Seit dieses Buch 2003 erstmals veröffentlicht wurde, sind so viele Konkurrenzprodukte erschienen, dass am Thema Interessierte auch Alternativen haben. Und das habe ich bei der Bewertung stark gewichtet. Denn ich bin der Meinung, dass ein Buch über Gehirn und Wahrnehmung die wichtigsten Erkenntnisse auch umsetzen sollte. Doch das ist Karl R. Gegenfurtner nicht geglückt. Aber befassen wir uns zuerst mit dem Inhalt.
Karl R. Gegenfurtner verzichtet auf ein Vorwort und zeichnet gleich einen Grundriss des Gehirn. Dass dieser zum Teil unscharfe Konturen hat, liegt auch daran, dass der Autor die sprachlichen Ebenen allzu schnell wechselt. Gut finde ich, dass er die wichtigsten Fakten nochmals zusammenfasst, bevor er die Methoden der Gehirnforschung erläutert. Da Abbildungen zu sparsam eingesetzt werden, fällt es dem Laien allerdings schwer, die Unterschiede der verschiedenen Methoden zu erkennen.
Das Kapitel "Visuelle Wahrnehmung" wird geschickt vorbereitet, indem Karl R. Gegenfurtner zuvor die verschiedenen Stadien erklärt. Und nach vertiefenden "Lektionen" zu den Themen Hören, Hautsinne und chemische Sinne folgen die Gesetze der Wahrnehmung. Aber auch die werden leider so asinnlich präsentiert, dass man sich als Leser sogar die Schulbücher seiner Jungendzeit zurückwünscht. In der gestalterischen Wüste zurückgelassen wird man auch, wenn Karl R. Gegenfurtner zum Schluss über unbewusste Wahrnehmungen, Split-Brain, Neuropsychologie, Gene fürs Farbfernsehen, Lärm, Wahrnehmung, Kunst und das visuelle Gedächtnis spricht.
Mein Fazit: Bekannte Lehrbücher wie das von Bruce Goldstein richten sich zwar vorwiegend an Studierende, können aber auch Laien empfohlen werden. Denn in ihnen werden die Gesetze der Wahrnehmung gleich umgesetzt, was zu einer beispielhaften Gestaltung führt. Anders bei Karl R. Gegenfurtner, der zwar vieles sprachlich auf den Punkt bringt, aber der visuellen Verarbeitung von Informationen wenig Beachtung schenkt. Eine nächste Aktualisierung müsste dem zwingend mehr Rechnung tragen.