Wer sich mit Mead's Sozialpsychologie auseinander setzen will, sollte sich auch mit der Originallektüre dieses Klassikers kritisch befassen. Die Besonderheiten dieses Wekes liegen vor allem in Mead's prozessualer Sichtweise zur Erklärung des Verhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft, und dies in einer Zeit, als der geistige Kontext durch Behaviorismus, Pragmatismus und Psychoanalyse bestimmt wurde. Mead stellt das Individuum als Konstrukteur seiner Welt dar, die es sich in der Kommunikation mit den anderen erzeugt. Die deutsche Übersetzung zeigt leider einige Schwächen und ist nicht ganz befriedigend. Besonders unglücklich ist die Übersetzung der Schlüsselwörter "I" und "ME" mit "Ich" und "ICH". Daher auch "nur" vier Sterne für die deutsche Übersetzung. Professor Abels schlägt vor in "impulsives Ich" und "reflektierendes Ich" zu unterscheiden, aber auch diese Übersetzung befriedigt nicht ganz, da vor allem der Begriff "impulsives Ich" zu kurz greift. In der Literatur ist man heute dazu übergegangen "I" und "ME" nicht zu übersetzen. Dennoch stellt das Buch eine Pflichtlektüre für jeden dar, der sich mit dem späteren Symbolischen Interaktionismus auseinander setzen will.