Es war eigentlich schon lange einmal überfällig: ein Buch, dass sich kulturkritisch mit der beliebten ProSieben PrimeTime Sendung "Germany's next Topmodel" auseinander setzt. Ich habe mich oft gefragt, warum so ein unglaublicher Hype um eine so bescheuerte Show gemacht wird und habe mir eine Staffel aus reinem Interesse an der Klärung dieser Frage angesehen. Das Ergebnis war für mich etwas erschreckend: Obwohl ich die Sendung verachte, hat sie mich auf gewisse Weise inszenatorisch in ihren Bann gezogen. Diese Ambivalenz hatte etwas Faszinierendes, dem ich gerne auf den Grund gehen wollte.
Das Buch beschäftigt sich (zum Teil) mit diesem Phänomen und bietet neben offensichtlichen Erklärungen und angewendeten dramaturgischen Kniffen auch einen tieferen Einblick in die Hintergründe der in der Show angewendeten Modelle. Es wird Bezug genommen auf die Jury als Heidis langer Arm, die sexistische Kamera mit den unendlich langen Einstellungen und Nahaufnahmen von hübschen, weinenden Gesichtern, der übermäßig manipulierende und teilweise einfach plumpe Einsatz von Musik und Geräuschkulisse, das einseitige Lehrer-Schüler Verhältnis und den "Mythos Frau" (den ich persönlich als sehr anregend empfand).
"Geiles Leben, falscher Glamour" ist ein gelungenes Konglomerat aus verschiedenen Beiträgen einzelner Studenten oder Studentengruppen der Erziehungswissenschaft an der Philipps-Universität Marburg und lässt sich daher sehr einfach und entspannt lesen - was nicht, und das möchte ich betonen, zu einem Verlust von Wissenschaftlichkeit führt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich das Buch als sehr gelungen empfinde und ich empfehle es jedem weiter, der sich die selbe Frage stellt wie ich: Wie kann es in unserer Gesellschaft überhaupt so etwas Beschämendes wie "Germany's next Topmodel" geben?