Das ganze Buch ist von der Stimmung her eher erdrückend, denn wir lernen eine Familie kennen, die vorher aus 4 Personen bestand: Paul, Sarah, Manon und Clemènt. Von einem Tag auf den anderen ändert sich die Lebenssituation, denn Sarah verschwindet auf unerklärliche Weise. Paul, der dies alles nicht mehr aushält, verlässt mit den Kindern Paris und zieht in die Nähe seines Bruders an bretonische Küste, dort wo Paul seine Kindheit verbracht hat. Dort versucht er sich als Fahrlehrer und kommt eher schlecht als recht mit seinem neuen Leben zurecht. Immer wieder springen seine Gedanken zu seiner Frau und dem was sie erlebt haben. Immer wieder ist sie präsent und wir merken, daß er sie sehr geliebt hat und es ihn kränkt und schmerzt, daß sie fort ist. Sie haben seiner Meinung nach eine sehr gute Ehe geführt und er kann es nicht glauben, daß sie ihn einfach verlassen hat ohne die Kinder.
An den Kindern merkt man natürlich durch das Verhalten und zwischen den Zeilen, wie sehr das Verlassen werden sie schmerzt. Sie legen einiges Verhalten an den Tag , was wir hier wahrscheinlich therapiert sehen möchten. Schlimm finde ich, daß es Lehrerinnen gibt, die durch Überbelastung oder vielleicht auch Überforderung nicht auf das Kind eingehen können und Manon sich tatsächlich eine Ohrfeige einhandelt. Sorry, da hab ich echt rot gesehen. Eine verwundete Kinderseele und eine Handlung die völlig daneben ist. Paul reagiert aber sehr gut, im ersten Moment und nimmt Manon erst einmal aus der Vorschule, bis er entschieden hat, wie es weitergeht.
Der Schmerz plätschert also förmlich weiter und der Alltag wird versucht so gut es geht zu überstehen. Dabei wird Paul unterstützt von seinem Bruder und dessen Frau. In solchen Momenten muss man Menschen haben, die einen verstehen und unterstützen, wenn man sich mal anders verhält, als andere von einem erwarten. Manche Situation hätten mich die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen, andere wiederum haben mir fast die Tränen in die Augen getrieben, denn manchmal ist die Stimmung so düster, daß es einem wirklich mitnimmt. Paul steckt meiner Meinung nach in einer schweren Depression und zeigt seine Stärke nur dadurch, daß er sich um die beiden Kinder kümmern muss, die erst 4 und 9 Jahre alt sind und auch sehr leiden über die Ungewissheit. Clemènt zieht sich immer mehr zurück und Manon hat starke Alpträume.
Mir zeigt es, daß wenn ein Mensch von heute auf morgen nicht mehr da ist und das Verschwinden nicht erklärbar ist, man immer nach Antworten sucht und dabei fast verrückt wird. Leichter wäre es für diese Familie, wenn der Fall geschlossen werden würde, damit man trauern könnte oder einfach eine Antwort auf seine vielen Fragen hätte. Oft kommt halt eben auch die Frage auf, ob es nicht besser wäre zu wissen, daß die Mutter tot ist, damit man endlich eine Antwort auf die vielen Fragen hat, auch wenn es wahnsinnig schmerzt.
Meine vielen Eindrücke zu diesem Buch kann ich gar nicht in Worte fassen, denn es gibt da sehr viele und einige möchte ich auch gar nicht weitersagen. Dieses Buch erscheint manchen vielleicht langweilig und anderen wie mir geht es eher an die Substanz. Auf der einen Seite weht die Hoffnung, daß Sarah wiederkommt und auf der anderen Seite steht die Angst, daß eben dies nicht geschehen wird. Welche liebende Mutter und Ehefrau lässt ihr Auto mitsamt Handtasche einfach stehen und verschwindet spurlos? Alle persönlichen Dinge hinter sich lassend?
2 Jahre ist es her und dann wird der Fall neu aufgerollt. Bekommen Paul und seine Kinder nun endlich Gewissheit?