- Broschiert: 271 Seiten
- Verlag: Schwabe (April 1999)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3796513689
- ISBN-13: 978-3796513688
- Größe und/oder Gewicht: 30,4 x 21 x 2,2 cm
- Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.108.666 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
Produktinformation
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Wohlgeschmack an verborgenen Mächten
Zwei Neuerscheinungen zur Geschichte der Alchemie
Alchemie: die Suche nach dem Stein der Weisen. Das klingt sehr exklusiv und esoterisch. Alchemie: Das klingt aber auch nach Lug und Trug. Nach plumper Goldfälschung. Oder nach Scharlatanerie. Man erinnere sich nur an die bekannte Stelle in Goethes «Faust». Da wird Fausts Vater als «dunkler Ehrenmann» beschrieben, der «in Gesellschaft von Adepten / Sich in die schwarze Küche schloss / Und nach unendlichen Rezepten, / Das Widrige zusammengoss. / Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier, / Im lauen Bad, der Lilie vermählt, / Und beide dann, mit offnem Flammenfeuer, / Aus einem Brautgemach ins andere gequält, / [. . .] Hier war die Arzenei, die Patienten starben, / Und niemand fragte: wer genas?»
Alchemie, das klingt im besten Falle nach vorläufiger Wissenschaft, ein Aspekt, den Friedrich Nietzsche (in der «Fröhlichen Wissenschaft») ausdrücklich betonte: «Glaubt ihr denn, dass die Wissenschaften entstanden und gross geworden wären, wenn ihnen nicht die Zauberer, Alchemisten, Astrologen und Hexen vorangelaufen wären als die, welche mit ihren Verheissungen und Vorspiegelungen erst Durst, Hunger und Wohlgeschmack an verborgenen und verbotenen Mächten schaffen mussten?» Der Begriff Alchemie eröffnet also ein weites Assoziationsfeld. Doch was verbirgt sich tatsächlich dahinter? Aufklärung zumindest über die Geschichte der Alchemie (es gibt auch Neo-Alchemisten, wie ein Blick ins Internet zeigt) versprechen zwei Neuerscheinungen.
«Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft» lautet der Titel eines Bandes, der von den Naturwissenschaftshistorikern Claus Priesner und Karin Figala aus München herausgegeben wurde. Das heutige Interesse an der Alchemie, so das Vorwort, hänge weniger «mit der im Wortsinn seit Menschengedenken vom Gold ausgehenden Faszination» zusammen, sondern sei eher in der die Alchemie umgebenden «Aura des Geheimnisvollen» begründet. Auch spiele die Skepsis gegenüber dem technischen Fortschritt und der rationalen Wissenschaft eine Rolle: Alchemie sei für viele Menschen «Metapher einer ganzheitlichen [. . .] Methode der Natur und Selbsterkenntnis». Und in der Tat so die Herausgeber sei der Blickwinkel, aus dem «die Alchemie den Kosmos, Gott, den Menschen und seine Beziehung zu Kosmos und Gott» gesehen habe, von dem der Aufklärung «fundamental verschieden». Der Alchemist habe «nach dem Verständnis dessen gesucht, was Schöpfer und Schöpfung miteinander verbindet».
Mit Recht weisen die Herausgeber aber auch darauf hin, dass die Alchemie «zu keiner Zeit ein einheitliches und in sich widerspruchsfreies Theoriegebäude» besessen habe. Dass dem so ist, wird evident, wenn man die über 200 Artikel des Lexikons durchsieht, die von insgesamt 25 Autoren verfasst wurden. So hatte Paracelsus, der die Alchemie zu einer «Grundsäule» seiner «neuen Medizin» machte, sicher ein anderes Welt- und Naturverständnis als Isaac Newton, der sich aber auch intensiv mit der alchemistischen Tradition auseinandersetzte (dies allerdings geheimzuhalten versuchte!). So hatte C. G. Jung, der nahezu ausschliesslich den «spirituellen» Aspekt der Alchemie sah (bzw. sehen wollte), sicher eine andere Auffassung von Alchemie als der «alchemische Chemiker» Johann Rudolf Glauber, den sein abführendes «Wundersalz» weltberühmt machte. Widersprüche oder Paradoxien lassen sich gelegentlich sogar in ein und demselben Text feststellen. In der Einleitung zu den «Physika kai Mystika», einem Werk der antiken Alchemie, wird referiert, dass der Magier Ostanes die gesamte Weisheit der «Chemeia» in den Worten zusammengedrängt habe: «Natur freut sich über Natur, Natur triumphiert über Natur, Natur herrscht über Natur.» Wie man aber den Widerspruch auflösen kann, wer also (und wie) entscheidet, wann sich Natur an Natur erfreuen solle und wann Natur über Natur herrschen solle, bleibt das Geheimnis des Alchemisten.
Zum «Lexikon» insgesamt ist zu bemerken, dass die Auswahl der Artikel ein schwieriges Problem bei der Konzeption jedes Lexikons passabel erscheint (sicherlich hätte auch Joachim Tancke, einer der ersten Medizinprofessoren, die sich zur Alchemie bekannten, einen Artikel verdient). Alle Artikel sind klar gegliedert und verständlich geschrieben. Nicht jeder ist allerdings wie im Vorwort behauptet auf dem neuesten Forschungsstand; die «jüngste» Literaturangabe im Paracelsus-Artikel stammt aus dem Jahr 1994. Doch trotz diesen kleinen Mängeln sollte das «Lexikon» in keiner («Alchemisten»-)Bibliothek als Nachschlagewerk fehlen. Als Einführung und in gewisser Weise auch als Appetitanreger ist der zweite anzuzeigende Band konzipiert: «Geheimnisse der Alchemie» wurde von Manuel Bachmann und Thomas Hofmeier verfasst, die beide ein Studium der vergleichenden Religionswissenschaft und der vorderorientalischen Archäologie absolviert haben (die Verfasser traten 1996 auch als Gründer eines «Instituts für Geschichte und Hermeneutik der Geheimwissenschaften» in Basel hervor).
Der Band entstand anlässlich einer Ausstellung zur Geschichte der Alchemie in Basel. Nur knapp wird die ältere Alchemie behandelt. Den Schwerpunkt der Darstellung bildet die frühneuzeitliche Alchemie. Besondere Berücksichtigung finden hier Handschriften aus Basel und St. Gallen sowie in Basel gedruckte alchemistische Schriften (wobei sich hier auch mancher für den Forscher interessante Abschnitt findet). Insgesamt vermag dieser Band durchaus einen Eindruck vom Faszinosum der Alchemie zu vermitteln, nicht zuletzt durch die prächtigen Abbildungen. Kritisch ist allerdings anzumerken, dass durch die Betonung des Charakters der Geheimwissenschaft andere Aspekte (z. B. metallurgischer oder pharmazeutisch-chemischer Art) zurückgedrängt wurden. Die Alchemie ist zwar Geheimwissenschaft aber sie ist auch mehr (oder weniger, je nach Standpunkt).
Udo Benzenhöfer
Die Alchemie steckt voller Geheimnisse. Die zum Teil verschlüsselten Texte mit ihren rätselhaften Bildern zwischen Naturmystik und Naturwissenschaft handeln vom "Geheimnis" oder den "Geheimnissen": den Geheimnissen der Natur, den Geheimnissen des menschlichen und des göttlichen Geistes. Das gemeinsam von Manuel Bachmann und Thomas Hofmeier verfaßte Buch versucht, auf verschiedenen Wegen einen Zugang zur geheimnisvollen Gedankenwelt der Alchemie zu verschaffen, unter ständigem Beizug nicht nur der Texte in den alten Handschriften und Büchern, sondern auch der bunten Bildwelt der Alchemie. Nach einem historischen Überblick über die Alchemie seit der Antike werden Überlieferungswege der Bibel der Alchemisten, der Tabula Smaragdina, verfolgt. Stiche aus der Emblematik der Alchemie des 17. Jahrhunderts, die der bildlichen Darstellung des alchemischen Geheimnisses verpflichtet sind, werden hier erstmals unter Heranziehung eines alchemischen Bildkommentars gedeutet und mit gegenwärtigen Konzepten von Bild und Realität verglichen. Darüber hinaus wird die Alchemie in verschiedenen Aspekten vorgeführt, über Substanzen und Geräte und nicht zuletzt über die Darstellung von Leben und Werk großer Alchemisten. Besonderen Stellenwert erhalten dabei neben den Handschriften aus Basel und St. Gallen jene Bücher, die in Basel gedruckt wurden und zu einem großen Teil immer noch in der Universitätsbibliothek Basel vorhanden sind. Sie alle werden beschrieben und historisch eingeordnet, um Basel im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert als europäisches Zentrum der Alchemie mit einer Vielzahl von praktizierenden Alchemisten, die auch an der Universität tätig waren, plastisch wiederaufleben zu lassen.
Aus dem Inhalt
Einleitung Geheimnis Geheimwissenschaft Historie und Histörchen
Tabula Smaragdina Hermes, Vater der Alchemie Tabula Smaragdina Variationen
Der imaginative Innenraum der Welt Melancholie und Alchemie Die Raum-Zeit-Struktur des hermetischen Universums Der Gott der Alchemisten Der imaginative Innenraum
Materielle Symbole des Steins der Weisen Substanzen Geräte
Basler Handschriften Diverse Handschriften Alchemie und Montanistik Johannes von Rupescissa
Dissertationen von berühmten Alchemisten an der Universität Basel Quercetanus Runge Moffett Libavius Khunrath Ruland Maier weitere Alchemisten in Basel
Der Basler Alchemiedruck Rahmenbedingungen Geber Von Königen und Gelehrten Wie die Alchemie nach Basel kam Gratarolo Dariot Streit um die Alchemie Narren Alchemie
Turba philosophorum Raphael Egli Iconius Apparat Bibliographie Primärwerke Bibliographie Sekundärwerke
Die Autoren
Manuel Bachmann, geboren 1965, promovierte nach dem Studium der Philosophie, der Vergleichenden Religionswissenschaft und der Vorderorientalischen Archäologie mit einer Dissertation über Widersprüche in der Logik an der Universität Basel. Zur Zeit ist er als wissenschaftlicher Oberassistent und Lehrbeauftragter für Philosophie und Geistesgeschichte an der Universitären Hochschule Luzern tätig und arbeitet an einem Habilitationsprojekt an der Universität Basel. 1996 gründete er zusammen mit Thomas Hofmeier das Institut für Geschichte und Hermeneutik der Geheimwissenschaften in Basel. Bisher publizierte er zu Strukturalismus, Naturphilosophie, Logik und zur morphologischen Rationalität der Alchemie.
Thomas Hofmeier, geboren 1969, studierte Ägyptologie, Vorderorientalische Archäologie und Vergleichende Religionswissenschaft an den Universitäten Basel und Bern. Seit dem Lizentiat 1995 arbeitet er an einer Dissertation über "Altorientalische Ursprünge der Alchemie" und ist am Ägyptologischen Seminar der Universität Basel als wissenschaftlicher Assistent mit Lehrauftrag tätig. Neben der Mitbegründung des Instituts für Geschichte und Hermeneutik der Geheimwissenschaften ist er Mitherausgeber im Rahmen eines privaten Editionssprojekts für arabische alchemische Handschriften. Er publizierte auf dem Gebiet der Ägyptologie und zur Forschungsgeschichte der Alchemie.
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