Das Buch ist eine recht interessante Ansammlung von (zahlreichen) Hinweisen, die die These untermauern sollen, dass die damalige US-Regierung die Terroranschläge mindestens billigend in Kauf nahm - mehr ist das Buch aber nicht!
Das Wort 'Hinweise' sollte hier nämlich unbedingt hervorgehoben werden. So komme ich direkt zu einem der Schwachpunkte dieses Buches. Der Autor präsentiert größtenteils Presseberichte, teilweise sogar (subjektive) Kommentare, die nicht selten als "Beweise" qualifiziert werden. Immer wieder ist von "gründlicher Analyse der Fakten" die Rede - das einzige, was der Autor gründlich analysiert, ist die kritische Reaktion der Presse und einiger Experten, deren Meinungen wiederum meist aus der Presse zitiert werden. Warum führt der Autor so gut wie keinerlei eigenen Recherchen durch, wie es all die Journalisten usw. gemacht haben? Dabei kommt einem unweigerlich die Frage in den Sinn, was hat der Autor eigentlich an eigener Arbeit geleistet? Wahrscheinlich mehr als die Hälfte des Buches (vorsichtig geschätzt) besteht aus Zitaten. Lange Zitate sind vielleicht dann interessant, wenn Auszüge aus Originaldokumenten wie z.B. Archivmaterial präsentiert werden. Es entsteht hier ein wenig der Eindruck, man hat sich ein paar Nachmittage hingesetzt, passende Medienberichte im Internet zusammengesucht, und dann schnell etwas verfasst. Das passt zu dem schlechten Schreibstil (mehr dazu unten).
Zurück aber zur Relevanz dieser Hinweise: Pressemitteilungen, und seien sie noch so seriös, sind nie ganz objektiv und beinhalten meist Schlussfolgerungen des jeweiligen Journalisten. Es sind schlichtweg Sekundärquellen. Diese dann als "Beweise" und "Fakten" hinzustellen ist fahrlässig, und bietet allen Kritikern der vom Autor vertretenen These eine Steilvorlage. Das ist äußerst schade, denn man kann diese Hinweise aufgrund ihrer Dichte und der Seriosität der Medien, aus denen sie stammen, durchaus ernst nehmen. Das ist auch der Grund, warum ich noch drei Sterne vergebe.
Zweiter großer Kritikpunkt ist der sehr ungelenke Schreibstil und damit einhergehend die teilweise konfuse Struktur der Kapitel. Ich habe selten ein so schwach geschriebenes Buch gelesen - vielleicht ist auch nur die Übersetzung ins Deutsche so schlecht, das weiß ich nicht. Davon bin ich sehr enttäuscht und auch überrascht, da ich zuvor mal einen guten Aufsatz dieses Autors gelesen habe, der so gar nichts mit diesem Buch gemein hat. Denn bei diesem Werk bekommt man schnell den Eindruck, als seien Absätze und Unterkapitel völlig ungesehen aneinandergeklebt worden inmitten der vielen und langen Zitate. Ein Beispiel, welches dies verdeutlichen soll: S. 305/306: M. Chossudovski wird wie folgt zitiert: "Bisher fehlt allerdings noch ein handfester Beweis zu der Frage, ob dieses Verhalten auf eine direkte Komplizenschaft der Regierung Bush schließen lässt.", S. 306 rezitiert Ahmed diese Aussage mit "Kann man, wie Chossudovski das tut, dem Vorgang entnehmen, dass die US-Regierung selbst [...] beteiligt war?" Chossudovski äußert sich wesentlich vorsichtiger, als Ahmed das wiedergibt. Es gibt viele solcher und noch auffälligerer Passagen (die ich mir nun nicht alle notiert habe). Das wird alles sofort besser, sobald weniger Zitate gebracht werden. Außerdem enthält dieses Buch frappierend viele Fehler. Also, der Gesamteindruck der Präsentation des Inhalts ist alles andere als professionell. Wahrscheinlich ist dieses Buch gar nicht lektoriert worden, und man wollte schnelles Geld damit verdienen. Das ist mehr als schade, denn der Inhalt ist vielversprechend, und der Autor kann's besser. Außerdem gibt's kein Namens-/Sachregister. Im Stile dieses Buches wäre das ein weiterer Beweis dafür, dass es hier nur um schnellen Profit ging... Aber im Ernst, ein Register wäre hilfreich, weil man sicherlich mal irgendwann einige Personen und Ereignisse nachschlagen möchte.
Fazit: Inhaltlich vielversprechende Ansätze, die man bei allen - zahlreichen - Schwächen ernst nehmen sollte, und aus denen eine ECHTE Studie entstehen könnte - wenn man auf allen Seiten mehr Mühe investiert (und vielleicht bessere Übersetzer). 2,5 Sterne.
- Nachtrag: Ich habe nachträglich die Bewertung auf 2 Sterne herabgesetzt. Neben den o.a. Schwächen sind mir weitere inhaltliche Schwachpunkte in Form von voreiligen Schlussfolgerungen aufgefallen, nachdem ich A. Rashids Buch "Taliban..." gelesen habe. Ein Beispiel ist die Unterstützung der USA bzw. deren Ölfirma für die Taliban. Es sprechen zweifellos viele Indizien dafür, aber das mit einigen kurzen Sätzen als gegeben zu präsentieren (weil ein anderer Autor dies so interpretiert!) wie bei Ahmed geschehen (S. 20), ist nicht seriös. Das ist sehr schade, da die Indizien in vielen Fällen eigentlich schon für Ahmed sprechen. Daraus aber Schlussfolgerungen als zweifellos gültig zu formulieren, ist unseriös.