums sogar Gipfel, dem alles kirchliche Tun zustrebt, und Quelle, aus dem es sich speist.
Das Buch "Der Geist der Liturgie" - nicht ohne Bedacht wurde der an Romano Guardini gemahnende Titel gewählt - schafft den weiten Schwenk von den gleichsam meta-liturischen Fragen ("Liturgie - Kosmos - Geschichte") bis zu so konkreten Themen, wie: heilige Orte, Zeiten, sakrale Musik und Bilder, liturgische Bekleidung und Haltung... Der Höhe und Tiefe der Gedanken entspricht dabei eine einfache, doch schöne Sprache, wie sie Ratzinger vor allem in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.
Kurz zu den Ergebnissen des Buches:
- Liturgie wird als ein zentraler Akt des gläubigen Menschen und Volkes sowohl aus der Anthropologie wie auch aus der religiösen Überlieferung der Menschheit herausgearbeitet. Daraus ergibt sich eine zentrale Stellung der Liturgie, wie sie uns weder bei den Dogmatikern und Moralisten früherer Zeit noch den Pastoralstrategen und Sozialaposteln der Gegenwart begegnet. Zugleich aber gehört die Liturgie in das Ganze, läßt sich also vom Glaubensinhalt und vom gelebten Glauben nicht trennen. Ratzinger gelingt die Einordnung in das katholische Gefüge hervorragend, Gleichgewichtsschwankungen (wie bei manchen Liturgizisten anzutreffen) lassen sich nicht ausmachen.
- Liturgie steht in enger Verbindung mit dem Geheimnis der Menschwerdnung Gottes, der Inkarnation des Sohnes Gottes. In der Liturgie "inkarniert" sich der Logos gleichsam je neu. Aus ihr heraus lebt daher auch die Kirche als die leibhafte Ausdehnung Jesu Christi, und ihr Gottesdienst muß ein "logoshafter" Kult sein. Mit der Eucharistie, der wirklichen Gegenwart des Herrn und dem Erlösungsopfer, im Zentrum, wird Liturgie so zur Lebensmitte der Kirche und ihrer Glieder. (Die intensive Beschäftigung Ratzingers mit dem Kirchenvater Augustinus ist in vielen seiner Gedanken bemerkbar.)
- Ganz auf der Linie der Inkarnation liegt dann auch das Ernstnehmen der durchaus "materiellen" Seite der Liturgie. Das Buch widmet sich ausführlich dem Thema der Leib- und Sinnenhaftigkeit des Kultes. Auch Fragen, die in der kirchlichen Öffentlichkeit gerne auf die Seite oder fundamentalistischen Ignoranten in die Schuhe geschoben werden, erfahren eine ausführlche Würdigung. Hingewiesen sei hier vor allem auf das Thema "Zelebrationsrichtung":
Die Einordnung der Liturgie in den Kosmos und die Betrachtung der Kirche als einer auf den kommenden Herrn hin ausgerichteten Communio erlaubt es Ratzinger, die (übrigens längst als unhistorisches Vorurteil widerlegte) Auffassung zu überwinden, die heilige Messe müsse "facie sacerdotis versus populum", also zum anwesenden Volk hin, gefeiert werden. Stattdessen plädiert der Autor für die überlieferte, gemeinsame Gebetsrichtung von Zelebrant und Volk "versus orientem" (zum Sonnenaufgang hin), so daß alle als "conversi ad Dominum", als zum Herrn hin Gewandte, diese ihre innere Haltung auch äußerlich bekunden.
Daß Ratzinger dann doch wieder einen halben Rückzieher macht und auf die selbstgestellte Frage, ob denn nun alles das, was seit der Liturgiereform in den Kirchen umgestellt wurde, wieder rückgängig gemacht werden solle, mit einem Nein antwortet, sich stattdessen mit einer "geistigen Ostung" (sichtbres Kreuz auf dem Volksaltar) begnügt, gehört zu den bedauernswerten Inkonsequenzen des ansonsten überaus lesenswerten, biblisch, historisch und patristisch durchtränkten Buches.
Man darf gespannt sein darauf, welche konkreten Konsequenzen aus dem "Geist der Liturgie" (der sich ja, um wahrhaft christlich zu sein, irgendwie inkarnieren muß) im Pontifikat Benedikts XVI. gezogen werden. Die Diskussionen z.B. über eine allgemeine Zulassung der überlieferten römischen Liturgie geben bei vielen Katholiken zu Hoffnungen Anlaß.
Sicher ist, daß "Der Geist der Liturgie" einen besonders wunden Punkt der kirchlichen Krise berührt und damit - im Gegensatz zu den meisten innerkirchlichen Diskussionen - Wesentliches zu sagen hat. Allerdings wird der wunde Punkt wohl doch zu zart berührt, denn die Realitäten des gottesdienstlichen Lebens in vielen Gemeinden sind inzwischen derart, daß man von ihnen zu den Gedanken Ratzingers beinahe eine Weltreise zurücklegen muß. Ob gehaltvolle, aber milde Essenzen dort etwas werden ausrichten können, wo ein Arzt der alten Schule eher das Schneidemesser angesetzt hätte?
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
69 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Liturgie aus dem Geist des Glaubens, 14. April 2000
Von Ein Kunde
Im Titel anknüpfend an das für die Liturgische Bewegung in ihrer besten Ausprägung grundlegende Büchlein von Romano Guardini „Vom Geist der Liturgie" (1918) legt der Präfekt der Glaubenskongregation ein wichtiges Werk zur Liturgie vor. Bereits 1981 hatte er mit dem Buch „Fest des Glaubens" wichtige Anstöße für die liturgische Feier und eine ihr entsprechende Theologie gegeben. Es geht Joseph Kardinal Ratzinger „nicht um Anleitung zur liturgischen Praxis, sondern um Einsichten in den Geist der Liturgie", die er hier vorlegen und dem gläubig-verständigen Leser vermitteln möchte. Freilich wird die rechte Sicht des Mysteriums Christi gleichsam von selbst Auswirkungen auch für die liturgische Praxis zeitigen. In vier wesentlichen Teilen sucht der Bischof und Theologe Ratzinger sein Ziel zu erreichen: Nachdem anfangs das „Wesen der Liturgie" erspürt und erschlossen wird, geht es dann um „Zeit und Raum in der Liturgie", weiters um „Kunst und Liturgie" und schließlich um „Liturgische Gestalt". Literaturhinweise und ein gut aufgeschlüsseltes Register runden das Buch ab. Was wohltuend auffällt, ist die theologische Fundierung aller Einzelaussagen. Ratzinger stellt die großen Linien authentischen liturgischen Verständnisses im Einklang mit dem Glauben heraus. Als dessen lebendigen Ausdruck sieht er die würdige Feier der Erlösungsgeheimnisse in heiligen Zeichen und Riten. So bestimmt er in „Liturgie und Leben" den Ort der Liturgie in der Wirklichkeit in der Weise, daß der Kult in seiner wahren Weite und Tiefe „über die liturgische Aktion hinausreicht" und die Ordnung des ganzen menschlichen Lebens umfaßt. Christliche Liturgie steht immer in Beziehung zu Kosmos und Geschichte. Schöpfung wartet auf den Bund des Heiles, den Gott in der Geschichte des auserwählten Volkes und durch die Sendung seines Sohnes Jesus Christus mit der Menschheit geschlossen hat, was in der Liturgie - und hier vor allem in eucharistischen Opfer - anamnetisch präsent gehalten wird. „Die vom biblischen Glauben bestimmte Grundgestalt christlicher Liturgie" hebt die Vorläufigkeit der Tempelopfer auf ins Neue der Hingabe Christi. Dieser nimmt uns in seiner Stellvertretung auf und führt „uns in jene Verähnlichung mit Gott, in jenes Liebe-Werden hinein, das die einzig wahre Anbetung ist". So kann der christliche Kult als wahrhaft „logosgemäß" bezeichnet werden. Die Inkarnation des Sohnes Gottes nimmt die menschliche Zeit auf in den Raum der Ewigkeit, sodaß sich in der Eucharistiefeier wie auch im Martyrium die „äußerste Realisierung der Gleichzeitigkeit mit Christus", das Einssein mit ihm, vollzieht. Christi Opfer als Stellvertretung will im „Semel" („einmal") sein „Semper" („immer") erreichen und die Welt zum Raum der Liebe neuschaffen. Auch im Kirchengebäude („Heilige Orte") wird die Einheit der biblischen Testamente deutlich: Der „innere Zusammenhang von Synagoge und Kirchengebäude" drückt sich durch Kontinuität und Neuheit aus. Die synagogale Ausrichtung auf den Tempel zu Jerusalem wird zur Ausrichtung gen Osten, hin auf den wiederkommenden Christus, was auch Konsequenzen für die bevorzugte Richtung der Zelebration hat. „Wo die direkte gemeinsame Zuwendung zum Osten nicht möglich ist, kann das Kreuz als der innere Osten des Glaubens dienen. Es sollte in der Mitte des Altares stehen und der gemeinsame Blickpunkt für den Priester und für die betende Gemeinde sein." Die „Aufbewahrung des Heiligsten Sakraments" soll die bleibende Gegenwart des Herrn herausstellen und zu dessen anbetender Verehrung auch außerhalb der Messe einladen. „Damit die Gegenwart des Herrn uns konkret anrührt, muß der Tabernakel auch in der Architektonik des Kirchenbaues den gebührenden Platz finden." Im Kirchenjahr ereignet sich „Heilige Zeit", in der der Anruf der Gnade an uns ergeht, sich dem „Jetzt" der göttlichen Einladung zu öffnen. Ausführlich werden „Grundprinzipien einer dem Gottesdienst zugeordneten Kunst" herausgestellt, wobei deutlich wird, daß Bilder in der Liturgie und in den Kirchen nie ganz fehlen dürfen, da Gott in seiner Heilsgeschichte in unsere Sinnenwelt eingetreten ist. Die gesangliche und musikalische Form im Rahmen der Liturgie erwuchs zunächst aus der Praxis der jüdischen Synagoge. Die Psalmen wurden christologisch gedeutet und neue Hymnen komponiert. Auch die Musik der Liturgie muß „logosbezogen" bleiben: Sie ist wortbezogen, d.h. „daß die biblischen und liturgischen Texte die maßgebenden Worte sind, an denen sich die liturgische Musik zu orientieren hat". Es muß eine Musik sein, die den Geist des Menschen erhöht und ihn befähigt, ihn mit dem Heiligen Geist zu vereinen. „Liturgische Gestalt" drückt sich aus in den anerkannten Riten als „Gestalten apostolischer Überlieferung und ihrer Entfaltung in den großen Traditionsräumen". Gerade hier zeigt sich, daß auch die sich auf die Weitergabe und Auslegung der göttlichen Offenbarung beziehende Vollmacht des Papstes Grenzen hat, da sie „im Dienst der heiligen Überlieferung" steht. „Noch weniger kann eine sich in Beliebigkeit verkehrende allgemeine ‚Freiheit' des Machens mit dem Wesen von Glaube und Liturgie vereinbart werden". Denn die Liturgie lebt nicht von menschlichen Einfallen; sie ist vielmehr „der Ein-Fall Gottes in unsere Welt, und der befreit wirklich". Die besondere Einbezogenheit des Leibes in die Liturgie wird abschließend noch erörtert. „Tätige Teilnahme" im Sinn des 2. Vatikanums zielt nicht primär auf äußere Aktion, sondern auf inneren Mitvollzug des Opfers Christi und der Kirche. Der innere Sinn des Kreuzzeichens wird aufgeschlossen: Es ist Bekenntnis zu Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, und zum Dreifaltigen Gott. Als Haltungen des Christen bei der Liturgie sind das Knien (die Prostratio), das Stehen und Sitzen in Schrift und Tradition verankert. Doch der „Tanz ist keine Ausdrucksform christlicher Liturgie". Als Ausdrucksform der Volksfrömmigkeit findet der Tanz je nach kulturellem Hintergrund hingegen seinen Ort. „Gebärden" wie die Orantenhaltung, das Falten der Hände oder das Klopfen an die Brust drücken existentielle menschliche und christliche Haltungen aus. Weiters wird auf die Bedeutung des liturgischen Wortes und des Schweigens hingewiesen. Im „liturgischen Kleid" stellt der Priester Christus dar, den die Christen durch die Taufe „angezogen" haben (vgl. Gal 3,22). Abschließend geht Ratzinger noch auf elementare materielle Zeichen bei der Spendung der Sakramente ein: auf Wasser, Brot und Wein sowie auf das Öl. Man muß Kardinal Ratzinger dankbar sein, daß er in diesem Buch wichtige Einsichten liturgischer Theologie wieder ins allgemeine Bewußtsein gehoben hat. Dem Werk sind viele aufmerksame Leser zu wünschen, damit es so seine Früchte trägt für eine wahre liturgische Erneuerung, die dem 2. Vatikanischen Konzil verpflichtet ist und zugleich in der Tradition des Glaubens und organischer liturgischer Entfaltung steht!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|