Robin Laine Fox zeigt am Anfang seines 600 Seiten langen Buches von 1991, wie absurd die Inhalte der Bibel sind, wenn man sie wörtlich nimmt: Nicht nur, dass es z.B. zwei widersprüchliche Schöpfungsgeschichten und zwei Versionen von Jesu Geburt gebe, die Inhalte würden auch den historischen Fakten diametral widersprechen. Daneben gebe es noch die allegorische Deutung der Bibel, wonach die wahren Aussagen etwa in Symbolen oder Gleichnissen verborgen seien. Historiker Fox begibt sich nun auf die Suche nach Botschaften, die in der Art und Weise verborgen sind, wie das Werk entstanden ist, wie deren Autoren versuchten die Herkunft der Texte zu verschleiern usw.
Das Buch ist ein reichhaltiges Werk aus einem unglaublichen Wissensschatz, mit dem überaus sorgfältig argumentiert wird. Darin und in der wunderbar flüssigen Sprache liegt seine Qualität. Zwischendurch hat es aber auch die bei Historikern wohl unvermeidlichen Längen. Mich hat das Ausmaß überrascht, in dem die Bibel offenbar von Autoren, Lektoren, Übersetzern und Herausgebern im Sinne von jeweiligem Zeitgeist und Interessen zusammengeschustert worden ist. Fox kommt zu dem naheliegenden Schluss, dass die Bibel zwar nicht Gotteswerk, aber ein wertvolles kulturhistorisches Dokument sei, das uns vor allem zeige, woran die Menschen in der Antike geglaubt hätten.
Wo der Philosoph Michel Onfray in seinem aktuellen Werk "Wir brauchen keinen Gott" übers Ziel hinausschießt, vermeidet es Fox, ebenfalls Atheist, zu sehr Position zu beziehen und seine anfänglichen Argumente weiter zu verfolgen: Wenn die Bibel allegorisch zu deuten ist, gibt es ohne Zweifel eine beliebig große Anzahl möglicher Interpretationen. Dann entscheidet u.a. die Intelligenz des Lesers über den richtigen Glauben. Ist das im Sinne des möglichen Erfinders? Und wenn es nichts gibt, woran man sich festhalten kann, ist die Bibel nicht falsifizierbar. Sie soll es auch gar nicht sein, werden nun die Klugen unter den Gläubigen sagen, denn sonst wäre es kein Glaube mehr, sondern Wissen. Richtig, aber mit dieser Argumentation könnte man einen alles glauben machen. Wenn Religion die Menschen besser macht, ist nichts gegen sie einzuwenden, aber sie ist dazu nicht notwendig. Dass Religion den Menschen klüger macht, wage ich indes zu bezweifeln.
Fox Buch ist auf jeden Fall eine wunderbare Grundlage für fundierte Diskussionen über ein Thema, das die Menschheit wohl noch lange beschäftigen wird.