Tja, wieder einmal spielt ein Roman von Dick Francis im Pferderennsportmilieu. Daran ist der Francis-Fan ja schon gewöhnt, und im allgemeinen sind die Geschichten auch überaus spannend und unterhaltsam geschrieben, so daß man die Lektüre ungern unterbricht. Dieses Mal spielt die Handlung in einem Zug während dessen einwöchiger Fahrt quer durch Kanada. Damit hat Francis eine reizvolle Kulisse geschaffen, die sich von der üblichen Rennbahnathmosphäre zunächst einmal wohltuend abhebt. Die Reiz der Story selber ist mir allerdings in diesem Fall verschlossen geblieben: Eine Art Privatdetektiv wird als Kellner in diesen Zug eingeschleust und soll einen Mann beobachten, der wohl einiges auf dem Kerbholz hat und von dem erwartet wird, während der Zugfahrt weitere böse Dinge anzustellen. Diese Ungewissheit soll wohl Spannung erzeugen, bei mir lähmte sie allerdings ein bißchen das Lesevergnügen - ständig wird nur spekuliert, es fehlt eigentlich die ganze Zeit die Motivation des Ich-Erzählers, die ihn zu seinen Taten antreibt. Spannende Szenen sind diesmal leider rar gesäht, im Gegensatz zu anderen Romanen von Francis. Auch die Charaktere sind nicht so farbig und einspägsam geschildert, wie man das sonst von Francis gewöhnt ist. Ich kann dieses Buch als Einstiegslektüre (oder -droge) nur eingeschränkt empfehlen, da sollte man stattdessen lieber zu "Blindflug" oder "Gefilmt" greifen, aber im Regal des "echten" Dick-Francis-Fans darf auch dieser Roman selbstverständlich nicht fehlen!