Carolyn Jessops unfassbare Lebens- und Leidensgeschichte in der amerikanischen Polygamisten-Sekte FLDS ist spannend und furchtbar zu gleich. Sie erzählt sehr präzise von ihrem Alltag in einer Familie mit einigen Mitfrauen und ca. fünzig Kindern, in der immer eine oder mehrere der Frauen schwanger ist oder gerade ein Kind geboren hat.
Bevor ich das Buch gelesen habe, hatte ich über die Mormonen und auch über diese polygamistische Abspaltung nicht sehr viel gehört. Nach der Lektüre war ich einfach nur entsetzt. Schrecklich, wie alte Männer einen angeblichen Glauben dafür nutzen, um an frisches Fleisch zu kommen und um Sex mit möglichst vielen Frauen zu haben (je jünger, desto besser) ohne, dass das in der Gesellschaft als unmoralisch (und illegal) angesehen wird. Mir tun die Mädchen und Frauen leid, die in so ein System rein geboren werden und das zum Teil nicht mal in Frage stellen, da ihnen von klein auf eingebläut wird, dass das ihr einziger Weg zu Gott ist. Und dafür ertragen sie bis zu zwanzig Schwangerschaften, ein Leben mit geringer medizinischer Versorgung (Gott kann ja alles richten) und nehmen in Kauf, dass Gewalt und Züchtigung zum täglichen Leben gehören. Erschreckend wie viel Übel Menschen bereit sind zu ertragen, wenn man es ihnen nur mit einer Heilsbotschaft verkauft.
Die Biografie ist schnell und einfach zu lesen und spannend. Ich würde sie weiterempfehlen.