Als ich alle Chandlers und Hammets ausgelesen hatte, war ich den beiden böse, dass sie keine neuen Bücher mehr schreiben konnten. Was dann kam, war unzureichende Kopie, Abklatsch, ermüdend. Mit raren Ausnahmen war der amerikanische Krimi zumindest in meiner Bibliothek tot.
Seit Peter J. Kraus lebt er wieder (bitte mehr solche Bücher)! Wenn einer nur deshalb in lebensgefährliche Schwulitäten gerät, weil er eine Telefonnummer aus der Tasche eines Toten anruft, dann ist das schon eine erfrischend neue Krimiidee. Wenn dann aber Jon Gutman, dieser überraschend sympathische Säufer und Rockmoderator, überlegt, den Spieß einfach umzudrehen, obwohl er ständig über Leichen stolpert, dann verspricht das einen Kriminalroman voll überraschender Wendungen und unerwarteter Begegnungen.
Dieses Buch hat alles, was ein guter Krimi aus Kalifornien haben muss. Skurrile Personen, so lebensprall und menschlich dargestellt, dass man meint, ihnen die Hand schütteln zu können. Von der Striptease-Lehrerin über den Mönch mit wenig heiliger Vergangenheit über den schwulen Studiotechniker bis hin zum Schickimicki-Verbrechermaxe - da lebt Kalifornien in den Personen, im Ambiente. Überhaupt bekommt man durch Jon Gutmans geschärften Blick auf kalifornische Landschaften und Marotten Lust, mit dem Autor Peter J. Kraus an die Tatorte zu reisen und die mexikanischen Gerichte des Romans zu kosten. Ans Buch gefesselt bleibt einem jedoch die Luft weg, gepackt vom ersten Satz an (welch ein Satz!) vernachlässigt man unliebsame Arbeiten. So abgebrüht kann kaum ein Leser sein, dass er nicht mit dem Schlitzohr Gutman bangt, ob der sich aus der Affäre ziehen und Verbrechern wie Staatsmacht ein unverschämtes Schnippchen schlagen kann. Bloß keinen Schluss erwarten - es kommt immer anders als man denkt.
Dem Autoren wäre der Re-Import in den US-Markt zu wünschen! Ob er das mit seiner feinen Ironie schafft, mit der Protagonist Gutman amerikanische Eigenheiten und Staatsmacht entlarvt, bleibt zumindest derzeit fraglich. Zu sicher sitzen die Pointen, trifft der messerscharfe Finger in die Wunden. Kurzum: Ein MUST für Krimifans! Ich habe ihn neben Wambaugh gestellt.