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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
44 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
MEVES 'Geheimnis Gehirn',
Von
Rezension bezieht sich auf: Geheimnis Gehirn: Warum Kollektiverziehung und andere Unnatürlichkeiten für Kleinkinder schädlich sind (Taschenbuch)
Das Alterswerk der nunmehr 80jährigen renommierten Psychotherapeutin und ehemaligen Mitherausgeberin des Rheinischen Merkurs kann als Essenz ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit im Bemühen um ein besseres Verständnis für innerseelische Wirkmächtigkeiten bei Kindern und Jugendlichen gelten - und es kann in diesem Kontext insofern als komplementäres Werk zu Lorenz' Die acht Todsüden der Menschheit bewertet werden, als es ebenso exakt darauf abstellt, worauf es in praxi ankommt, nämlich junge Menschen in ein Leben zu begleiten, das ihnen vieles abverlangen wird und dem sie sich stellen müssen, wollen sie nicht lebenslang seelisch leiden und an diesem Leid sogar zugrundegehen. Christa Meves hat in folgerichtiger Konsequenz ihr rund 300 Seiten umfassendes Werk untertitelt mit: Warum Kollektiverziehung und andere Unnatürlichkeiten für Kleinkinder schädlich sind und verweist darin auf das elementare Defizit von Erziehung: auf die Vergewaltigung des Willens des Kindes und des Jugendlichen und auf das Versagen von Förderung und Stärkung ihrer Talente und Selbständigkeit. Die unheilvollen Folgen daraus (im besten Humboldtschen Verständnis) subsummiert Konrad Lorenz übrigens eindringlich unter sein Kapitel von der Indoktrinierbarkeit des absichtsvoll unmündig gehaltenen Menschen, wiewohl die Autorin im sechsten Teil ihrer Abhandlungen genau darauf reflektriert und unter Störungsformen des Selbstbehauptungstriebes das Strafen durch Erziehungspersonen im allgemeinen, die gezielte Behinderung von erfahrungsnotwendigen Lernprozessen insbesondere geißelt. Und dies zurecht, wie die gesellschaftliche Entwicklung seit der in den frühen siebziger Jahren vollzogenen Propagierung einer permissiv orientierten Erziehungswissenschaft beweist. Christa Meves war und ist stets dagegen vorgegangen und so hat sie insofern auch viel mit den seinerzeitigen Bemühungen Eysencks gemein, als es auch ihr um Aufklärung eines breiten Publikums geht. Ihr neues Werk verschafft damit dem Leser Einsichten in die Ausbildung frühkindlicher Charakterstrukturen und deren pädagogische Konsequenzen im Falle einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Manipulation durch sozialpsychologische oder sozialpädagogische Verhaltensmodifikationen. Es ist das große Verdienst der Autorin, in Geheimnis Gehirn ein gut lesbares und kein enzyklopädisches Wissen voraussetzendes Werk verfaßt zu haben, in dem die Verknüpfung von Verhaltensstörungen mit den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung vollzogen, stringente Schlüsse daraus abgeleitet und ein Maßnahmenkatalog zum Wohle des seelischen Unversehrtbleibens unserer Kinder erarbeitet wurde. Das Buch ist nicht nur Eltern, Studierenden der Erziehungswissenschaften, sondern auch und gerade Leitern einschlägiger Seminare zu empfehlen. Die nämlich haben es in der Regel besondern nötig, tradierte Argumentationsketten zu sprengen und der Sensibilität im Umgang mit seelischen Verletzungen breiten Raum zu geben. Prädikat: Besonders empfehlenswert!
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5 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Nicht verstandene Wissenschaft im Dienste ideologischen Eifers,
Von
Rezension bezieht sich auf: Geheimnis Gehirn: Warum Kollektiverziehung und andere Unnatürlichkeiten für Kleinkinder schädlich sind (Taschenbuch)
Christa Meves hat sich hier auf ein sehr anspruchsvolles Gebiet der Forschung vorgewagt. Ein Gebiet, das selbst jedoch derzeit noch mehr offene als beantwortete Fragen enthält. Um es gleich vorweg zu sagen. Christa Meves ist der Thematik nicht gewachsen. Schon der Untertitel ihres Buches zeigt, dass es eigentlich nicht um das "Geheimnis Gehirn" geht. Viel mehr handelt es sich um eine weitere Schlacht im Kreuzzug der Christa Meves gegen eine Welt, in der die keinesfalls altersweise sondern verbissene Dame nur Verfall und Niedergang beobachtet. Allzu gerne versucht sie dabei wissenschaftliche Erkenntnisse als Beleg anzuführen. Allerdings ist es mit der Wissenschaftlichkeit von Frau Meves nicht gut bestellt. Schon der Begriff der "Unnatürlichkeit" im Untertitel zeigt den grundlegenden und alle ihre Werke durchziehenden Irrtum. Er legt nahe, dass der Mensch nur zu seinen natürlichen Ursprüngen zurückgeführt werden müsste und schon wären all seine Probleme gelöst. Das ist einfach zu lesen und leuchtet scheinbar ein. Dass es sich dabei aber, wie ich schon öfter ausgeführt habe, um einen klassischen naturalistischen Fehlschluss handelt, ist leicht zu belegen: Die Gehirnentwicklung des Menschen ermöglichte ihm in der Evolution eine sehr weitreichende Loslösung von der Natürlichkeit: Menschen leben nicht mehr als vollkommen von natürlichen Ressourcen abhängige Jäger und Sammler, sondern sind durch Ackerbau und Viehzucht in der Lage, auch dort zu überleben, wo sie sonst nicht überleben könnten. Die enorme Großhirnentwicklung ermöglicht dem Menschen Kunst, Technik und Wissenschaft zu entwickeln, z.B. Medizin gegen Krankheiten , die sonst selektiv zum Sterben der Schwächsten führen würden. Auch hier sind die biologischen Regeln, die sonst für alle Tierarten Gültigkeit besitzen, außer Kraft gesetzt. Kurzum: Der Mensch ist ein Kulturwesen. Was wir als Kultur und Zivilisation bezeichnen, ist nichts anderes als die Überwindung natürlicher Begrenzungen. Dass der Mensch daneben aber auch noch stammesgeschichtlich sehr alte Hirnbereiche besitzt, wie z.B. das Stammhirn, in dem ursprüngliche Lebensmerkmale wie die Regelung der Sexualität gesteuert werden, ist eine Tatsache. Dass wir unsere Sexualität jedoch nicht im Sinne Darwinscher Evolution, also mit einer möglichst großen Nachkommenzahl, einsetzen, sondern sie im Sinne kultureller Konventionen regulieren, lässt klar erkennen, dass der Begriff "Natürlichkeit" hier gar nicht angebracht ist. Den Menschen zur "Natürlichkeit" zurückzuführen, würde bedeuten, ihn auf die Grundfunktionen des Stammhirns zu reduzieren und die gesamte Kultur- und Zivilisationsgeschichte des Menschen zu ignorieren. Dahinter verbirgt sich ein biologistisch geprägtes Menschenbild. Aus einer wissenschaftlich also keineswegs überzeugend vorgetragenen Gehirnforschung unmittelbar eine Gesellschaftskritik (an der "Kollektiverziehung") abzuleiten, ist unglaubwürdig und zeugt von einer nicht restlos verstandenen Naturwissenschaft. Ein letztes Argument: Kein Lebewesen besitzt ein über die gesamte Stammesgeschichte konstantes Verhaltensrepertoire. Jede Form von Verhalten muss bis zu einem gewissen Grade flexibel sein, sonst hätte eine Evolution niemals stattfinden können. "Natürlichkeit" als dogmatisch vorprogrammiertes Verhalten zu bewerten, geht an den Tatsachen vorbei. Außerdem: Zahlreiche Studien (z.B. auch die von Christa Meves falsch zitierte NICHD-Studie) haben belegt, dass das seelische Wohl von Kindern gar nicht in erster Linie von der Krippenerziehung abhängt, sondern vom emotionalen Klima im Elternhaus. In der selben Studie wird zudem belegt, dass sich Unterschiede im Verhalten von krippenbetreuten Kindern und zu Hause betreuten Kindern häufig nur im Bereich einstelliger Prozentwerte bewegen, und zwar in manchen Teilergebnissen zugunsten der krippenbetreuten Kinder.Fazit: Der Titel des Buches ist irreführend. Hier geht es nicht ums Gehirn, sondern um den Missbrauch von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ideologischen Zwecken. Die unzweifelhaft vorhandenen Probleme und Herausforderungen unserer Zeit lassen sich damit jedenfalls nicht bewältigen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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