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Gegen die Welt
 
 
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Gegen die Welt [Gebundene Ausgabe]

Jan Brandt
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

Leseprobe Jetzt reinlesen [PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 927 Seiten
  • Verlag: Dumont Buchverlag; Auflage: 6 (1. August 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3832196285
  • ISBN-13: 978-3832196288
  • Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,6 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (19 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 11.448 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Das ehrgeizigste Debüt der neuen Saison.“  FAZ

„Ein berührendes, aufwühlendes und brillantes Buch und das deutsche Debüt des Jahres!“  BÜCHER

„Ein Debüt, das aufs Ganze geht.“  BOERSENBLATT.NET

 „Eine zu Herzen gehende Geschichte (…) und auch optisch ausnehmend schönes Buch. Ein grandioser Rundumblick auf eine kleine Welt, in der sich mehr von der großen Welt da draußen widerspiegelt als ihre Bewohner manchmal erkennen können."  SPIEGEL ONLINE

„Ich habe selten etwas von einem neuen Autor gelesen, das mich auf so vielen Ebenen begeistert, erinnert, unterhalten und fasziniert hat, und prognostiziere ihm einen durchschlagenden Erfolg!“  EMOTION.DE

„Es fehlt ja sonst so oft an Genauigkeit, an Sprachgefühl, Liebe zum Gegenstand und Wut über den Zustand der Welt. All das gibt es in Brandts Buch. (…) Jan Brandt zeigt, was für ein guter Erzähler er ist, wie genau er beobachtet, wie er unterschiedliche Tempi beherrscht und wie er eine Geschichte verknappen und beschleunigen kann.“  FAS

 „Brandts halluzinogener Roman „Gegen die Welt“ ist ein Wunderwerk über Erwachsenwerden in der Provinz, Freundschaften, weites Ostfriedland, den noch weiteren Pop und sowieso, über den ganzen Rest.“  STERN

„Ein kolossaler Debütroman: Es ist ein Meisterstück, wie nahe er Personen kommt.“  HAMBURGER ABENDBLATT

„(…) eines der ehrgeizigsten Buchprojekte dieses Herbstes.“  BERLINER MORGENPOST

„Gegen die Welt liest sich wie ein Bastard aus dem Uwe Johnson der Jahrestage, der Abgründigkeit von J.D Salinger und dem Horror von Stephen King (…)“ „Eine wilde Mixtur aus verstellt autobiografischer Rekonstruktion, Jugendroman, Coming-of-Age-Geschichte und fiebriger Untergangsfantasie. Ein wuchtiges, wunderbar anmaßendes und in seiner Detailversessenheit und seinem lexikalischen Reichtum triumphales Buch, das sich gegen eine Welt der Verhinderung und der Unterdrückung richtet.“  ROLLING STONE

„Ein beeindruckendes Buch.“  ZEIT ONLINE

„Brandt schreibt herrliche Dialoge. (…) Ein hoch ambitioniertes Projekt. Man langweilt sich nicht ein einziges Mal.“  JOURNAL FRANKFURT

„Dass seine pessimistische Weltsicht dennoch nicht zu einer deprimierenden Lektüre führt, verdankt sich der formalen Brillanz, mit der Jan Brandt seinen Stoff präsentiert.“  WDR3

"Der Roman hat sich vom Gestaltungsfuror seines Schöpfers nicht beirren lassen. Gegen die Welt hat alle Tugenden eines altmodischen Romans: einen Ort, einen Konflikt und viele Figuren, die man nachher zu seinem Bekanntenkreis zählt."  DIE WELT

 „Brandt hat wirklich etwas zu erzählen (…) ein fulminanter Roman über die Provinz und ihre Mentalität.“  DER TAGESSPIEGEL

„Höhepunkt des auch formal famosen Buches ist der sich über 150 Seiten als Fußnote hinziehende Monolog eines Lokführers, dem sich immer wieder jemand vor den Zug wirft.“  DAS MAGAZIN

„Grandios.“  1LIVE

"Hier hätten die Brüder Karamasow sich einiges abschauen können: ein gewaltiger, beeindruckender Roman, der das Zeug zum Sieger hat (...)Jan Brandt hat mit diesem gewaltigen Roman viel gewagt und (praktisch) alles gewonnen.“  FAZ

„Brandt experimentiert auf Teufel komm raus, teilt Seiten, und kann eben doch, was ein Romancier können muss: beschreiben, Bögen spannen und glaubhafte Charaktere entwerden, kurz: eine Welt schaffen. (…) Dieser Roman rockt.“  DIE WELT

"Den Kern bildet die Geschichte, wie einer zum Außnseiter wird und wie er damit umgeht; es ist eine zu Herzen gehende Geschichte, weil viel von Daniels Alltag erzählt wird und dadurch die Ausweglosigkeit seiner Situation noch tragischer wird. Die Welt des Dorfes lässt Daniel Kuper nicht entkommen, auch Science Fiction und Heavy Metal, die beiden klassischen Fluchtwege für Provinzjungs, helfen nicht wirklich. (...) die Ausführlichkeit tut Brandts Geschichte gut: In Aufzählungen versteckt er biografische Entwicklungen seiner Personen, Nebenfiguren bekommen den Platz, den sie verdienen, und typografische Spielereien (eine horizontale Schiene, die zwei Parallelhandlungen voneinander trennt, oder verblassende Schrift beim Bewusstseinsverlust einer Figur) sind nachvollziehbar eingesetzt und machen "Gegen die Welt" zu einem auch optisch ausnehmend schönen Buch. Vollkommen mühelos wechselt Brandt Perspektiven und Zeiten, und so ist sein Roman ein grandioser Rundumblick auf eine kleine Welt, in der sich mehr von der großen Welt da draußen widerspiegelt als ihre Bewohner manchmal erkennen können."  SPIEGEL ONLINE

"Ein erstaunlich stilsicheres, in seinem komplexen Aufbau klug durchdachtes Buch (...) variantenreich, kühn und zugleich sicher."  SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

„Ein auch formal famoses Buch.“  DAS MAGAZIN

„Die Feuilletons der Republik schäumen über vor Lob für Jungautor Brandt. Völlig zu Recht.“  GQ

„In diesem unglaublichen Buch fasziniert jeder Satz.“  GRAZIA

 „Die Schönheit dieses Buchs liegt, neben allem anderen, im Ehrgeiz seines Autor, in der Anmaßung seines erzählerischen Programms, in seiner großen Geste. (…) Jan Brandt hat nicht einfach einen Roman geschrieben, in diesem Herbst ist „Gegen die Welt“ tatsächlich das Buch der Bücher.“  SPIEGEL

„Gegen die Welt“ macht von Anfang an süchtig: mit subtilem Humor und entlarvenden Dialogen. (…) Wer noch nach dem großen Herbstroman sucht: hier ist er.“  NEON

„928 Seiten lang glaubt man, in Ostfriesland mitzuerleben und mitzuleiden. Das ist es, was ein großer Roman schaffen kann.“  MUSIKEXPRESS

„Eines der überraschendsten Bücher dieses Herbstes.“  TAZ

„Es entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Dass es das 900-Seiten-Wekr auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat, ist also keine Überraschung.“  DEUTSCHLANDRADIO KULTUR

 

 

Kurzbeschreibung

Ein Dorf in Ostfriesland, Kühe grasen auf den Wiesen, ab und zu zerreißt der Lärm eines Tieffliegers die Stille. Hinter den getrimmten Tujenhecken des Neubauviertels blühen die Blumen, in den Auffahrten glänzen frisch gewachste Neuwagen.
In diese Welt wird Mitte der Siebzigerjahre Daniel Kuper, Spross einer Drogistendynastie, hineingeboren. Ein schmächtiger, verschlossener Junge mit viel zu viel Fantasie und zu wenigen
Möglichkeiten. Doch bald geschehen seltsame Dinge: Mitten im Sommer kommt es zu heftigem Schneefall, ein Kornkreis entsteht, ein Schüler stellt sich auf die Bahngleise, Hakenkreuze tauchen an den Hauswänden auf. Für all das wird Daniel Kuper verantwortlich gemacht. Und je mehr er versucht, die Vorwürfe zu entkräften, desto stärker verstrickt er sich in ihnen. Daniel Kuper beginnt einen Kampf gegen das Dorf und seine Bewohner. Sie sind es, gegen die er aufbegehrt, und sie sind es, gegen die er am Ende verliert. Gegen die Welt ist ein großer deutscher Roman: über die Wende in Westdeutschland, über Popkultur in der Provinz und über Freundschaften, die nie zu Ende gehen.
"Ein tollkühner Roman über Freundschaft und Verrat. Rebellisch und bewegend, wahnsinnig und witzig. Großes Kino."
Sönke Wortmann

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Kundenrezensionen

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64 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Spaddl TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Ein junger, bebrillter Mann schaute mir in der Literaturzeitschrift entgegen, in der sein Debütroman "Gegen die Welt" beworben werden sollte: ein 927 seitenstarkes Erstlingswerk! Der Autor: Jan Brandt, dessen Buch nun auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2011 zu finden ist - verdientermaßen.

Jan Brandt erzählt die Geschichte des Jungen Daniel Kuper, der in dem kleinen Dorf Jericho aufwächst, zur Schule geht, Freunde findet und wieder verliert, sich für Mädchen interessiert und Schabernack treibt - ein typisches Teenager-Leben eines Jungen mit einer Prise zu viel Fantasie, die er nicht ausleben kann, da er in einem Dorf voller Borniertheit, Spießertum und Verlogenheit groß werden muss. Doch bald geschehen merkwürdige Dinge: ein Kornkreis taucht auf, ein Mitschüler begeht Suizid und Hakenkreuze werden an Hauswände geschmiert. Und für alles wird Daniel verantwortlich gemacht - den Kampf gegen die, gegen seine, Welt beginnt.

Beim ersten Lesen fällt direkt die einfache, aber sehr fesselnde Sprache auf. Der Autor überfordert den Leser zu keiner Zeit mit seiner sprachlichen Versiertheit, dennoch ist der Roman alles andere als stumpfsinnig. Viele Spielereien mit der deutschen Sprache und Doppeldeutigkeiten, die erst beim zweiten Lesen des Satzes auffallen, prägen die Geschichte: Nichts ist so wie es anfangs scheint. Diese Tatsache müssen Daniel und der Leser realisieren, ob sie wollen oder nicht.
Brandts Stil ist für einen Autoren seines Alters herausragend. Er wechselt gekonnt zwischen den Perspektiven seiner Dorfbewohner, um anschließend in einem fiktiven und vor Wut strotzenden "Stream of consciousness" Daniels Aggression auf die Welt freien Lauf zu lassen. Dieser häufige Perspektivwechsel zwischen den Charakteren mag anfangs störend wirken, denn der Leser möchte erfahren, wie die Geschichte Daniel Kupers weitererzählt wird. Viele Kapitel fokussieren Menschen in Daniels Umfeld, ohne dass dieser in ihnen eine große Rolle spielt: seine Freunde, sein Vater Bernhard und seine Mutter Birgit, die Lehrerin, der Dorfpfarrer. Stellenweise entsteht trotzdem der Eindruck, dass sich Jan Brandt in diesen Sequenzen zu sehr in Details verloren hat, da die Beschreibung dieser Nebencharaktere zu umfangreich geschieht - jedenfalls auf den ersten Blick.
Jan Brandt entwickelt mit "Gegen die Welt" ein gigantisches Panorama eines kleinen Dorfes, deren Bürger jeder von uns kennt.

Dieses Buch kann als ein Entwicklungsroman bezeichnet werden, in vielerlei Hinsicht. Zum einen die Veränderung der Gemüter, denn die scheinbare Fröhlichkeit und die Nettigkeiten weichen einer drückenden Atmosphäre voller unterschwelliger Frustration, Neid, Verlogenheit und Bigotterie. Auf der anderen Seite befindet sich Daniel Kuper, ein Don Quichotte der neuen Generation, der gegen riesige Windmühlen zu kämpfen hat und dabei konsequent scheitert. Daniel wird mehr und mehr in die Rolle eines Dorf-Soziopathen gedrängt, der verprellt, zurückgestoßen und für jedes Problem verantwortlich gemacht wird. Die Tragik an seiner Figur ist jedoch, dass er eigentlich nur alles richtig machen möchte - und daran kläglich scheitert.

Beim Lesen musste ich an zwei Romane denken, die den Autoren unter Umständen beim Schreiben begleitet haben könnten: "Unendlicher Spaß" von David Foster Wallace und "Das Haus" von Mark Z. Danielewski, denn die Klugheit des erst genannten und die Aufmachung des zweiten Buches vereinen sich in "Gegen die Welt". Foster Wallace verlor sich in seitenlangen Exkursen, z.B. über mathematische Formeln, die in Jan Brandts Roman in Ansätzen vorhanden sind. Die Gestaltung des Romans ist jedoch ein kleines Ereignis: Sei es der interessante Einband, der, entfernt man den Schutzumschlag, mit einer Auflistung prägnanter Worte aus dem Roman daherkommt, der Abdruck von Reklamezetteln, das Erzählen zweier, parallel verlaufender Handlungsfäden, die optisch durch zwei Schienengleise in der Mitte des Buches getrennt werden oder Daniels Ohnmachtsanfälle, die durch ein blasser werdenden Druck der Buchstaben dargestellt wird.

Jan Brandt begeistert durch ein Detailwissen der besonderen Art. Bibelstellen und dazu gehörige Interpretationen, das Aufeinandertreffen von kritischen Konfirmanden und einem erzkonservativen Pfarrer, physikalische Vorgänge, Weinanbaugebiete und ihre Vorzüge sind nur einige der speziellen Bereiche, die der Autor am Rande thematisiert. Und als wäre es selbstverständlich, lässt der Autor noch Zitate von Georg Büchner und Friedrich Nietzsche mit in seinen Text einfließen.

"Gegen die Welt" ist ein Roman über die Dialektik von Realität und Fiktion. Je mehr der Leser sich in die Geschichte verliert, desto weniger kann er sich sicher sein, ob er sich in einer Halluzination Daniels befindet oder tatsächlich in der Schule dem Englischunterricht folgt. Wie sagt Jan Brandt auf Seite 162 doch so treffend: "Die Wirklichkeit ist eine Grenzerfahrung, die sogar die stärksten Geister in den Wahnsinn treibt", weshalb sich im Prinzip alle Figuren seines Romans in Realitätsflucht befinden, egal ob Musik oder Drogen, keiner der Charaktere möchte die Wirklichkeit wahr haben.

Die letzten 50 Seiten drehen den Roman zum Schluss in eine völlig andere Richtung, erklärt einige (aber nicht alle) Hintergründe der Handlung und lässt den Leser mit einem, meiner Meinung nach, passenden, den Leser verdutzenden Ende zurück, das einige Leser jedoch sicherlich verärgern wird. Ich denke, dass ein anderer Schluss dem Buch nicht angemessen gewesen wäre.

Wenn Sie sich in einer detailversessenen, überbordenden Charakterstudie verlieren wollen, die zwar eine stringente Handlung vermissen lässt, aber durch ihre Intelligenz, Raffinesse und eine gehörige Portion "Sinn des Lebens" den Leser zu fesseln weiß, wird Ihnen "Gegen die Welt" gefallen.
"Das hier [...] ist nicht mehr als eine aus Bruchstücken zusammengeleimte Geschichte." (S. 671): Oh doch! Das ist sie.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Andreas Schröter TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
In seinem satte 928 Seiten dicken Debütroman "Gegen die Welt" erschafft Jan Brandt, geboren 1974, mit dem fiktiven ostfriesischen Ort Jericho einen ganz eigenen Mikrokosmos. Der Leser kennt sich nach einer Weile dort so gut aus, dass er ganz genau weiß, wo die Menschen einkaufen gehen, welchen Arzt sie aufsuchen und wer mit wem ein heimliches Verhältnis hat. Man meint, das Dorf und seine Bewohner schon jahrelang aus eigener Anschauung zu kennen.

Im Mittelpunkt steht der Junge Daniel Kuper, der deutlich intelligenter und aufgeweckter ist als seine meist dumpfen Mitmenschen. Doch bringt ihm dieser Unterschied nichts als Ärger ein: beim Konfirmanden-Unterricht, bei seinen Mitschülern und Lehrern, bei seinen Eltern, die eine Drogerie betreiben, und schließlich im gesamten Dorf, als er den Bürgermeister-Kandidaten als heimlichen Nazi entlarvt, aber selbst bezichtigt wird, Nazi-Symbole an die Hauswände zu schmieren. Am Ende ist Daniels Ruf derart ruiniert, dass er kaum noch einen Schritt tun kann, ohne sich wenig später auf der Polizeiwache wiederzufinden.

Ein 928-Seiten-Buch hat meist Längen. Und das gilt auch für "Gegen die Welt". Jan Brandt verliert sich gelegentlich in seitenlangen Aufzählungen (zum Beispiel was es in der Drogerie alles zu kaufen gibt). Auch wird der Sinn einiger Nebenhandlungsstränge, die zunächst über hunderte von Seiten ausgebreitet werden, dann jedoch keine Rolle mehr spielen, nicht klar. Beispiel dafür ist die Geschichte eines Lokführers, der psychisch an den Menschen zugrunde geht, die sich vor seinen Zug werfen und Selbstmord begehen. Graphisch interessant wird diese Nebengeschichte zwischen den Seiten 214 und 369 unterhalb einer horizontalen Linie erzählt, die sie von der eigentlichen Handlung, die oberhalb dieser Linie weitererzählt wird, abtrennt. Es gibt noch ein paar andere solcher Spielereien in diesem Buch: verblassende Schrift, wenn jemand das Bewusstsein verliert, zwei Briefe mit handschriftlichen Ergänzungen und Einschüben oder andere graphische Elemente wie dem Ankündigungsplakat für ein Rockkonzert. Das Buch endet auf Seite 921 mitten im Satz. Es folgen noch sieben komplett leere Seiten. Man kann sicherlich geteilter Meinung darüber sein, ob solche Gags zur Qualitätssteigerung eines Buches beitragen.

In einem weiteren Nebenhandlungsstrang führt der Autor den Leser ein wenig an der Nase herum, was durchaus spaßig und gelungen ist: So glaubt einer von Daniels Freunden, das ganze Dorf sei von Außerirdischen besetzt worden, die Besitz vom Körper der Menschen ergreifen. Auch Daniel habe einmal in einem Maisfeld, in dem sich ein Kornkreis findet, Kontakt zu diesen Außerirdischen, den Plutoniern, gehabt. Das würde jeder Leser sicherlich als typische Spinnerei eines Jugendlichen abtun, wenn es da nicht jenes Kapitel gäbe, das die Landung eines dieser Außerirdischen aus dessen Sicht in Jericho beschreibt ...

Trotz einiger Kritikpunkte bietet "Gegen die Welt", das auch auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2011 steht, ein lohnendes Lesevergnügen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Tobias Nazemi VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Die Verlage sollten aufhören, Autorenfotos auf den Klapper zu drucken. Denn beinahe hätte ich nach Anblick des grünschnäbligen Jan Brandt das Buch wieder zurückgelegt. Von jemandem, der einen über 900 Seiten Lesemarathon abverlangt, erwartet man etwas mehr Ausdrucksstärke im Blick, ein paar sympathische Grübchen oder zumindest ein gewinnendes Lächeln. Erst recht, wenn man als Debütant ein weitgehend unbeschriebenes Blatt ist. Aber diesen Gefallen tut uns Jan Brandt nicht. Und im Nachhinein kann ich sagen, er hat es auch nicht nötig.

Denn das, was er da als Erstlingswerk abgeliefert hat, ist wirklich mehr als erstaunlich und verdient höchsten Respekt. Dabei kann ich gar nicht genau sagen, was er da abgeliefert hat. Einen Entwicklungsroman? Eine Familiensaga? Ein mit ein wenig Science-Fiction aufgepepptes Epos über die jüngste deutsche Vergangenheit? Ich würde sagen, von allem etwas und dabei auch noch sehr unterhaltsam. Es erinnert mich ein wenig an Murakami. Klare einfache Sätze, lange Beschreibungen, einsame Helden und zum Auflockern ein wenig Surreales. Klar hätte man das Buch auch halb so dick machen können. Bei einigen Personen im Roman fragt man sich, warum Brandt sie uns überhaupt vorgestellt hat. So zum Beispiel Stefan, Onno und Rainer oder der Lokomotivführer. Die sind meiner Meinung nach komplett überflüssig. Werden aufwändig in die Handlung eingeführt und dann scheinbar vom Autor wieder vergessen.

Überflüssig fand ich auch diese Sequenz von knapp 100 Seiten mit zwei Erzählsträngen oben und unten auf der Seite. Auch die anonymen Briefe mit den handschriftlichen Korrekturen und das Ausbleichen der Schrift bei einigen Absätzen haben mich eigentlich nur genervt. Aber das sind die Spielereien, die scheinbar erforderlich sind, um auf die Short-List für den deutschen Buchpreis zu kommen. Für den Preis darf ein Buch niemals komplett leicht verständlich sein. Es muss sich künstlerisch vor der breiten Masse verschließen. Denn nur schwere literarische Kost wird prämiert.

Dass Brandts Roman nicht mit dem Buchpreis ausgezeichnet wurde, ist ein Beweis für Lesbarkeit und Unterhaltungswert. Und als ich nach den 900 Seiten Lesemarathon noch mal auf das Foto im Klapper schaute, kam mir der Autor gar nicht mehr so ausdruckslos und grünschnäblig vor, sondern einfach nur schlecht fotografiert.
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