Richard Widmark, hier als der wurzellose Einzelgänger Jim Slater, bringt den Gemütszustand eines Mannes, der sich wiederholt zur Zielscheibe von Unbekannten gemacht findet, sicher ziemlich genau auf den Punkt, doch für den Zuschauer ist die bleihaltige Luft, die Slater umgibt, alles andere als ermüdend, und somit ist John Sturges' eher weniger bekannter Western "Backlash" (1956) ein ziemlich spannender Film, auch wenn das eigentliche Geheimnis der fünf Gräber - nach dem der Film im Deutschen benannt wurde - im Grunde genommen recht durchsichtig ist.
Schon in den ersten Minuten kommt es zu einer Schießerei, noch bevor die beiden Hauptpersonen überhaupt mit biographischem Hintergrund versehen werden. Eine bildschöne Frau (Donna Reed) reitet in ein verlassenes Lager im Gila Valley ein, wo sie auf einen Mann trifft, der damit beschäftigt ist, fünf Gräber zu öffnen. Auf seine Frage, was er dort treibe, antwortet er kaltschnäuzig, die Toten störe das nicht, die seien vielmehr froh, wenn sich jemand um sie kümmere. Die Frau bittet den Mann, ihre Zigaretten aus der Satteltasche ihres Pferdes zu holen, und als der Mann dies tut, kann er gerade noch den Schüssen, die ein Unbekannter aus der sicheren Deckung des Gebirges auf ihn abfeuert, ausweichen. Natürlich verdächtigt er die Frau, ihn mit Absicht in eine Falle gelockt zu haben. Doch zunächst einmal gilt es, den hinterlistigen Schützen unschädlich zu machen. Nachdem ihm dies gelungen ist - Sturges nimmt sich hier genüßlich Zeit, das erbitterte Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Männern in Szene zu setzen -, macht unser Held der Frau erst einmal ein ziemlich direktes Kompliment, das bei ihr sichtlich auf fruchtbaren Boden fällt.
Die völlige Hintergrundlosigkeit der zwei Figuren sowie das für den Zuschauer unerklärliche Tun des Protagonisten und der tödliche Kampf, den er sich mit dem unbekannten Heckenschützen liefert, tragen gleich am Anfang dazu bei, den Grundton dieses Westerns festzulegen: Hier geht es um oft nur zu begründetes Mißtrauen, Unsicherheit beim Aufbau menschlicher Bindungen, und um die größte aller Ungewißheiten: diejenige, die einen Menschen befallen mag, der - warum auch immer - ausgezogen ist, um den Tod eines Vaters zu rächen, den er nie kennengelernt hat, und der dabei schließlich seine Herkunft in einem neuen Licht sieht. Insofern ist "Backlash" trotz seiner Technicolor-Bilder nicht ohne Verwandtschaft mit dem Film noir, und er erinnert in vielem auch an die psychologischen Anthony-Mann-Western aus den frühen fünfziger Jahren, in denen ein von Rache getriebener Held an sich zu lernen beginnt.
Im Verlaufe der ersten halben Stunde dann werden wir nach und nach mit den Informationen gefüttert, die es uns erlauben, einen Sinnzusammenhang herzustellen. Die fünf Toten im Gila Valley sind die Opfer eines Apachenüberfalls, doch ursprünglich waren es sechs Männer, und einer von ihnen hat sich mit einem Goldschatz von 60.000 Dollar aus dem Staube gemacht und seine fünf Gefährten ihrem Schicksal überlassen, ohne Hilfe zu holen. Jim Slater ist an diesen Ort zurückgekehrt, da er der Sohn eines der fünf Toten ist, und nun sucht er vor Ort Spuren, um den Verräter und Mörder seines Vaters zu identifizieren und Rache zu nehmen. Die bildhübsche Frau, die ihn bei seiner Arbeit stört, ist Karyl Orton, die Witwe eines weiteren Opfers. Anders als Slater scheint es ihr indes zunächst vor allem darum zu gehen, die 60.000 Dollar wiederzufinden, als deren rechtmäßige Besitzerin sie sich sieht. Gemeinsam, und doch durch wechselseitiges Mißtrauen voneinander entfremdet, machen sich Jim und Karyl daran, das Geheimnis um die fünf Gräber zu lüften.
Dabei hält der auf hohem Niveau routinierte Westernregisseur Sturges den Zuschauer mit immer neuen Gefahren, denen sich die beiden gegenübersehen, in Atem und weiß auch durch eine glaubwürdige Zeichnung der Hauptfiguren zu überzeugen. Auch der gewissenlose Schurke Jim Bonniwell ist mit John McIntire aufs gelungenste besetzt, denn McIntire, der eine ähnliche Rolle in Manns "The Far Country" (1954) gespielt hat, weiß, seinem Unhold die Aura einer grenzenlosen Bosheit zu verleihen. Des weiteren brilliert auch William Campbell in der Rolle des Johnny Cool, eines dandyhaften Revolverhelden, dessen jugendlicher Übermut ihn dazu treibt, sich stets neu beweisen zu müssen. Für knapp 85 Minuten birst dieser Film vor Handlung und in immer neuen Konstellationen auftauchenden, dabei meist gut entfalteten Charakteren und erinnerte mich dabei insbesondere an Manns Western "Winchester '73" (1950), in dem es ähnlich turbulent und gleichzeitig tragisch zugeht und in dem ebenfalls die ganze Palette typischer Westernsituationen* durchlaufen wird.
Dieser Film ist absolut zu Unrecht eines von Sturges' weniger bekannten Werken.
* In "Backlash" haben wir, um nur einige zu nennen, einen Indianerüberfall, Erinnerungen an den Bürgerkrieg, eine Auseinandersetzungen zwischen Ranchern und natürlich auch ein Revolverduell. Drehbuchautor Borden Chase hat die spannungsreiche Handlung zudem auch mit einigen schlagfertigen Dialogen, etwa den Sticheleien zwischen Jim Slater und Johnny Cool, angereichert.