Anhand einer Blumenzwiebel schwierige neurobiologische Phänomene zu erklären: dies gelingt hier auf professionelle und kindgemäße Weise. Gerald Hüther stellt hier vor allem die beiden Aspekte "Angenommen sein" und "herausgefordert werden" in den Mittelpunkt seines Kind-Sachbilderbuches. Ohne das Gefühl der Zugehörigkeit und des Entdecken von Neuem, sind die Lernprozesse oftmals blockiert. Und so können selbst profilierteste Bildungspolitiker wenig an den PISA-Ergebnissen ändern, wenn Kindergarten und Schule immer wieder als Bildungsergebnisstätten herhalten und weniger als Orte des Entdecken, Begreifen, Erforschen, in denen sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen können. Gerald Hüther zeigt dies in hilfreicher Weise auf, ohne offenkundig belehrend und zu direkt die Entdeckung des Gehirns in die Geschichte von Felix und Feline einzubauen. Felix und Feline sind Schul- bzw. Kindergartenkinder und entdecken zuhause beim Wachsen einer Blumenzwiebel deren Bedürftigkeiten und deren Struktur. Dies nehmen sie als Vorbild für die Entdeckung der Funktionen und des Aufbaus des Gehirns. Ob nun Tadel, Ermutigung, Gemeinschaft, Gewitter, Bewegung, Pflege oder Liebe: diese wichtigen Aspekten werden in die lebendig erzählte Geschichte eingebaut, welche von frisch-lebendigen und farbigen Zeichnungen aufgelockert und unterstützt wird. So können die Kinder die erzählten Aspekte direkt wieder mit der Bildsprache abgleichen. Nach diesem Bilderbuchteil ist eine "Kleine Zwiebelkunde für Erwachsene" angefügt. Hier werden die unterschiedlichen Funktionen der Gehirnregionen thematisiert und mit Skizzen, Fotos und Abbildungen erläutert. So können Eltern in einem Schnelldurchgang neurobiologische Grundkenntnisse erhalten, ohne langwierige Bücher lesen zu müssen. Deutlich wird hier der verbindende Anspruch zwischen Neurobiologie und Pädagogik; denn Gerald Hüther setzt immer wieder klare Botschaften in den Text ein:
- die ersten Erfahrungen sind Körpererfahrungen
- Gefühle entstehen, wenn uns etwas unter die Haut geht
- Das Gehirn lernt immer dann, wenn etwas Neues passiert
- Kinder brauchen Geborgenheit und Herausforderung
...
So ist diese "Gehirnforschung für Kinder" ein ideales Geschenkbuch für Eltern und für deren Kidner, die im Kindergartenalter oder schon in der Schule sind - und natürlich für alle pädagogischen Fachleute, die im Strudel von Didaktik, Methodik und Bildungsdebatten all zu leicht vergessen könnten, wie bedeutsam die Beziehung für die Erziehung und das Lernen ist.
Ein Entdeckungsbuch, das Forschergeist weckt "mit Herz und Verstand"!