Die Antike kennt neben den offiziellen und öffentlichen Staats-, Stadt- und Hauskulten und dem homerischen Götterhimmel eine weitere Form von Religiosität, die sog. Mysterienkulte. Diese unterscheiden sich signifikant von den ofiziellen Kulten durch ihr geheimes Wissen und verborgenen Riten, in welche man erst nach einer Art Prüfungszeit eingeführt wurde. Der wichtigste Grund, warum diese neben den öffentlichen Kulten existierten, dürfte in der Schäche der der offiziellen Kulte liegen, die religiösen Bedürfnisse der Menschen ausreichend befriedigen zu können. So boten die "geheimen" Kulte in Form von Mythen häufig Antworten auf existentielle Fragen der Menschen, wie: Woher komme ich, wohin gehe ich, wie schütze ich mich vor der gefahrvollen Welt? etc.
Besonders die feierliche und religiös aufgeladene Einführung, Initation, in die Kulte hat den Neuaufgenommen das Gefühl vermittelt, an einer höheren, das eigene Leben transzendierenden Existenz teilzuhaben. Neben der Hoffnung auf höhere Weihen und Teilhabe am Göttlichen, sind es aber gerade auch soziostrukturelle Elemente, welche die Mysterienkulte so attraktiv machten. So kennen viele der Kulte keine Schranken des Ranges, Standes, der Abstammung oder des Geschlechts. Selbst Sklaven hatten häufig Zutritt. Auch oblag es der freien Entscheidung, welchen Mysterienkult man wählte - ein bedeutender Unterschied zur offiziellen "Religion".
Wie das Christentum, so hatten auch die "Mysterien" in Krisenzeiten Hochkonjunktur, mit denen das Christentum viele Gemeinsamkeiten teilt(e). Aber im Gegensatz zum letzteren waren die Kulte nie wirklich öffentlich verboten und geheim. Der Geheimnischarakter bezog sich va. auf das "geheime Wissen" der Kulte. Sie verfügten aber an vielen öffentlichen Plätzen über Tempel. Eben wie die offiziellen Kulte konnten sich auch die Mysterien gegen das rasch wachsende Christentum nicht durchsetzen.
Die Autorin gibt einen spannenden Einblick in die geschilderte Form antiker Religiosität, die mehr zu bieten hat, als die starre Religiosität antiker Menschen, wie sie uns va. durch christliche Autoren immer wieder vermittelt wurde. Sie stellt die wichtigsten und am weit verbreitesten Mysterienkulte der griechisch-römischen Welt vor und bietet einen Einblick in Anziehungskraft, Ablauf und Inhalt der Kulte. Immer wieder spannend zu sehen sind die zahlreichen Gemeinsamkeiten, die die hier vorgestellten Kulte (Mysterien von eleusis, Dionysosmysterien, Isismysterien, Mithrasmysterien...) teilen - besonders was deren Ursprungsmythen betrifft. Die Darstellung wird durch Abbildungen aufgelockert, wirkt sprachlich aber schonmal etwas langatmig.