Der auf Deutsch zuerst erschienene Sardininien-Roman ("Krimi"?) von Giorgio Todde, "Der Tod der Donna Milena", hatte mich begeistert. Der Autor lässt das karge, archaische Sardinien des 19. Jahrhunderts eindrucksvoll vor den Augen und in der Phantasie des Lesers erstehen. Danach brachte der Verlag "Das Geheimnis der Nonna Michela" heraus - in diesem Buch ist der Ermittler aus "Der Tod der Donna Milena", der Arzt und Pathologe Efisio Marini (eine historische Figur), allerdings um viele Jahre jünger, und im gerade neu erschienenen Roman "Die toten Fischer von Cagliari" begegnet uns Effisio als 18-Jähriger. Das ist für deutsche Leser etwas verwirrend. Schreitet Todde in der Chronologie rückwärts? Oder liegen die Efisio-Marini-Romane schon seit längerer Zeit im Original vor und werden nur in umgekehrter Reihenfolge ins Deutsche übersetzt?
Wie auch immer, jeder ist auf seine Art hervorragend, jeder ist komplexer (und auch schwieriger) als der (deutsche) Vorgänger, aber "Das Geheimnis der Nonna Michela" hat wie auch "Der Tod der Donna Milena" fünf Sterne verdient. Beeindruckend, wie hier der Geiz als Charaktereigenschaft und Antriebsfeder eines Menschen beschrieben wird! Es handelt sich allerdings nicht um "leichte" Krimi-Kost, wie man sie von Cornwall, Reichs, Grimes oder den skandinavischen Autoren gewöhnt sein mag - sondern um Literatur, die ins Metaphysische spielt. Großartig, wenn auch ungewöhnlich geschrieben - Bücher, die einen noch lange in Gedanken begleiten!