Ein Buch voller Leben, das zugleich schön, traurig und humorvoll ist. Die Bewohner dieser Straße, deren Seiten wie durch eine unsichtbare Mauer getrennt sind, wachsen einem sehr schnell ans Herz. Zugleich gelingt es dem Autor, auf unterhaltsame Weise menschliche, soziale und politische Probleme von weit größerer Dimension zu vermitteln, so dass man an vielen Stellen zugleich lacht und zutiefst erschrocken ist, dass man Wärme und Kälte im gleichen Atemzug verspürt und Mitgefühl und Abneigung ein und derselben Person zugeordnet sein können. Harry Bernsteins Erzählweise ist ruhig, aber nie langsam und von einer so lebendigen Bildhaftigkeit, dass man das Gefühl hat, das Buch verändere sich noch beim Lesen. Wenn etwa der Lumpensammler durch die graue und von Armut geprägte Straße kommt und an jedes Haus bunte Kreide verteilt, verändert sich plötzlich für einen kostbaren Moment das Leben, Kinder und Erwachsene sind eifrig bei der Sache und ein Hauseingang nach dem anderen wird bunt angemalt das Wissen um das Zerbrechliche und Vorübergehende dieser Freude schwingt jedoch immer mit. Die Atmosphäre des Buches ist einerseits geprägt vom Grau einer industrialisierten Kleinstadt, vom Gefangensein der Menschen in einem zu strengen Dogmenglauben, von Krieg und Armut, andererseits aber auch immer wieder von warmen Farben durchzogen, von Menschen mit kleinen und großen liebenswerten Macken, von Humor und Nähe, Freundschaft und Liebe.