Es ist heiß in Florenz im Sommer 1964. Sehr heiß. Damit wir das nicht vergessen, wird es auf jeder zweiten oder dritten Seite erwähnt. Als wäre das nicht lästig genug, wird auch noch eine alte Dame tot in ihrer Villa gefunden. Natürlicher Tod oder Mord - das ist hier einmal mehr die Frage.
Marco Vichi hat der Schar italienischer Commissarios mit Casini einen eher durchschnittlichen hinzugefügt. Die Geschichte ist nett zu lesen und eignet sich auch für heiße, heiße Strandtage, an denen man das Gehirn nicht allzu sehr zum Schwitzen bringen möchte. M. V. bemüht sich um originelle Redewendungen und interessante Figuren, die auf mich aber konstruiert und im zweiten Fall auch nicht besonders lebendig wirken. Vielleicht ist auch die Übersetzung aus dem Italienischen nicht sehr gelungen und trägt dazu bei. Was dem Buch aber am meisten schadet, ist der schlecht zusammengezimmerte, unglaubwürdige Plot. Da kommt einfach keine Spannung auf, was bei einem Kriminalroman doch schon ein erhebliches Manko bedeutet.
Schade ist auch, dass der Autor, der laut Klappentext in Florenz lebt, es nicht schaffte, diese Stadt lebendig wirken zu lassen. Gut, er erwähnt einige Straßen, Stadtteile, Brücken, sogar Santa Croce und San Miniato - aber das einzigartige Flair dieser Stadt kann er nicht beschwören.
Das Taschenbuch hat ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis. Als leichte Urlaubslektüre akzeptabel. Nicht ausgeschlossen, dass man im italienischen Ferienhaus über ein mehr oder weniger zerfleddertes Exemplar stolpert: Im Urlaub gelesen, aber doch nicht ins heimische Bücherregal überführt.