...das passt vermutlich am besten zu Wolfgang Müllers Songs auf -Gegen den Sinn-. Wer von Müllers erster CD -In der Zwischenzeit- begeistert war, der wird feststellen, dass der Hamburger Liedermacher CD Nr.2 noch lyrischer und verträumter gestaltet hat als den Vorgänger. Müllers Werkzeuge, um sich die Dinge des Alltags zu erschließen, sind das Spiel mit Worten und die Gitarre. Mehr braucht der Mann nicht, um seine Poesie unglaublich lebendig werden zu lassen. Für Hörer, die vor allem über die Rhyhmusschiene Musik hören, wird -Gegen den Sinn- ganz sicher zu statisch daherkommen. Wer jedoch seine Ohren auf die Texte richtet und Musik auch zum Abschalten von der Hektik des Tages nutzen will, der wird die CD ganz sicher zu seinen Favoriten ins Regal stellen.
Mit -Ahoi- beginnt Müller in einer Art zerbrochener Hans Albers Hommage das Album. Irgendwie ein Klasse Song. Der -Oktober- ist mein Lieblingslied auf der CD. Wie Müller hier mit lyrischen Spezialitäten um sich wirft, das ist einzigartig gut. Wer Kinder hat, der wird -Im Inneren Kreis unserer Arme- als warme, liebevolle Botschaft verstehen. Das man -Schlafende Katzen-, so wie ihre bellenden Artgenossen lieber nicht weckt, wusste ich bis dato auch noch nicht. Ein verspieltes, schönes, Liedermacherstück. -Freunde- ist eine wunderbare Liebeserklärung. Verloren und mit herrlichen Bläsersätzen geht es mit -Du sollst nicht- in den Endspurt des Albums. Als Rausschmeißer fungiert -Gegen den Sinn-. Ein vertontes Gedicht; so etwas kann kaum jemand besser als Wolfgang Müller.
Da ist also wieder mal so ein Typ: Kaum bekannt und doch so gut. Wer Müller einmal live gesehen hat, der wird sich fragen: Wieso macht der und der Karriere und den kennt man nicht? Ganz ehrlich: Ich weiß es auch nicht. Aber eins weiß ich: Wenn sie, so wie ich, manchmal schon glaubten, die deutsche Liedermacherszene wäre ausgestorben, dann hören sie hier mal rein. Besser kann man sich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen.