Kellys Geschichte ist zweifelsohne interessant. Die Autorin schreibt etwas blumig und poetisch, wohl maßgebend für eine Angehörige der damaligen sogenannten gebildeten und zivilisierten Gesellschaft. Besonders ihre üppigen Beschreibungen der Landschaft, die sie mit den Indianer durchquert, haben mich zuweilen zum schmunzeln bewegt.
Dieses Buch ist ein Dokument seiner Zeit und öffnet eine Tür in eine sehr blutige Vergangenheit. Kelly erlebt die schlimmsten Monate ihres Lebens, erfährt Grausamkeit und Härte zusätzlich zu den Strapazen, welche das Leben in der Wildnis mit sich bringen. Die Indianer werden grundsätzlich als mordende Bestien dargestellt, welche sich an Sadismus und Tücke erfreuen. Kelly beschreibt Gräueltaten, die mir die Haare zu Berge stehen ließen - wenn sie es so erlebt hat, verwundert ihr Hass auf die, von ihr bezeichneten barbarischen Wilden nicht. Das leider immer noch lebendige zwei Klassendenken zwischen Menschenrassen, wird unangenehm häufig aufgefächert, Toleranz ist somit ein Fremdwort. Die im Klappentext des Buches beschriebene Kritik Kellys, an der rücksichtslosen und bestialischen Vorgehensweise der Weißen, war zumindest für mich nicht erkennbar. Sie sympathisiert eindeutig mit der Kavallerie, schwärmt von der Tapferkeit und Freundlichkeit der Generäle und nennt die Massaker der Soldaten an den Indianern gerechte Bestrafung. Dennoch erwähnt sie, dass die Indianer zu ihr auch durchaus freundlich waren... ich war beim Lesen hin - und hergerissen.
Ob das wirklich alles so passiert ist, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt Dokumente am Schluss des Buches, die belegen sollen, dass Ms Kelly in Gefangenschaft war. Sicher ist, dass sie Häuptlinge wie Spottet Tail, Red Cloud und Man Afraid Of His Horse erwähnt und einiges zur Kultur und Lebensweise der Lakota erzählt.
Fazit: Wahrlich ein interessantes Buch aber eine Lesefreude war es für mich nicht.
PS: Romantik sucht man hier im übrigen vergebens.