In diesem packend und unterhaltsam geschriebenen Buch wird die Geschichte der Kryptographie nachvollzogen, und eine Menge spannende, wahre Geschichten um Geheimbotschaften und deren Entschlüsselung sowie die Entzifferung der Hieroglyphen und anderer vergessener Schriften erzählt. Bereits dieser Teil des Buches ist sein Geld wert, doch das ist noch lange nicht alles: Es werden die verschiedensten Verfahren der Kryptographie Schritt für Schritt erläutert, so daß auch der Laie sie verstehen kann. Dabei bleibt Singh stets so allgemeinverständlich wie möglich und quält seine Leser nie mit ermüdenden Formeln. Stattdessen werden schwierige mathematische Probleme anschaulich dargestellt, was Singh sogar mit der sperrigen Quantenphysik gelingt.
Das Buch hat aber nicht nur schriftstellerische Qualitäten, es enthält eine zusätzliche Dimension: es ist moralisch ehrenwert, und zwar zum Einen, weil darin die Menschen genannt werden, die sich in der Kryptographie verdient gemacht haben, und deren Leistungen oft geheimgehalten oder ohne Würdigung zum wissenschaftlichen Allgemeingut wurden. Wir erfahren hier von den unbekannten Helden, die Kriege entschieden und nie namentlich erwähnt oder geehrt wurden, von Forschern, die Wichtiges entdeckten und um die Früchte ihrer Erkenntnisse gebracht wurden und von tragischen Persönlichkeiten, die kurz vor dem Ziel innehielten, von anderen, die verlacht oder gar verfolgt wurden. Das Ganze ist sauber recherchiert und solide dokumentiert, reichliche Abbildungen unterstützen die Fakten machen das Buch zum abwechslungreichen Genuß.
Zum Anderen wirft Singh in den Schlußkapiteln einige moralische Fragen zu dem elementaren Grundrecht des Einzelnen auf die künftige Privatheit seiner elektronischen Korrespondenz auf. Einerseits soll die Privatheit und das Briefgeheimnis durch Verschlüsselung geschützt werden, andererseits steht dadurch auch Kriminellen oder Terroristen ein Weg zum Mißbrauch offen. Hier legt Singh die widerstreitenden Positionen von staatlichen Überwachungs- und Kontrollwünschen zu demokratischen Freiheitsbestrebungen dar und gibt wichtige Denkanstöße.
Die Freunde des Knobelns kommen in dem Buch auf ihre Kosten, denn Singh stellt darin jede Menge kryptographische Aufgaben, an denen man seine neugewonnenen Kenntnisse gleich ausprobieren kann. Wer durch die Lektüre Lust auf Mehr bekommen hat, kann sich dann in den Anhängen und dem Literaturverzeichnis weitergehend informieren. Hier hat sich der Verlag sogar die Mühe gemacht, deutsche Titel zu ergänzen. (Das Buch ist übrigens sehr gut und gewissenhaft übersetzt.)
Auch eine Liste mit Homepages und die Adressen von Museen zum Thema fehlt nicht und das Buch enthält selbstverständlich ein Stichwortverzeichnis.
Bei mir kommt das Buch in die Hausbibliothek, denn ich halte es für das Beste zum Thema.