1952, siebzehn Jahre nach "Captain Blood" und zwölf Jahre nach "The Sea Hawk", gab Errol Flynn noch einmal den Helden eines Freibeuter-Abenteuers; und wer die älteren Filme vor Augen hat, kann "Against All Flags" kaum ohne Wehmut ansehen. Dabei ist nicht einmal das Aussehen des Helden das Problem - er ist zwar sichtlich gesetzter geworden, aber immer noch mehr als ansehnlich - und auch nicht mangelnde Athletik; die Actionsequenzen, etwa den Zweikampf mit Enterhaken, bewältigt der 43-jährige sehr respektabel. Abhanden gekommen aber ist der Schwung, der unwiderstehliche Elan, der in den Filmen des jüngeren Flynn so begeistert. Der Held wirkt müde.
Das ist hier um so bedauerlicher, als gerade dieser Film etwas von dem alten Biss und der ansteckenden guten Laune, die Flynn sonst zu verbreiten vermochte, bitter nötig gehabt hätte. "Against All Flags" dauert zwar nur achtzig Minuten, steckt aber trotzdem voller Längen. Den Dialogen fehlt es an Tempo, und insgesamt wirkt die Regie des Routiniers George Sherman uninspiriert (wobei die Actionszenen deutlich besser geraten sind als die Dialoge). An Michael Curtiz darf man hier nicht denken (der sich freilich auch kaum darauf eingelassen hätte, ein so infantiles Drehbuch zu verfilmen). Sherman scheint vor allem darauf aus zu sein, die schönen Kulissen und Kostüme ins rechte Licht zu rücken. Diese sind in der Tat prächtig und erstrahlen in herrlichstem Technicolor, scheinen jedoch durchweg aus dem Fundus eines Operettenhauses zu stammen - alles so sauber gewaschen und geputzt, wie es sich echte Piraten wohl niemals träumen ließen ...
Der Film hat einige sehr gute Darsteller, die jedoch leider nicht zeigen können, was in ihnen steckt. Anthony Quinns Rolle als fieser Piratenkapitän ist so durchgehend unsympathisch angelegt, dass die Möglichkeit, die leading lady, die wunderschöne Maureen O'Hara, könnte sich für ihn statt für Flynn entscheiden, von vornherein ausscheidet. Damit fehlt ein entscheidendes Spannungselement. Maureen O'Hara ziert jeden Film, in dem sie mitspielt, und so auch diesen, wirkt aber unterfordert. Und Mildred Natwick ist eine exzellente Charakterdarstellerin, kommt aber ebenfalls in vielen anderen Filmen besser zur Geltung.
Das alles läuft auf eine ziemlich vernichtende Bewertung dieses Films hinaus, was mir selbst am meisten Leid tut. Ich mag Errol Flynn sehr, ebenso Maureen O'Hara; ich mag Piratenfilme; und ich habe in diesem Genre auch nichts gegen unverblümten Eskapismus. Wenn ich mich recht erinnere, hat mir der Film als Kind sogar gefallen. Heute kann ich leider weder Spannung noch Witz darin entdecken.
Ausschließlich Positives lässt sich über die technische Qualität sagen: sie ist makellos, speziell das Bild, für einen Film dieses Alters, geradezu fabelhaft.