Der Titel lässt ein interessantes und aufschlussreiches Buch erwarten. Gespannt begann ich zu lesen, die Vorfreude schlug allerdings schnell in Enttäuschung um. Bei den "bahnbrechenden wissenschaftlichen Studien", die im Klappentext angekündigt werden, handelt es sich um alte Forschungen aus dem Zeitraum zwischen 1930 bis 1963, teilweise werden noch ältere Arbeiten zitiert. Sowohl in der Medizin als auch in der Ernährungswissenschaft haben sich besonders in den letzten 40 Jahren die Erkenntnisse sehr stark verändert. Dem wird in dem Buch keine Rechnung getragen. Der Autor wirft der Wissenschaft vor, nur die Studienergebnisse wahrzunehmen, die in ihr Konzept passen. Da in dem Buch nicht eine einzige Forschungsarbeit erwähnt wird, die in den letzten 40 Jahren durchgeführt wurde, drängt sich beim Lesen die Frage auf, ob der Autor selber aktuelle Forschungsergebnisse nicht wahr haben und diese in ein Geheimarchiv verbannen möchte.
Auch geht es in dem Buch nicht, wie der Titel vermuten lässt, vorrangig darum, die Diskrepanz zwischen veröffentlichten und verschwiegenen Forschungsergebnissen darzustellen, sondern hauptsächlich um die Propagierung einer eiweißarmen Rohkosternährung. Als Beweise für die Vorteile einer Kost ohne tierisches Eiweiß werden unwissenschaftlich durchgeführte Selbstversuche mit zwei und drei Probanden beschrieben, deren Ergebnisse statistisch nicht signifikant sind. Aus der Tatsache, dass zwei Personen, die sich in drei Versuchen bis zu 120 Tage lang ausschließlich von pflanzlicher Rohkost ernährten, überlebt hatten, wird die zweifelhafte Schlussfolgerung gezogen, dass eine solche Ernährung auch dauerhaft gesund sei. Darüber hinaus wird beschrieben, zu welchen körperlichen Leistungen Tarahumara-Indios fähig sind, wenn sie sich ausschließlich von Mais und Böhnchen ernähren. Lebensbedingungen und Umwelteinflüsse, wie beispielsweise das Klima, beeinflussen aber den Nährstoffbedarf des Menschen in hohem Maße, so dass Ernährungsweisen von Indianern, Eskimos und Bewohnern von Neuguinea nicht zwangsläufig für Europäer im 21. Jahrhundert günstig sind. Außer Acht gelassen werden auch die Langzeitwirkungen der vorgestellten Ernährungsweisen. Interessant wäre zum Beispiel, wie die Knochengesundheit und die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Menschen war und ist.
Dr. Bircher wirft anderen Fachleuten unwissenschaftliches Vorgehen vor, belegt aber seine eigenen Behauptungen selber nicht mit Zahlen und Fakten. So schreibt er zum Beispiel, dass "die durchschnittlich bei uns Eiweißüberernährten eine so schlechte Kalkbilanz trotz reichlicher Calcium-Zufuhr haben" ohne eine einzige Hintergrundinformation zu dieser kühnen Behauptung zu geben. Befremdlich ist auch sein Vorschlag, die gestiegenen Krankenhauskosten durch eine "strenge Diätkur" für alle Patienten zu senken, "anstatt sich ihren üppigen Wünschen und Ansprüchen anzupassen."
Der Klappentext weckt falsche Vorstellungen und beschreibt nicht den wirklichen Inhalt des Buches. Die von Dr. Bircher dargestellten Erkenntnisse sind weder zeitgemäß noch wissenschaftlich fundiert. Mit pseudowissenschaftlichen Ausführungen versucht der Autor, eine extreme Außenseiterdiät zu rechtfertigen und seriös erscheinen zu lassen.