An und für sich ist das Buch nicht schlecht. Man fühlt sich als Eltern verstanden. Allerdings habe ich mit dem In-die-Ecke-stellen schlechte Erfahrungen gemacht. Ich habe es einmal versucht und nie wieder! Es handelt sich nur um eine sanftere Methode, das Kind zum Gehorsam zu zwingen. Der Grund für das Fehlverhalten (z.B. Langeweile im Beispiel des Restaurantbesuchs) ist uninteressant. Wenn ein Kind immer wieder Regeln bricht, gibt es sicher bessere Reaktionsmöglichkeiten. Sehr kleine Kinder kann man z.B. ablenken.
Außerdem ärgert mich, dass der Autor Schüchternheit für eine Art Trotzverhalten hält. Schließlich gibt es viele Leute und auch Kinder, die aufgrund schlechter Erfahrungen zurückhaltend geworden sind. Dies wird völlig übersehen. Ähnliches gilt für "schmollende" Kinder, die mit ihrem Problem nicht herausrücken wollen. Der Grund, dass sie an einem anderen Ort (beim Autor: in der Küche) zum Sprechen bereit sind, ist sicher weniger die Tatsache, dass der Autor sich nicht tyrannisieren lässt (wie er selbst glaubt), sondern, dass das Gespräch dort weniger an ein Verhör erinnert als vorher.
Auch Wutanfälle werden meiner Meinung nach falsch verstanden. Wir haben bei Trotzanfällen niemals nachgegeben, und trotzdem kam es zu Wiederholungen. Ich halte kindliche Wutanfälle für wirkliche Wutanfälle.
Der Autor sieht unerwünschtes Verhalten von Kindern zu sehr als bewusste Provokation. Trotzdem ist das Buch ein recht guter Ratgeber. Vor allem das Kapitel, in dem erklärt wird, wie sensibel Kinder auf unbedachte Äußerungen reagieren, hat mir gefallen.