Die Lektüre dieses Buchs würde ich jedem als Erstes empfehlen, der sich selbst allgemein entwickeln oder sich mit der systemischen Strukturaufstellung vertraut machen will.
Zum allgemeinen Stil des Buchs
Im Gegensatz zu vielen äusserst lesenswerten Büchern von etwa Watzlawick, de Shazer, Selvini Palazzoli, Erickson oder ähnlichen bietet dieses Buch etwas gänzlich anderes. Die genannten Autoren betonen immer wieder die Wichtigkeit der praktischen Umsetzung und des "Handelns".
Dem gegenüber werden in "Ganz im Gegenteil" durchgehend Fragen und Aufgaben an den Leser gestellt, sodass er sich nicht um die praktische Umsetzung winden kann.
Zur Systemischen Strukturaufstellung
In einer Rezension kann man diesen genialen Ansatz eigentlich absolut nicht darstellen. Ich habe so ziemlich alle Rezensionen vor den ersten Buchkäufen angesehen und konnte mir trotz intensivster Mühe keinerlei Vorstellung davon machen, wie das aussehen sollte.
Grob umrissen würde ich sagen, können verschiedene Dinge(Personen, Gruppen, Themen, Kreativität, Wörter, Organe, Überzeugungen und eigentlich alles erdenkliche) aufgestellt werden.
Diese werden "aufgestellt", indem man dazu z. B. Karten auf einem Tisch, Bodenanker oder Personen in einem Raum verwendet.
Diese einfachen Schritte führen zu ungeahnten Einsichten und Möglichkeiten.
Bei den im Buch verwendeten Aufgaben für den Leser geschieht die Aufstellung durch eine Zeichnung auf einem Blatt oder durch sogenannte Bodenanker(Gegenstände im Raum).
Ich verwendete selbst bei Aufgaben, in denen Bodenanker verlangt sind, die Zeichnung auf einfache A4-Blätter. Die Variante bewährte sich bisher sehr gut und liegt mir mehr als die Arbeit mit Bodenankern, diese erwiesen sich für mich stets als sehr verwirrend.
Abstände und "Blickrichtungen" zwischen den sogenannten "Repräsentanten" geben ihr Verhältnis zueinander an viel.
Inhalt dieses Buchs
In diesem Buch wird langsam an das Thema herangeführt und anschließend werden
- "Problem-Aufstellung",
- "Aufstellung des ausgeblendeten Themas",
- "Tetralemma-Aufstellung",
- "Glaubenspolaritäten-Aufstellung",
- "Versehentliche Aufstellung" und
- "Drehbuch-Austellung"
ausgiebig erklärt und praktisch durchgespielt. In den Folgebüchern werden diese Aufstellungen nie wieder so ausgiebig erklärt, sondern häufig nur noch kurz erwähnt. Auch die Grammatik wird niemehr so im Einzelnen ausgeführt.
Die Folgebücher zeigen zunehmend weniger praktische Übungen und mehr Verfeinerungen des hier präsentierten. Auch kommen immer wieder neue Aufstellungsarten hinzu. Daher kann ich dem Leser dieses Buch als Einstiegsbuch wirklich sehr ans Herz legen.
Wer denkt, er könne etwa mit "Wunder, Lösung und System" oder "Systemische Strukturaufstellungen" von Insa Sparrer seinen Streifzug beginnen, der wird es sehr schwer haben bzw. dort wesentlich weniger verstehen, als mit der Vorkenntnissen aus "Ganz im Gegenteil".
Zur Haltung des Lesers
Der Leser muss schon ein gewisses Mass an Offenheit und Einsatzbereitschaft mitbringen. Ein Philosoph oder Theoretiker wird sich hier sicher nicht lang wohlfühlen. Hier wird gehandelt, hier passiert was. Gleichzeitig muss ich auch sagen, das der schon von meinen Vorrezensenten erwähnte feine Humor der beiden Autoren den Einstieg wirklich leicht macht.
In den Nachfolgern "Wunder, Lösung und System" sowie "Systemische Strukturaufstellungen" wird wesentlich weniger aufgefordert und mehr vorausgesetzt, dass der Leser von selbst ins selbstständige Umsetzen kommt.