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Der Regisseur Elem Klimov, der bis heute in Westeuropa nur sehr wenig Würdigung fand, hat mit diesem Film nicht nur den einzigen Kriegsfilm mit künstlerischer, surrealer Note, sondern meiner Meinung nach den einzig wirklichen Anti-Kriegsfilm gedreht.
Das Motiv des tapferen idealistischen Jungen, der sich im "Großen Vaterländischen Krieg" der Armee anschliesst, war in der Sowjetunion ein sehr beliebtes Motiv. Ähnliche Verarbeitung findet sich in Tarkovskys "Iwans Kindheit", doch obwohl sich Tarkovsky einige kritische Töne über den Sinn des Kriegs erlaubt hat, ist sein Film nicht mit dem markerschütternden Film von Elem Klimov zu vergleichen.
In diesem Film erleben wird die vollständige Zerstörung eines jungen Gemüts durch den Krieg. Der vierzehnjährige Florya schliesst sich mit Träumen von Ruhm und Heldentum den Partisanen an und erlebt bereits an seinem ersten Tag die Hölle. Und der Zuschauer mit ihm.
Wir durchleben in diesem Film den schlimmsten Alptraum eines jeden Kindes: Fremde Männer kommen in unser Haus, zerstören unsere vertraute Umgebung, nehmen mit, was sie wollen, verschleppen unsere Eltern, Geschwister und Freunde und lassen uns alleine. Im Zweiten Weltkrieg geschah es millionenfach, in jedem Krieg geschieht es.
Die fast vollkommen wortlose Rolle Floryas ist unumstritten die beste Darstellung eines minderjährigen Darstellers, die ich jemals in einem Film gesehen habe. Das ausdrucksstarke Gesicht des Schauspielers, das im Laufe des Films immer härter und ausgemergelter wird, spiegelt das nackte Entsetzen. Am Ende hat Florya jegliche Kindlichkeit, jede Gefühlsregung verloren, und bewegt sich wie ein gebrochener alter Mann.
Es gibt in diesem Film kein Pathos, kein Heldentum, keine Schuldzuweisung und auch keine Erlösung. Der Krieg ist für den Soldaten die selbe Hölle wie für den Zivilisten. Der Schaden, den der Krieg anrichtet ist nie wieder zu reparieren, die letzte Minute des Films, verdeutlicht es ebenso verstörend wie meisterhaft. Bei der gegenwärtigen Welle von „Anti“-Kriegsfilmen, wie „James Ryan“ und „Pearl Harbour“, die alle doch das ideal des tapferen, heldenhaften, opferbereiten Soldaten hochhalten ist es nur allzunötig, dass „Geh und Sieh“ eine stärkere Würding erfährt. Florya verliert nicht nur alle Menschen, die er liebt- er verliert alle Menschen, die er trifft.
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