Nun gut. Das Buch habe ich mit großer Überwindung zu Ende gelesen und nun beendet. Ich möchte mich Andreas M. Afrikas' noch wohlwollender, insgesamt aber vorzüglicher Rezension anschließen: Das einzige Rätsel des Buches ist es, wie das Handelsblatt, wahrscheinlich unbesehen, seinen Namen für so wenig Inhalt hat hergeben können. Kondensiert man den Inhalt auf ein Arbeitspapier, wird man auf nicht mehr als auf 15 DIN A4 Seiten kommen. Das hat im Einzelnen folgende Gründe:
- Überzeichnungen: Die wenigen Aussagen werden daraus gewonnen, dass sie verhaltensauffälligen oder deutlich übertrieben agierenden Personen abgerungen werden. Jenseits klinisch auffälliger oder völlig trivialer Beispiele wird aber nicht so recht erklärt, wie man denn zu einer eindeutigeren Deutung von körpersprachlichen Signalen kommt. Es wird zwar häufig wiederholt, dass es darum geht, die durch Worte nicht mitgeteilten Informationen wahrnehmen zu können, allerdings bleibt völlig offen, inwieweit das aussagekräftig genug möglich sein soll. Am Anfang des Buches stehen völlig überzeichnete Beispiele, die selbsterklärend sind, am Ende des Buches steht dagegen die Botschaft: Körpersprache ist vielschichtig und von einer großen Menge Faktoren bedingt, dadurch schwierig zu interpretieren und zwangsläufig vielen möglichen Fehldeutungen ausgesetzt. Die Überdeutlichkeit der anfänglichen Fallbeschreibungen und die Vielschichtigkeit des späteren Vokabulars für Körpersprache stehen sich unkommentiert gegenüber.
- Trivialitäten: Bis zum Ende des Buches gehen die wenigen Mitteilungen selten über das hinaus, was man aus dem gewöhnlichen Berufsleben über Körpersprache weiß. Beispiele gefällig? Mit verschränkten Armen und Stirnrunzeln begrüße ich als Verkäufer keine Kunden. Hätten Sie es gedacht? Oder die Worte: "Schön, dass ich Sie sehe", sollten von einem Lächeln und einem Blick in die Augen des Gegenübers begleitet werden und nicht mit einem desinteressiertem Vorbeisehen am Gesprächspartner, denn sonst könnte dieser allmählich auf die Idee kommen, zwischen Gesagtem und Gemeintem gäbe es Unterschiede. So ähnlich verläuft die erste Hälfte des Buches.
- Redundanzen: So hadert man das ganze Buch lang mit dem Gefühl, dass es vielleicht auf der nächsten Seite losgeht. Doch dabei bleibt es, es geht nicht los. Die Kapitel bauen kaum aufeinander auf. In jedem Kapitel erfährt man mindestens dreimal scheinbar immer wieder auf's Neue, dass es verbale und non-verbale Kommunikationssignale gibt, die kongruent oder inkongruent sein können, dass einem das Buch dabei helfen wolle, diese Signale zu verstehen, dass dies aber schwer sei. Im nächsten Abschnitt erfährt man dann, dass man auch seine eigene Körpersprache analysieren kann. Auch dabei will einem das Buch helfen, denn schließlich gibt es ja verbale und non-verbale Kommunikationssignale, die kongruent und ... ad infinitum. So hat man unabhängig von der Anzahl der bereits gelesenen Seiten den Eindruck, auch bei Seite 70 noch im Vorwort zu stecken.
- Man kann eigentlich davon ausgehen, dass Autoren beim Verfassen Ihrer Werke sich selbst auch in die Rolle des Lesers begeben, somit ihr Buch nicht nur schreiben, sondern auch selber lesen. Aus dieser Perspektive ist es in jeder Hinsicht rätselhaft, dass die Autoren in dieser Arbeit ihr Soll erfüllt sahen, selbst wenn es bei diesem Buch auch um die eigene Veröffentlichungsliste ging und nicht um die Mitteilung an Leser. Andere Bücher dieser Autoren werde ich pars pro toto meiden.