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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Anarchist und Spießer , 9. April 2007
Nein, diesmal keine Exotik. Der Mann, der so faszinierende Romane aus den Tropen schreiben konnte wie "Lord Jim" oder "Herz der Finsternis" hat diesen Roman, den er "eine einfache Geschichte" nennt, im nebligen London der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert angesiedelt. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Eine "einfache" Geschichte ist das sicher nicht. An der Oberfläche geht es um Anarchisten, die das Observatorium in Greenwich, im Süden Londons in die Luft sprengen wollen und um die Suche der Polizei nach den Tätern. Aber auf einer etwas tieferen Ebene geht es um die Sprachlosigkeit zwischen den Menschen. Da leben der "Held" dieser Geschichte, Adolf Verloc und seine Frau Winnie sieben Jahre als Ehepaar miteinander, und Winnie weiß nicht, dass ihr Mann ein Anarchist ist, der im Auftrag einer ausländischen Botschaft Attentate plant und der seinen kleinen Laden in den Armenvierteln Londons nur zur Tarnung betreibt. Und Mr. Verloc hat nicht die leiseste Ahnung von der tiefen Zuneigung seiner Frau zu ihrem jüngeren Bruder Stevie, der geistig zurückgeblieben ist und der ebenfalls in ihrem Haushalt lebt. Als Mr. Verloc den Auftrag bekommt, das Observatorium in Greenwich in die Luft zu sprengen, wählt er dazu ausgerechnet seinen geistig behinderten Schwager aus, der nicht nur die Sternwarte, sondern auch sich selbst in die Luft sprengt. Und als es dann passiert ist und die Polizei sehr schnell herausgefunden hat, wer hinter dem Anschlag steckt, da versteht Mr. Verloc nicht im Mindesten den Schmerz, den er seiner Frau zugefügt hat, sondern er sieht das Ganze als ein Unglück, wie es eben mal vorkommt. Nicht er ist schuld, sondern sein Auftraggeber, der ausländische Diplomat. Und auch seine Frau trägt in seinen Augen eine Mitschuld, weil sie die Wäsche ihres Bruders mit dessen Adresse versehen hat; ein Detail, das die Polizei schließlich auf seine Spur führte. Ganz unbekümmert um den Schmerz seiner Frau, redet er davon, was sie tun soll, während er im Gefängnis ist. Da er ein Doppelagent ist, der nicht nur für die ausländische Botschaft arbeitet, sondern auch für die Londoner Polizei glaubt er allen Ernstes, er komme mit einem blauen Auge davon. Er redet sich buchstäblich um Kopf und Kragen und merkt es nicht einmal.
Bewundernswert wie Conrad die Handlung führt. Wie er den Scheinwerfer mal auf die und mal auf eine andere Person richtet. Wie er diesen Anarchisten als einen Spießer beschreibt, der völlig unempfindlich für die Gefühle anderer ist, und sei es die seiner eigenen Frau. Da der Leser sowohl die Gedanken des einen wie des anderen kennen lernt, ahnt er schon früh, dass die Handlung eine ganz andere Richtung nehmen wird, als er ursprüglich gedacht hat.
Das Motiv der Arroganz, des sich selbst Überschätzens, das schließlich zur Katastrophe führt, kennt der Leser, der schon mehr von Conrad gelesen hat, auch aus "Nostromo" und "Lord Jim", aber im "Geheimagenten" ist es meiner Ansicht nach am besten verarbeitet.
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5 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
trotzdem nicht schlecht, 3. Januar 2000
Von Ein Kunde
"Der Geheimagent" ist keiner von Conrads besten und bekanntesten Romanen. Interessant ist, dass die Handlung in London spielt - im Gegensatz zu seiner anderen Werken. Doch so wie hier London beschrieben wird, auf Conrads faszinierende Art und Weise, wird die Stadt genauso mysteriös und 'exotisch' wie Malaysia oder Indonesien.
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