Der Band "Geheime Gärten in Deutschland" ist insgesamt empfehlenswert, hinterlässt teilweise aber auch einen zwiespältigen Eindruck.
Am besten sind die Texte von Heidi Howcroft, die sehr flexibel und sicher im Ausdruck ist. Erstaunlich, wie variabel und kenntnisreich sie sich in der Beschreibung von Anlage und Bepflanzung der Gärten zeigt.
Heidi Howcroft vermeidet auch - abgesehen vom Titel - die euphorische Ausdrucksweise von Zeitschriften wie "Gartenträume", in denen alles traumhaft, genießerisch, schwelgerisch ist.
Leider sind aber die Einblicke in die Gärten vom Bildmaterial her oft sehr beschränkt, v.a. Pflanzpläne oder übersichtliche Fotos von oben sucht man vergebens. Viele Aussagen hätten einfach auch illustriert werden müssen und beim opulenten Preis des Bandes hätte man auch mehr Fotos pro Garten erwarten können.
Der wie so oft bei Gartenbüchern aus Markting-Gesichtspunkten heraus kreierte, überschwengliche Titel führt den Leser in die Irre. Denn die meisten der Gärten sind keineswegs "geheim", sondern ganz einfach Privatgärten, und es sind auch nicht "Deutschlands" geheime Gärten, sondern mit ganz wenigen Ausnahmen Gärten aus Bayern sowie aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein. "Hessens schönste Gärten" sucht man also zum Beispiel vergeblich.
Auswahlkriterien werden keine genannt.
Die Qualität der Fotos ist insgesamt okay. Die Vorliebe der Fotografin Christa Brand für Gegenlichtaufnahmen bei starker Sonneneinstrahlung und für weit geschlossene Blende, die durchgehende Schärfentiefe ergibt, teile ich aber nicht. Klar ist, dass das Wetter nicht immer mitspielt und bestimmte Aufnahmetermine eingehalten werden müssen. Ganz offenbar waren für jeden Garten immer nur ein paar Stunden reserviert. Dennoch stören die harten Kontraste, die bei Sonnenschein entstehen. Dass Christa Brand offenbar ohne Polfilter fotografiert (z.B. S. 12, S. 17), verwundert.
Auf vielen der großformatig reproduzierten Aufnahmen (z. B. S. 33, S. 38/39) ist keinerlei Struktur zu erkennen. Christa Brand will immer demonstrieren, dass in diesen Gärten viel wächst. Ein Blick von oben oder entlang einer Sichtachse wirkt da Wunder. Stattdessen wird oft aus Augenhöhe die Totale aufgenommen.
Wie wohltuend dagegen z. B. die in gedämpftem Licht entstandene und ausnahmsweise mit einer geringeren Schärfentiefe entstandene Aufnahme auf S. 162/163.
Manchmal beschleicht einen auch das Gefühl, dass es sich bei den Fotos um Abfallprodukte anderer Produktionen der Fotografin handelt. Tatsächlich finde ich bei Amazon.de auch mit "Stimmungsvolle Bauerngärten" auf Anhieb ein Buch, dessen Titelbild dem Bild S. 30/31 entspricht. Wie oft werden wohl dieselben Aufnahmeserien für immer wieder neue Bücher und Kalender recycelt?
Die mehrfache Hervorhebung der Arbeit eines Münchener Architekturbüros wirkt aufdringlich und am Ende peinlich, wenn es gar heißt: "Es ist diese Auseinandersetzung mit dem Ort, die die Arbeit dieser Gartenarchitekten von anderen hervorhebt." Wirklich?
Das Layout des Bandes ist sehr gut, der Satzspiegel augenfreundlich, der Anhang etwas dürftig.
Den Preis empfinde ich bei 176 Seiten als überzogen.
Bereuen wird man den Kauf jedoch nicht. Es ist aber mehr ein Band zum Schmökern als zum wirklichen Lernen. Dreieinhalb Sterne, aufgerundet auf vier.