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Geheimnis: Sieben Tage mit Egon Alt [Gebundene Ausgabe]

Juri Andruchowytsch , Sabine Stöhr
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

18. August 2008
Wo bist du glücklich gewesen? Warum hast du beim Fußball geweint? Wessen Bücher würdest du auswendig lernen? Fragen eines deutschen Journalisten an einen ukrainischen Schriftsteller, der ein Jahr in Berlin verbringt. Sieben Tage lang sprechen Egon Alt und Juri Andruchowytsch über Habsburg im Sowjetlook, über Bahnhöfe, Grenzpfähle und vergessene Träume, über verbotene Musik, Rekruten in der Roten Armee und die legendären Happenings der Performance-Gruppe BuBaBu. Sieben Kapitel "über mich und die Zeit, in der ich lebe", wie der 48jährige Juri Andruchowytsch im Vorwort zu seinem neuen Buch schreibt. Von der Katastrophe im Jahr 1969, als Dynamo Kiew gegen Spartak Moskau verlor, bis zu dem Moment, als Breschnews Sarg mit voller Wucht ins Grab knallte, vor Millionen Fernsehzuschauern in der ganzen Sowjetunion, deren Zusammenbruch sich hiermit ankündigte. Vom Putsch in Moskau bis zur orangen Revolution und der Katerstimmung danach: Der exzessive Dialog, der ihn mit seinem Leben und Schreiben konfrontiert, ist ein spannendes Stück Zeitgeschichte. Selten greifen Privates und Politisches so eng ineinander wie in diesem ironischen Porträt eines Autors, der sich selbst nicht über den Weg traut.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 387 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (18. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518420119
  • ISBN-13: 978-3518420119
  • Originaltitel: Tajemnycja. Zamist' romanu, 2007
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,6 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 753.525 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Wer die heutige Ukraine verstehen will, muss dieses Buch lesen. Warum sollte man aber ausgerechnet die Ukraine verstehen wollen? Weil es, wie Polen, wie Tschechien, wie Ostdeutschland »Europa ist, das man in Russland verwandeln wollte«. Weil man also Europa nicht versteht ohne die Ukraine. Hier geht es aber nicht um modische Habsburg-Sentimentalität. Andruchowytsch, 1960 im galizischen Stanislau geboren, hält die ungeheure kulturelle Nivellierungsleistung des Sowjetreichs fest, das überall die gleiche Tristesse verordnete. ... Der Form nach ist Andruchowytschs Roman ein Interview, geführt von seinem Alter Ego »Egon Alt«. In diesem scheinbar anspruchslosen Frage-Antwort-Spiel gelingt dem Schriftsteller das Kunststück, einen Schelmenroman zu schreiben, der unter der Hand zum Bildungsroman mutiert.« (Alan Posener Die Welt )

»Die knapp vierhundert Seiten lesen sich atemberaubend spannend, was sich ebenso dem Erzählten wie der Erzählweise verdankt. ... Wut ist neben Liebe, Begeisterung, Melancholie und Ironie eine unabdingbare Ingredienz von Juri Andruchowytschs eigenwilligem, lebensprallem Bekenntnisbuch. Wut als Zeichen von Vitalität und als rebellisches Hinterfragen ost-westlicher Stereotypen. Wer heute besorgt auf die Ukraine blickt, tut gut daran, sich in »Geheimnis« zu vertiefen. Er wird auf erschütternde Paradoxien treffen und zugleich auf so viel Poesie und Witz, dass es ihm bisweilen die Sprache verschlägt. Andruchowytschs rastlos kreativer Geist hält es nämlich trotz allem mit der Hoffnung. »Ich finde, wir haben unheimliches Glück im Leben, stimmt's?« Nach aufregenden vierhundert Seiten ein versöhnliches Schlusswort.« (Ilma Rakusa Neue Zürcher Zeitung )

Über den Autor

Juri Andruchowytsch, geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, dem früheren galizischen Stanislau, studierte Journalistik und begann als Lyriker. Exotische Vögel und Pflanzen (1991; mit einem Zusatz "Indien" 1997). Dt. u.d.T. Spurensuche im Juli. Reichelsheim 1995. Übersetzungen aus dem Russischen, Polnischen, Englischen und Deutschen. 1985 Mitbegründer der legendären literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada). Mit seinen drei Romanen Rekreacij (1992), Moskoviada (1993), Perverzija (1999), die ins Polnische und Russische übersetzte wurden, ist er unfreiwillig zum Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur geworden. 2000 erschien in Polen Mein Europa (mit Andrzej Stasiuk), Ergebnis einer gemeinsamen Reise durch den unbekannten europäischen Osten. Die deutsche Übersetzung erschien im Mai 2004 in der edition suhrkamp.

Andruchowytsch wurde mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises 2005 der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Der Schriftsteller vermittle mit seinen brillanten Essays einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung einer nahezu unbekannten Region im erweiterten Europa, hieß es in der Begründung.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Völkerverständigung 2006  wurde Juri Andruchowytsch im März 2006 anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse verliehen.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen Lemberg 22. September 2010
Juri Andruchowytsch schreibt einfühlsam und genial, ich bin noch nicht am Schluss des Buches. Die Schilderung der Studienzeit in Lemberg, wenn man die Stadt kennt, das ist grosse Literatur. Dass dies auch in der Übersetzung so gut rüberkommt, ist erstaunlich. Ich erwäge, schon nur wegen Juri Andruchowytsch, die ukrainische Sprache zu lernen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hütet die Ukraine das Geheimnis? 5. September 2009
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Für die meisten Menschen ist die Ukraine das Land durch das unser Gas fließt, wenn es denn fließt, wer aber die Ukraine wirklich kennenlernen will, der sollte dieses Buch lesen, nach dessen Lektüre ist dieses Land das wie einst Ostdeutschland, wie Polen, wie Ungarn oder wie Tschechien zu Europa gehört sicher kein terra incognita mehr. Wenn man das Buch liest, dann hat man in der Tat den Eindruck, dass Literatur in der Ukraine zumindest eine ganz andere Rolle gespielt hat als hier und man Europa erst mit der Ukraine versteht. Dort war die Literatur lebensnotwendig und auch Gesellschaft verändernd.

Die Ukraine ist die Heimat von Juri Andruchowytsch, einem der "wichtigsten intellektuellen Botschafter seines Landes", der ein Jahr in Berlin verbrachte und für seinen letzten Roman "Die zwölf Ringe" 2006 den Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung erhielt.

Das Buch hat eine sehr eigenwillige Form, bei der sich der Autor bewusst betrügerisch ins Zentrum des Romans stellt und als Fata Morgana über beeindruckende Ereignisse der sechziger, siebziger, achtziger und neunziger Jahre berichtet. Es sind schillernde Memoiren, Momente der Fassungslosigkeit, Momente großer Profundität und vielsagender Auslassungen. Das alles erfährt man in einem sieben Tage dauernden Gesprächsprotokoll, das zwischen dem Autor und einem hartgesottenen deutschen Journalisten, der Egon Alt heißt, geführt wird. Juri Andruchowytsch ist ein wahrer Meister des Verwirrspiels, doch man kann diesen Egon Alt, der die Biografie von Andruchowytsch aufrollt, unschwer als Alter Ego identifizieren. Die kritischen und einfühlsamen Fragen die der deutsche Journalist dem ukrainischen Schriftsteller, über seine Kindheit und Jugend, über die Ereignisse während der russischen Besatzungszeit, über die Jahre die er in der Sowjetarmee verbrachte, die Jahre seiner Reisen zwischen Ost und West, die Nivellierungsleistungen der Sowjetunion, die Katastrophe von 1969, die Beisetzung von Breschnew, die Orangen Revolution, die arme Zeit, in der es keine Medienfreiheit gab, die Fragmente der Kultur verboten waren und den Zerfall der Sowjetunion stellt, beantwortet dieser mal aufgeregt und ungeduldig kurz, mal undiszipliniert ausschweifend. Wenn man nur den Autor im Fokus hat dann könnte man sagen, dass es ein völlig egozentrisches Buch ist, von dem der 48 jährige Juri Andruchowytsch im Vorwort treffend sagt Sieben Kapitel über mich und die Zeit, in der ich lebe", aber es ist neben der mitreißenden eigenen Biografie fraglos ein emotional bewegender und spannender Abschnitt erlebter Zeitgeschichte.

Egal, ob "Geheimnis" letztlich der Kategorie Autobiografie, Roman oder politischem Glaubensbekenntnis zuzuordnen ist, meisterhaft wird hier Politisches und ureigen Privates in einer vermeintlich unprätentiösen Frage-Antwort-Partie mit fein ziselierter Ironie, mit kaum je verletzendem Witz, in unterschiedlichen Erzählsträngen verwoben.
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