Wer immer noch nicht verstanden hat, warum die ursprünglich wahren St. Paulianer seit nunmehr über 20 Jahren lieber zu Altona 93 gehen, sollte sich diesen schlechten Film ansehen. Allen anderen möchte ich vom Erwerb dringend abraten - v.a. denjenigen, die möglicherweise auf eine deutsche Version von Football Factory gewartet haben. Anstatt britischen Humor gibt es hier deutschen Pathos - und davon nicht wenig.
Es ist eigentlich kurz und bündig erklärt: Wir leben in einer Welt voller mieser Faschisten und ein liebevoller, netter und obendrein kultiger Stadtteilverein schart die verbliebenen guten Menschen um sich und tritt ihnen selbstlos und mutig entgegen.
Dem Faschismus begegnet man auf Schritt und Tritt - sogar in der U-Bahn wenn man sich auf den Weg zum etwas anderen Verein macht. Dort prahlt er lauthals mit seinen miesen Taten: Den feigen Überfall auf einen Schwarzen und die anschließende sexuelle Mißhandlung seiner blonden Freundin. Und wäre man nicht gerade auf dem Weg zum FC St. Pauli, wäre das Verkehrsmittel möglicherweise überfüllt mit schwarz/rot/goldenen Fanmeilen-Fußballfans, die applaudieren und dem geseitenscheitelten Übeltäter auf die Schulter klopfen. Aber so bekommen die Faschisten natürlich was sie verdienen: Von den an sich friedlichen, aber dennoch wachsamen Paulis so richtig schön die Hucke voll.
Um ein Haar wäre es schief gelaufen, aber zum Glück schaltet einer der Paulis rechtzeitig und lotst seine guten Freunde erst an der Überwachungskamera vorbei, bevor es so richtig los gehen kann. Denn dahinter sitzen natürlich auch Faschisten. In diesem Falle in Form eines miesen, optisch auf Skinhead getrimmten Staatsanwaltes, dessen miese Existenz sich nur um die Frage dreht: Wie kann ich die guten Paulis als schlechte Paulis hinstellen und ihnen Knüppel zwischen die Beine, bzw. an den Kopf werfen?
Zwischendurch ein Szenenwechsel in die Welt der Hamburger Immobilienhaie: Die schikanieren die dort angestellten, gutaussehenden Freundinnen der guten Paulis und loben das dritte Reich. Vollkommen klar, daß man aus lauter Frust und guten Absichten nachts loszieht, um Bonzenkarren in "seinem" Stadtteil abzufackeln. Der Faschismus trägt (auch) Nadelstreifen und fährt BMW. Im Gegensatz zu den Paulis. Die verkaufen tonnenweise Fankleidung an die letzten verbliebenen guten Menschen in diesem Land, die zwar in Asien unter Bedingungen hergestellt wurde, die man hierzulande als menschenunwürdig anprangert, aber was will man machen? Wenn man schon die Vermarktungsrechte am eigenen Verein verscherbelt, verscherbelt man auch T-Shirts, die von Minderjährigen liebevoll auf Schicht zusammengeflickt wurden: Es ist ja für eine gute Sache.
Aber zurück auf Hamburgs Straßen: Dort rotten sich mittlerweile Bomberjacken-Faschisten zusammen, die in Überzahl auf den guten Paulis rumtrampeln, bis dann endlich gleichviele Paulis kommen und sie heroisch zurückschlagen. Daß es Faschisten sind erkennt man daran, daß sie noch auf der Flucht den Arm zum Hitlergruß heben und sowieso alle Feinde Faschisten sind. Eigentlich nur Faschisten sein können. Aber es geht gerade nochmals gut: Während die faschistischen Faschisten durch Hamburgs Straßen flüchten steigt der FC St. Pauli auf und alle sind glücklich.
Doch halt: Das Glück ist nur von kurzer Dauer. Der faschistische Skinhead-Faschisten-Staatsanwalt mit den Segelohren setzt sich in Aktion. Er hetzt mit List und Tücke die Robo-Cops (sicherlich Faschisten) gegen die guten Paulis auf, die dann ohne eine Chance, aber bis zur letzten Sekunde aufrecht die gerechte Sache, in diesem Falle eine antifaschistische Frittenbude, verteidigen. Die geht in (faschistische) Flammen auf, während sein ergrauter Besitzer einen Herinfarkt erleidet und sein gutes (antifaschistisches) Leben brutal beendet wird. Ein guter Tod, wenn auch unnötig, aber zumindest in Stadionnähe und inmitten der letzten guten Menschen, die sich bis zum letzten Atemzug gegen die Ungerechtigkeit wehren.
Wer solche Filme drehen lässt, hat nicht nur die zweite Liga, sondern auch Elton verdient.