Geheimsache Mauer - Die Geschichte einer deutschen Grenze
Am 13. August 2011 jährt sich zum mittlerweile fünfzigsten Mal der Tag des Baubeginns eines der menschenverachtensten und das Leben vieler Deutscher auf Jahrzehnte in deren Lebensalltag wie auch auf politischer Ebene weiträumig prägender Bauwerke. Wohl kaum eine andere wie die vom damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht (1893-1975) in einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961 gemachte Aussage "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten", wurde seit dem so oft als Beispiel einer politisch geprägten Lüge zitiert wie diese. Unzählige Filme und dokumentarische Beiträge beschäftigten sich seit dem Fall der Mauer und dem damit einhergehenden Ende der DDR mit diesem Thema. Die Wunden, die durch den Beginn des Baus der Mauer am 13. August 1961, sowohl menschlich wie auch ökonomisch aufgerissen wurden, sind bis heute nicht restlos geschlossen und verheilt. Mehr als zweieinhalb Jahrzehnte stand die Mauer fest einzementiert als ein Symbol des kalten Krieges und zugleich Abgesang eines ohne sie nicht überlebensfähigen ganzen Landes.
Die hier nun in etwa neunzig Minuten zuzüglich Bonusmaterial, durch "Polyband" zur Veröffentlichung kommende Dokumentation "Geheimsache Mauer", entstand durch die "LOOKS Film & TV Produktionen" in Koproduktion mit dem RBB, dem MDR, Astfilm und La Station Animation in Zusammenarbeit mit ARTE. Bereits in der Vergangenheit setzte die "LOOKS Film & TV Produktionen" Achtungszeichen mit zum Teil mehrfach nominierten wie auch prämierten Produktionen wie zb. "Damals in der DDR", "Damals in Ostpreußen" oder auch "Damals nach dem Krieg".
Bei der nun hier vorliegenden, nach dem Buch und unter der Regie von Jürgen Ast und Karsten Laske gefertigten Dokumentation mit dem Titel "Geheimsache Mauer" setzte man sich selber sehr hohe Ziele. Fernab von jedweder Schwarz-Weiß und Gut und Böse Vorabverurteilung, will man sich tiefer gehend mit den damaligen Geschehnissen beschäftigen. Auch das Zeigen, was hinter den Kulissen passierte. Die Mauer wird in der hier von der DVD vorliegenden Dokumentation aus verschiedensten Blickwinkeln und Beweggründen betrachtet und gezeigt. So kommen die, welche unmittelbar mit an der Planung und am Bau der Mauer beteiligt waren, ebenso zu Wort wie jene, welche in deren Schatten leben mussten oder auch versuchten sie zu überwinden.
Dabei sind es neben bisweilen mehr als fünfzig Jahre alte Filmaufnahmen, zum Teil sogar private, so noch nie gezeigte Aufnahmen, nebst zahlreicher speziell für diese Dokumentation geführter Interviews. Die Wahl der Gesprächspartner zeigt sich dabei äußerst vielfältig und spannend. So äußert sich ein ehemaliger DDR-Grenzer über genau den Augenblick als er an der Mauer schoss. Neben einem ehemaligen Oberbefehlshaber der Grenztruppen kommen aber auch genauso die unmittelbaren Betroffenen, die Flüchtlinge und die welche unter dieser Mauer damals und zum Teil noch heute Leidenden zu Wort.
Wieder einmal ist es auch bei dieser LOOKS-Produktion der gewählte Stil in der Art der Berichterstattung, der mit seiner Einzigartigkeit in den Bann zieht. Der gekonnt in Szene gesetzte Mix aus historischem Film- und Bildmaterial, in Verbindung mit schauspielerisch nachgestellten Momenten der Geschehnisse dieser Zeit, nebst der zahlreichen Interviews, vermitteln die interessante wie auch höchst brisante Geschichte in Bezug zur "Geheimsache Mauer".
Schon die Anfangsszenerie bei dieser Dokumentation wirkt geradezu gespenstisch, als die Filmemacher aufzeigen, wie die Grenze heute im Jahr 2011 funktionieren würde, gäbe es sie denn noch. Die Pläne für eine solche von der DDR-Führung schon seit Mitte der Achtziger unter dem Namen "Mauer 2000" geplante Hightech-Grenze, lagen bereits vor.
Eine Aussage zur Bildqualität zu machen, ist bei der Menge verschiedenster in dieser Produktion zum Einsatz kommender Medien nicht möglich. Neben historischen Aufnahmen, zum Teil noch in schwarz-weiß, kommen alte Fotos und neue Filmaufnahmen mit Gesprächspartnern sowie inszenierte fiktive Film-Szenen, wie auch computeranimierte Bilder und Szenerien zum Einsatz. In den zu erlebenden neunzig Minuten der Dokumentation hat man versucht diese vielen verschiedenen Elemente in dem zur Ansicht kommenden Bildformat von 16:9 (1,78:1) in ein stimmiges Ganzes zu einen.
Die Menüs bei der hier vorliegenden Veröffentlichung zeigen sich in ihrer Gestaltung, mit einigen Animationen und Soundeffekten, übersichtlich und gut bedienbar. Neben der direkten Möglichkeit, die Dokumentation unmittelbar nach einlegen der DVD in den Player zu starten, wird noch in einem sich separat zu öffnenden weiteren Menü eine "Kapitelauswahl" angeboten.
Neben der eigentlichen Dokumentation werden zudem noch einige Extras von der DVD angeboten. Ein etwas mehr wie elf Minuten laufendes "Making off" bietet einen Blick hinter die Kulissen bei den Dreharbeiten und lässt einige der Macher bei dieser Produktion zu Wort kommen. Der um die zwei Minuten laufende Beitrag "Grenze in Zahlen" zeigt die beinahe unglaublichen statistischen Zahlenwerte, die mit dem Bau und Betrieb der Mauer einhergingen. Eine animierte und musikalisch unterlegte Bildergalerie zeigt in etwa vier Minuten einige Fotos von den Dreharbeiten.
Tonbewertung:
Für die sehr gut verständliche und angenehm temperierte Off-Stimme bei dieser Dokumentation, konnte man Hans-Henrik Wöhler, der vor allem durch viele der mit seiner Stimme gestalteten Fernsehreportagen bei der ARD bekannt ist, gewinnen. Im Gesamteindruck fielen mir keine Unregelmäßigkeiten im zu Gehör kommenden Ton im Format Dolby Digital 2.0 bei der Wiedergabe der mir hier vorliegenden DVD auf. Außer dem deutschen Ton gibt es keine weiteren optionalen Angebote in diesem Bereich von der DVD. Leider fehlen, bei dieser sonst so gelungenen Veröffentlichung, die Untertitel für Hörgeschädigte und Gehörlose.
Gesamteindruck:
Mit "Geheimsache Mauer" ist es der "LOOKS Film & TV Produktionen" wieder einmal gelungen jüngste deutsche Geschichte informativ und dabei zugleich interessant verpackt und dargeboten aufzuzeigen. Ich schätze den besonderen Stil mit seinem Mix aus historischem Bild- und Filmmaterial im Zusammenspiel mit fiktional dargestellten Filmszenen und den Interviews von bzw. mit Zeitzeugen sehr. Sie verleihen den Dokumentationen, wie auch der hier vorliegenden aus dem Hause "LOOKS" eine hohe Authentizität und Glaubwürdigkeit, ohne dabei langatmig zu wirken. Mit dieser Art der Umsetzung der thematischen Inhalte fühlt man sich als Zuschauer zugleich informiert aber eben auch unterhalten. Sehr empfehlenswert.