Der bekannte Pädagoge, Erziehungswissenschaftler und Familientherapeut Wolfgang Bergmann ist im vergangenen Jahr insbesondere durch seine heftige Kritik an den Positionen seines Kollegen Michael Winterhoff hervorgetreten. Während mich damals seine Entgegnungen zu den beiden Büchern Winterhoffs weniger überzeugt haben, findet das vorliegende Buch meine ungeteilte Zustimmung nicht nur als evangelischer Theologe, sondern auch als Vater eines fast siebenjährigen Jungen.
In diesem wunderbaren Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, hat man einmal angefangen darin zu lesen, folgt er seiner These: "Kinder sind ein Geheimnis. Sie gehören nicht irgendwelchen pädagogischen Ideen und moralischen Grundsätzen, nicht dem Ehrgeiz und nicht der Erziehungskunst ihrer Eltern - sie gehören nur sich selbst und jenem Welträtsel, dem sie entsprungen sind. ( Man kann das ruhig auch Gott nennen, d. R.) Wer Kinder liebt und sich ihnen zuwendet, wie es Jesus tat, der ist selbst dem Geheimnis des Lebens und der Liebe nahe. Dies können wir lernen - von Jesus ebenso wie von unseren Kindern."
Wolfgang Bergmann verbindet auf eine Weise, wie ich es so noch nie gelesen oder gehört habe, die Geschichten und die Verkündigung von Jesus von Nazareth, also neutestamentliche Bibelkunde, mit wichtigen und zentralen Themen jeder Kindheit und jeder Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Ohne großen wissenschaftlichen Apparat gelingt es ihm außerdem, in den etwa 20 mit griffig und einladend überschriebenen Kapiteln zu den jeweiligen Themen auch die jeweilige pädagogische Debatte einfließen zu lassen.
Es ist ein Buch für Eltern, die auf die eine oder andere Weise selbst mit der Person und den Geschichten von Jesus sich verbunden wissen, oder auch mehr und Neues darüber erfahren wollen und die die Nase voll haben von den Dutzenden von Erziehungsratgebern, von denen jeder glaubt, er wisse es ganz genau, wie man Kinder hilft in die Welt hinein zu kommen und darin glücklich zu werden.
Eins scheint mir jedenfalls nach der Lektüre dieses Buches erneut klar geworden zu sein: Ohne eine eigene innere, man kann es auch geistlich nennen, Orientierung bei der Erziehung unserer Kinder, bleibt unsere ganze Anstrengung eben Anstrengung, bleibt technisch und erwachsenenorientiert. Der Blick auf das, was Jesus erzählt und gelebt hat von der Liebe Gottes, davon, wie er Kinder gesehen hat und wie er mit ihnen umgegangen ist, kann uns etwas wichtiges bei dieser Orientierung lehren. Man muss nicht religiös sein oder werden, um aus diesem Buch einen großen Gewinn zu ziehen. Ich kann es nur empfehlen.