Vorab unabdingbar zu sagen:
Das Buch hat in der zweiten Auflage kein Sachregister, was einem Fehldruck geschuldet ist. Ich habe nach dem Kauf in der Buchhandlung nachgefragt und vom Verlag nach Prüfung bestätigt bekommen, daß dieser Fehler die komplette zweite Auflage betrifft. Es handelt sich dabei, laut Buchhändler, um einen sogenannten "versteckten Fehler", der zeitlich unbegrenzt reklamierbar ist, so daß das Buch jederzeit vom Verlag gegen ein taugliches Exemplar (solche werden jetzt gedruckt, ich hab die entsprechende Email heute, am 15. Januar 2010, erhalten) umgetauscht - oder auch zurückgenommen - werden muss.
Wer ein Exemplar bestellt, sollte darauf achten und es gegebenenfalls umtauschen lassen.
Inhaltlich:
Das Buch ist Kurs- und Prüfungsgrundlage für mich gewesen und leistet als solche mehr oder weniger seine Dienste.
Es ist eher kompakt und sprachlich komplex gehalten, was der Gewöhnung an universitären Sprachgebrauch und der Einübung der neurowissenschaftlichen Termini förderlich sein kann.
Nachteilig und didaktisch und konzeptionell geradezu fahrlässig finde ich jedoch folgendes:
1) Das Buch hat (und dies ist keinem Fehldruck, sondern der Konzeption geschuldet) weder ein Glossar noch ein Abbildungsverzeichnis, so daß Wiederholung, Nachschlagen und Orientierung anhand von Stichworten und einprägsamen Abbildungen schwierig ist.
2) Zudem ist es - trotz zahlreicher Abbildungen - durchgängig schwarz-weiß (kümmerliche zwei Seiten mit Farbtafeln finden sich im Anhang), was die Orientierung innerhalb der Kapitel und die Veranschaulichung der so gut bildhaft darstellbaren neurologischen Zusammenhänge nicht optimal gewährleistet und sicher auch nicht zu jedermanns Lesevergnügen beiträgt.
3) Einige Kapitel weisen zwar kurze (und wenig hilfreiche) Zusammenfassungen auf, es fehlen allerdings Wiederholungs- oder weitergehende Anregungsfragen. Weiterführende und zusammenfassende Literatur, auf die in Lehrbüchern in der Regel am Ende eines Kapitels hingewiesen wird, geht in diesem Buch im allgemeinen Literaturverzeichnis unter.
Zusammenfassend würde ich also sagen, daß das Buch seinem Anspruch, ein (einführendes) Lehrbuch zu sein, nicht gerecht wird.
Darüber hinaus weist es sogar inhaltliche Fehler (primär das, was ich als Flüchtigkeitsfehler bezeichnen würde - z.B. falsche Zuordnung von Rezeptortypen im Kapitel über das visuelle System) auf.
Angesichts des vorher gesagten und dessen, daß das Buch seit 6 Jahren nicht durchgesehen, erweitert oder korrigiert worden, sondern 2009 lediglich in der zweiten Auflage noch einmal als Nachdruck der ersten erschienen ist, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß wenig Sorgfalt und didaktische Aufmerksamkeit hinter dem Buch steckt.
Wer nicht gerade in dem Buch geprüft wird, sollte sich nach liebevoller gestalteten und mit mehr Sorgfalt verfassten Lehrbüchern umschauen.