"Dies sind die Geheimen Worte, die Jesus der Lebendige sprach und die Didymos Thomas aufgeschrieben hat ... wenn ich euch eines der Worte sage, die er mir gesagt hat, werdet ihr Steine nehmen und sie gegen mich werfen ... "
Die außergewöhnliche Geschichte der jungen Rixende Ripoll, die um das Jahr 1300 nach Carcassonne reitet, um dort den ihr völlig fremden Tuchhändler Fabri zu heiraten, hat mich nicht nur wegen der "Geheimen Worte Jesu" gefesselt wie selten ein Roman zuvor. Das ganze Buch ist derart spannend und packend geschrieben, dass man es nicht mehr aus den Händen legen kann.
Kurz vorher hat die Braut erfahren, daß ihr Bruder Katharer ist, also ein Ketzer. Er ist der Hüter der "Geheimen Worte", hinter denen die Inquisition seit dem Fall der Festung "Montségur" her ist. Die Menschen fürchten sich in diesen Jahren nicht mehr vor der Hölle, sie fürchten sich vor der Inquisition, die längst willkürlich auch Rechtgläubige inhaftiert, um an ihr Vermögen zu kommen. Dass sich die junge Rixende Ripoll einerseits ihrem Bruder verpflichtet fühlt (sie soll die Geheimen Worte in Sicherheit bringen), und sie andererseits ausgerechnet einer der Inquisitoren magisch anzieht, bringt sie in große Konflikte.
Der geschichtliche Hintergrund des Romans ist so gewaltig wie sein 522 Seiten Umfang, aber zugleich bestens recherchiert und klar aufgebaut. Ein mehr als zehn Seiten langer Anhang klärt über die Protagonisten aus dem Hause Castel Fabri auf, die verantwortlichen Konsuln der Stadt Carcassonne, die am Konflikt beteiligten Mönchsorden, Bischöfe, Äbte, Päpste, Könige ...
Helene Luise Köppel erzählt eine spannende Geschichte von Liebe, Glaube und Gewalt mit wahrhaft historischer Verve und Einfühlungsvermögen.