Rafe McCay ist in einer verzweifelten Lage: Als gesuchter Verbrecher, auf den eine hohe Belohnung ausgesetzt ist, wird er auf der Flucht von einem Kopfgeldjäger, der ihn erbarmungslos jagt, schwer verwundet. Mit der lebensgefährlichen Schussverletzung schafft er es gerade noch so zum nächsten Doc. Der wiederum entpuppt sich als die junge Ärztin Annie, die daraufhin von dem Schwerverletzten als Geisel genommen wird und ihn von da ab auf seiner Flucht begleitet.
Doch das Verhältnis Ärztin und Patient ändert sich bald in etwas viel Leidenschaftlicheres...
Gleich mal vorne weg: Linda Howard präsentiert uns hier keinen zeitgenössischen Liebesroman, sondern einen zünftigen Western Romance, ein Genre, das ich persönlich in dieser Form von der Autorin bisher noch nicht kannte und vielleicht auch für den ein oder anderen Leser ein wenig gewöhnungsbedürftig sein könnte.
Zudem ist das Original "The Touch of Fire" auch schon Anfang der Neunziger Jahre erschienen, sodass man hier auch nicht auf einen etwas modernen und zeitgerechten Western hoffen darf, wenn man denn überhaupt bei dieser Spezies von zeitgemäß und trendig sprechen kann.
Unterschwellig kann man aber durchaus das etwas reifere Alter des Romans "herauslesen" und begleitet einen auch durchgängig durch die Lektüre.
In "Gefangene des Feuers" ist es uneingeschränkt die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten, die im Mittelpunkt des Geschehens steht und man die Entwicklung der beiden als Liebespaar recht gründlich und intensiv mitverfolgen kann und die Hatz auf Rafe eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielt und sich zum Finale hin eher unspektakulär gestaltet.
Rafe und Annie agieren hier als recht harmonisches Gespann, bei dem recht früh die Richtung vorgegeben wird und die beiden als Liebespaar doch schon im Großen und Ganzen überzeugen können.
Annies Darstellung als unabhängige und eigenständige junge Frau, die ihren Beruf als Ärztin mit Leib und Seele ausübt und sich bisher durch ein Leben voller Widerstände kämpfen musste, ist hier von Howard ganz gut in Szene gesetzt worden und macht sie dem Leser doch richtig sympathisch.
Also alles in allem eine durchaus toughe Romanheldin, die sich aber dann doch ihren Schneid recht schnell von unserem Romanhelden abkaufen lässt und ihren Widerstand vielleicht einen Hauch zu früh aufgibt.
Der gute Rafe zeigt sich hier selbstredend als bestimmender und tonangebender Revolverheld, der aber schnell seine beschützende Ader seiner Gefangenen gegenüber entdeckt und seine Macho-Allüren doch recht schnell abstreift.
Die Liebesszenen waren für mich jetzt auch nicht so der Brüller, da hat die Autorin ja sonst meist einige heiße und prickelnde Darbietungen in petto, was ich hier so ein bisschen vermisst habe, aber auch das kann man eventuell dem etwas gesetzteren Alter der Story zuschreiben und man infolgedessen auch bereit ist, da einige Abstriche zu machen.
Alles in allem ist der Schmöker nur dann eine wirklich runde Geschichte, wenn man als Leser weiß, worauf man sich hier einlässt. Da wären zum einen das eher ungewöhnliche Setting im Wilden Westen und zum anderen das doch recht betagte Alter der Urfassung, was ja in der heutigen Zeit doch häufig antiquiert und altmodisch daherkommt und dabei nicht immer den besten Eindruck hinterlässt.
Also insgesamt zeigt sich die Erzählung eigentlich ganz nett und gefällig zu lesen, wobei aber grundsätzlich so ein bisschen der Schwung und der Pep fehlt und Highlights eher rar gesät sind, die dem Geschehen so den Stempel aufdrücken. Da hätte ich persönlich noch vielleicht einen Tick mehr Action und Abenteuer gehabt, was einen kernigen Western so ausmacht, wogegen die Love Story hier doch ziemlich punkten kann.
Für den eingefleischten Linda Howard Fan ist dieser Schmöker sicherlich ein absolutes Must-Have und da wird sich die Enttäuschung wahrscheinlich auch in Grenzen halten und wird hier eher einem ungetrübten Lesespaß frönen können.
Übrigens steht mit "Eiskaltes Feuer" der nächste Western schon in den Startlöchern und im November 2011 geht's dann da erneut für uns Leser auf in den Wilden Westen.