Schottland im 15. Jahrhundert, es geht wieder mal um die Einigung aller schottischen Clans, es muss wieder einmal der König eine Rolle spielen, es geht wieder einmal um eine erzwungene Ehe. Das macht im Grunde nichts, der historische Hintergrund ist ganz gut durchleuchtet und dargestellt. Der Held eignet sich auch gut als Held, ist potent, ist der Schwarze Reiter (schon wieder einer), ist ein Freund des Königs. Die Heldin ist eigenwillig und schlecht erzogen und (ja, klar) rothaarig.
Leider reiht sich zunächst Missverständnis an Missverständnis, und die Intrige, die den roten Faden des Buches darstellt, greift vom ersten Augenblick an. Unlogisch dabei ist, dass sich George Douglas für die dritte Tochter des Clanführers entscheidet, als der König ihm ein Ultimatum stellt. Unlogisch ist, dass Elizabeth Drummond ihre lebenslange Abneigung gegen den Douglas-Clan völlig vergisst, sobald sie auf seiner Burg ist (und umgekehrt). Unlogisch ist, dass die Mutter von Elizabeth so gar nichts ahnt und sagt und doch die Ursache allen Übels ist. Unlogisch ist, dass der düstere Intrigant im Hintergrund mit BEIDEN Hauptfiguren eine Rechnung offen hat, ein bisschen viel des Zufalls.
Das alles würde allerdings nicht wirklich stören. Wäre die Auseinandersetzungen zwischen eben diesen beiden nicht getragen von einer ständigen Abwertung der Heldin, die so ziemlich alle Demütigungen vonseiten des Mannes erfährt, die man sich vorstellen kann. Denn dass sie sich ausgerechnet in ihn verliebt, der sie offen für verworfen und unehrlich hält, ist die schmerzhafteste Unlogik an dem Roman. Sie verdächtigt ihn letztlich sogar, sie ermorden zu wollen, kein besonderes Indiz einer innigen Zuneigung. Unlogisch ist auch, dass ein einzelner Mann, den George ohnehin im Visier hat, dennoch über Jahre eine dichte Intrige um ihn herum spinnt, ohne dass der gute George das irgendwie mitkriegt - einer, der sich nächtens als Schwarzer Reiter verdingt, sollte wohl etwas hellhöriger sein, was seine Umgebung betrifft. So gesehen ist es dann freilich kein Wunder, dass er einen zerrissenen Ärmel bereits für einen ausreichenden Beweis für Elizabeth' Untreue hält... So gesehen ist es nicht erstaunlich, dass er den Intriganten selbst dann nicht erkennt, als der praktisch vor ihm steht...
Spannung gibt es in der Geschichte also wirklich genug. Wer eine spannende Geschichte will, das geht auf. Witzig ist die Geschichte nur an einigen wenigen Stellen, empörender umso öfter. Elizabeth ist wohl eine kleine Masochistin (da gibt es sogar die passende Szene dazu) und George potent, stark, heldenhaft - aber während ziemlich langer Zeit nicht besonders liebenswert. Eigentlich nur dann, wenn es völlig unlogisch ist.