"Ich möchte Gedichte zerstören / Im offenen Kampf / Mit Hammer und Schwert" - Ganz schön harte Worte, die der Poet einem seiner vielen 'Ichs' in den imaginären Mund legt! Auch der Titel des Bandes, "Gegen alle Hoffnung", scheint ja eher Düsteres zu versprechen. Aber Gemach.
Der Poet ist der Schriftsteller Ulrich P. Hinz, der hier in seinem ersten eigenständigen Band einen Querschnitt seines bisherigen Schaffens vorlegt. Er teilt ihn in drei Bücher: I. Gedichte, II. Kurzprosa und III. "Einfach nur müde".
Die 42 Gedichte sind in ihren Formen und Themen sehr unterschiedlich. Harte Worte gibt es darin, brutale Gedanken, aber auch sehr zarte Töne, solche von tiefer Liebe und von Träumen. Reime und freie Rhythmen. Gedichte wirken im Kopf des Lesers, und zwar bei jedem anders. Deswegen nur das: Diese hier SIND lesenswert, also laßt sie auf euch wirken.
Im zweiten Teil präsentiert U. P. Hinz eine Auswahl von 18 Prosatexten von zum Teil aphorismenhafter Kürze. Manch eine macht den Eindruck einer Keimzelle für eine längere Geschichte - oder sogar einen Roman? Versonnenes, Bissiges, Humorvolles... Auch hier präsentiert der Autor ein breites Spektrum. Und mit 'Richard Urdal' ist ihm eine Figur gelungen, die man bestimmt nicht persönlich kennenlernen, von der man aber garantiert mehr lesen möchte.
Der letzte Teil, "Einfach nur müde", ist der längste Text dieses Bandes und in gewisser Weise eine Hommage an Charles Bukowski - aber keine Kopie. Daß hier - "Gegen alle Hoffnung"? - kein Happy End erreicht wird, sollte niemanden vom Lesen abhalten. Schließlich folgt noch ein Epilog, den man dann vielleicht doch als Hoffnungsschimmer verstehen kann... aber mehr wird hier nicht verraten.
"Gedichte zerstören"? Ulrich P. Hinz hat jedenfalls das genaue Gegenteil getan. Nämlich etwas geschaffen, ein kleines poetisches Universum: vielfältig, formenreich und voller verblüffender Gedanken. Astronomen behaupten, unser Kosmos expandiere. Diesem hier ist das ganz bestimmt zu wünschen. Schaut rein, taucht ein, freut euch an den Sternen!