Natürlich fallen jedem, der mehrere hundert Filme im Jahr sieht, Parallelen auf. Eine, über die man keine Vermutungen bemühen muss, ist die 2001er Neuverfilmung des Stoffs von Cornell Woolrich unter dem Titel
Original Sin mit Angelina Jolie und Antonio Banderas unter der Regie von Michael Christofer. Allen, denen die Bild- und Tonqualität besonders wichtig ist, kann man dieses liebevolle Remake nur empfehlen.
Aber für die gelegentlich auffallenden technischen Mängel der Truffaut-Verfilmung von 1969 ist nun wirklich nicht in erster Linie der DVD-Transfer verantwortlich. Schon richtig, mit Computer-Überarbeitungen kann man Kamera-Wackler, Spratzer und Black-Outs korrigieren, aber "gemacht" hat sie ja wohl der Originalfilm. Eine wacklige Hand-Kamera bringt nun mal gerade bei SD-Umsetzungen zusätzliche Artefakte, Fehlbelichtungen sehen flach aus, frühere Hubschrauber- und Autoaufnahmen zappeln (auch bei 007...) nun mal auf die Nerven und Außenaufnahmen bei gemischtem Licht fallen durch mehr Korn auf als eine Rekordernte. Gut ausgeleuchtete Studioaufnahmen sehen dafür oft außerordentlich gut aus, soweit das die SD-Auflösung zulässt. Es gibt aber durchaus jüngere und aus technischer Sicht schlechtere Produktionen - man muß sich nur mal "The Game" anschauen.
Wenn Autofahrten im Studio vor der Leinwand gefilmt werden, sieht das eben lächerlich aus - man achte nur mal auf die dauernd "Sonnen"-beschienene Rückpartie Belmondos, während er um eine Verkehrsinsel kreist. Solche Beleidigungen des Zuschauerauges erinnert an "Altmeister" Hitchcock, der seine Zuschauer auch gerne mit primitivsten Tricks "verwöhnte" - mein persönlicher Horror war eine auf Riesenleinwand gemalte Hafenszenerie im "Hintergrund".
Dafür gefallen andere Szenen durch geradezu atemberaubende Fotografie, so z.B. manche Aufnahmen in Aix-en-Provence. Augenmenschen kann man den Film also durchaus empfehlen, auch auf dieser DVD. So, genug der Technik, ganz nebenher gibt es ja noch einen nicht unbedeutenden Film zu sehen.
Vor allem ist "La sirène du Mississippi" ein Lehrstück für Männer, die sowohl mit Vermögen als auch mit schönen Frauen ihre Erfahrungen sammeln durften oder möchten. Denn der Widerstreit zwischen Gefühlen und der Angst vor Armut treibt vermutlich nicht nur die umwerfend schöne Marion (Catherine Deneuve, 26) immer wieder in Gewissenskonflikte. Und der hoffnungslos vernarrte Louis Mahé (Jean-Paul Belmondo, 36) dürfte nicht der einzige Mann auf Erden sein, der nach vergeblichem Widerstand schließlich die Waffen streckt und sich in sein Schicksal fügt.
So geht es vermutlich auch manchem Zuschauer. Viele Ungereimtheiten in der Erzählung, im Schnitt und in den Dialogen würden wohl kaum einem Filmstudenten verziehen werden - aber mancher tut sich das gerne an, einfach, um zwei Stunden lang diese Traumfrau zu bewundern. Das ändert aber nichts daran, dass man endlich mal auch die "berühmten" Regisseure mit gleichem Maß messen sollte wie alle anderen auch: So schön die Geschichte ist, so gut Belmondo als Charakterdarsteller gefällt, so sehr die Sirene bezirrt - handwerklich war dieser Film mit schneller Nadel gestrickt; und das gilt keineswegs nur für die Kamera-Schwächen.
Dennoch: ein schöner Film, den man sich gerne immer mal wieder anschaut, und der deutlich bei Projektion auf großer Leinwand gewinnt. Ein Upscaling kann natürlich einen HD-Transfer nicht ersetzen, mildert jedoch die Auswirkungen des dauernden Gewackels. Und für Verehrer von Catherine Deneuve ist dieser Film ohnedies Kult.
Im Original 123 Minuten, Format 2,35:1 auf 35 mm Film, Dolby (IMDB)
Die gesehene SZ-Version läuft 118 Minuten - wie üblich völlig ohne Extras. Zusätzlich zur deutschen Version werden das französische Original sowie deutsche Untertitel angeboten. Immerhin gibt es das 2,35:1 - Kinoformat.
film-jury 4* A0585 1.5.2011eg
Francois Truffaut (* 6. Februar 1932 in Paris)
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1962 -* R0000
Jules und Jim