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Gefangene der Angst: Ein Leben im Zeichen des Widerstandes
 
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Gefangene der Angst: Ein Leben im Zeichen des Widerstandes [Gebundene Ausgabe]

Ella Lingens
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Taschenbuch --  

Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 335 Seiten
  • Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag (Oktober 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3216307123
  • ISBN-13: 978-3216307125
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 540.660 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ella Lingens
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ehe aus der Massenvernichtung der Juden 'Der Holocaust' wurde, waren zu dem Thema nur ein paar Memoiren wie Viktor Frankls ... 'trotzdem Ja zum Leben sagen' und Ella Lingens 'Gefangene der Angst' veröffentlicht worden. Doch diese kleine Sammlung von Edelsteinen ist besser als die Regale über Regale mit trivialer Literatur, die nun Bibliotheken und Buchläden füllt." (Normann G. Finkelstein, Die Holocaust-Industrie)

"Ella Lingens und die wenigen anderen, die wie sie handelten, sind unerreichbar in ihrem moralischen Mut." (Der Standard)

Kurzbeschreibung

Ella Lingens (1908-2002) musste als Lagerärztin in Auschwitz mit ansehen, wie Mütter ihre Säuglinge erwürgten, um sie vor dem Gas zu bewahren.

Die in Wien geborene Ärztin war im Oktober 1942 gemeinsam mit ihrem "reichsdeutschen" Mann, dem Arzt Kurt Lingens, von der Gestapo verhaftet und schließlich im Februar 1943 nach Auschwitz deportiert worden, da das Ehepaar seit dem Anschluss Österreichs zahlreichen Juden zur Flucht verholfen hatte. Als deutsch-arische Lagerärztin in Auschwitz leistete Ella Lingens weiter Widerstand, indem sie Fehldiagnosen stellte, um schwer Erkrankte vor der "Selektion", dem sicheren Tod im Gas, zu retten, überlebte selbst das Fleckfieber und trat nach der Befreiung, stets um Aufklärung bemüht, auch als Zeugin der Nazi-Verbrechen auf. Ihrer Zeitzeugenschaft verpflichtet verarbeitete Ella Lingens das Grauen dieser Jahre im KZ in dem 1947 erschienenen Buch Prisoners of Fear, das in England und Amerika ein großer Erfolg war und nun endlich auch auf Deutsch vorliegt. Die große Humanistin wurde 1980 von der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Ehrentitel einer "Gerechten der Völker" ausgezeichnet. Ella Lingens' einzigartiges Zeitdokument ist fraglos eines der wichtigsten Bücher über den Holocaust.

"Ella Lingens und die wenigen anderen, die wie sie handelten, sind unerreichbar in ihrem moralischen Mut. " Hans Rauscher, Der Standard

"Gefangene der Angst ist neben Viktor Frankls … trotzdem Ja zum Leben sagen ein Edelstein unter den Publikationen über die Massenvernichtung der Juden. Dieses Buch ist besser als jene triviale Literatur, die nun in Bibliotheken und Buchläden Regale über Regale füllt." Norman G. Finkelstein, Die Holocaust-Industrie


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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr gutes buch 22. Oktober 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Am Sonntag, nachdem ich das Buch geliefert bekommen habe, wollte ich so kurz mal eine Stunde ein wenig reinschnuppern, und es hat mich bis tief in die Nacht nicht mehr losgelassen.
Die ersten zwei Drittel des Buches sind wirklich sensationell gut geschrieben, ohne auch nur den Hauch von Langatmigkeit.
Das letzte Drittel des Buches beginnt dann allerdings etwas langatmig, und die vermittelte Atmosphäre im KZ Auschwitz (welche im ersten Teil wirklich perfekt geschrieben ist) wandelt sich hin zu einer nicht mehr so grauenhaften. Man meint fast, man liest über ein Ferienlager.
Alles in allem ein sensationelles Buch, welches ich nur empfehlen kann, abgesehen von dem (allerdings wirklich nur sehr kurz ausgefallenen) etwas langatmigen Teil am Beginn des letzten Drittels. KAUFEN und FESSELN LASSEN!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Melanie
Format:Gebundene Ausgabe
Durch die Kurzbeschreibung des Buches hatte ich eine etwas andere Vorstellung von der Art des Buches, als es dann (für mich) letztendlich war. Ich habe schon sehr viele Bücher von Überlebenden des Holocaust gelesen u. bin deshalb davon ausgegangen, dass auch dieses Buch wieder so ist. Im Prinzip ist es auch ein Lebensbericht der KZ-Überlebenden Ella Lingens. Aber das Besondere an diesem Buch liegt meiner Meinung nach bei zwei Dingen begründet:
1. sie war ein dt. politischer Häftling, keine Jüdin und läßt dadurch eine etwas andere Art auf die Sicht der Dinge zu
und
2. ihre Art des Schreibens.
Ihr Sohn schreibt im Vorwort des Buches: "Sie ist frei von jedem Egoismus, frei von jeder Parteilichkeit, frei von jedem Vor-Urteil. Meine Mutter hat bis zuletzt versucht, Schuld und Sühne nach bestem Wissen und Gewissen intellektuell zu analysieren -sie wollte diese Analyse durch keinerlei Emotionen verzerrt wissen." Und das war für mich in fast jeder Zeile spürbar. Für mich war es etwas ganz besonderes dieses Zeitzeugnis zu lesen. Es war weder langatmig noch uninteressant. Ich kann es nur jedem Leser empfehlen, der einmal ein KZ-Überlebensbericht eines polit. Häftlings lesen möchte, der das Grauen auf eine etwas andere Art u. Weise erlebt und überlebt hat.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Im Geist sah ich meinen kleinen Jungen vor mir und hörte sein rührendes Stimmchen, mit dem er beim Abschied die Ärmchen um meinen Hals gelegt und gebettelt hatte: ,Mama, bleib bei mir!'" Tausendfach verspürte die Mutter diese quälende Sehnsucht nach ihrem dreijährigen Sohn, die zugleich Kräfte mobilisierte, die sie die Hölle überleben ließen: das Konzentrationslager Auschwitz. Zweieinhalb Jahre später kehrte sie zurück. Sie trug schwarze Stiefel und hatte schlohweißes Haar. Der kleine Junge erkannte seine Mutter nicht wieder. Mit diesem traumatischen biographischen Einschnitt beginnt die Autobiographie von Ella Lingens. Ihr Kind, Peter Michael Lingens, firmiert als Herausgeber des bereits im Jahre 1947 verfassten Berichts, versah es mit einem informativen Vorwort, stilistischen Korrekturen und aktuellen Bezugnahmen. Mehr noch: die persönliche Nähe führte gar dazu, dass der Sohn das erste Kapitel mit den Worten der Mutter" schreibt, gemeinsame Gespräche aus seiner Erinnerung rekapituliert und dem Buch quasi eine symbiotische Autorenschaft verleiht, die irritiert - denn der Urtext liest sich dadurch anders.
Im Original spürt man, wie die brennenden Erinnerungen, die noch nicht durch die Jahrzehnte sozial gestaltet und von Affekten poliert sind, im sprachlichen Ausdruck zu einer unmittelbaren Gestalt geformt wurden. Der Unterschied macht sich besonders bemerkbar, wenn die Änderungen gar der aufklärenden Intention des Buches zuwiderlaufen. Ein Ausmaß der zerstörenden Unterdrückung der Nationalsozialisten war doch, dass Mord zur Alltäglichkeit wurde. In einem Konzentrationslager zigtausendfachem Mord im eigenen Überlebenskampf nicht mehr jene empathische Mitleidenschaft entgegengebracht werden konnte, wie es einem Einzelfall gegenüber möglich ist. Man sprach schon beinahe wie die SS ... Man wagt es kaum auszusprechen, aber wir alle haben uns daran gewöhnt", schrieb Ella Lingens in aller mutigen Ehrlichkeit und angesichts des Entsetzens, wie sehr sie sich in diesem psychotischen Mikrokosmos, menschlichen Anpassungsmechanismen an den Wahnsinn ergeben musste. So nimmt es nicht wunder, dass 1947 anstatt von Frauen" noch von interessantem Krankenmaterial" oder Untersuchungsobjekten" die Rede ist, oder die Musikkapelle der Häftlinge spöttisch als Schallwellentherapie" bezeichnet wurde. Jetzt fehlen diese Formulierungen und damit die Sprache des Terrors, jenes Gift" - wie Victor Klemperer es formulierte - das du unbewusst eintrinkst, und das seine Wirkung tut", bleibt undokumentiert. Die Angst vor Missverständnissen hätte leicht durch einen Anmerkungsapparat beseitigt werden können.
Trotz allem, das Buch ist ein Meilenstein der Erinnerungsliteratur, wobei die Co-Autorenschaft nachvollziehbar ist. Der Sohn ist Teil der gebrochenen Biographie. Er hat Auschwitz nicht erlebt, aber er war dabei. Lebenslänglich.
Bereits der Taufpate von Peter Michael Lingens repräsentiert die volle Tragik dieser Geschichte: Karl Motesiczky - ein enger Freund der Eltern, Ella und Kurt, Lingens. Er stammte aus einer reichen Wiener Adelsfamilie, war Kommunist, Psychoanalytiker, genoss das Leben eines Bohemien und lebte zusammen mit den Freunden auf seinem Landsitz in der Hinterbrühl. Ella Lingens kam selbst aus wohlbegütertem Haus und ihr Mann war Sohn des Kölner Polizeipräsidenten. Bis in die ersten Kriegsjahre lebte die kleine Studentengruppe ohne Entbehrungen, sorgten sich um den neugeborenen Sohn und fühlten sich sicher. Mit diesem Rückhalt begannen sie verfolgten Juden Unterschlupf zu gewähren und bei der Flucht zu helfen - bis sie verraten und am 13. Oktober 1942 verhaftet wurden.
Kurt Lingens hatte Glück. Eine Intervention rettete ihn in eine Strafkompanie. Ella Lingens und Karl Motesiczky deportierten die Nazis nach Auschwitz, wo er am 25. Juni 1943 ermordet wurde. Sie überlebte. Mit viel Glück und nur dadurch, weil das diabolische System der Nationalsozialisten selbst ganz unten noch ein oben definierte. Privilegiert als Ärztin, Arierin, Deutsche und wohl auch sehr schöne Frau, die keiner der ihr vorgesetzten SS-Ärzte sterben sehen wollte", wurde Ella Lingens Zeugin einer Mordmaschinerie.
Ihr abgelegtes Zeugnis besticht ob der Sensibilität, Differenziertheit und analytischen Kraft, mit der sie nicht nur die Lagergemeinschaft, sondern auch die Täter beschreibt und dabei alle Facetten von (Un-)Menschlichkeit darzustellen imstande ist. Bestechend, dass sie sich selbst von der Analyse nicht ausnimmt.
In der Begegnung mit Helden, Märtyrern, Verrätern, Sadisten, Zynikern und Mördern benennt sie schonungslos ihre eigene Angst, Wut, Ohnmacht, Freude, Enttäuschung, Trauer und v.a. Verzweiflung. Sprachlos verfolgt man die erdrückende Situation, die sie selbst zur Herrin über Leben und Tod werden ließ. Die SS zwang sie zur Entscheidung, welche der Fleckfieberkranken ein lebensrettendes Herzmittel bekommen sollten, dass nur für wenige Patientinnen ausreichte. Sollte man der einen oder der anderen helfen?" Eine grausame Entscheidung, die keine Gerechtigkeit, sondern nur sinnlose Selbstvorwürfe nach sich zieht. Gebannt folgt man den außergewöhnlichen Erfahrungen einer außergewöhnlichen Frau, die nach der Befreiung niemand hören wollte. Die Psychoanalytiker ebenso, wie ihr eigener Mann, der nicht an ihre Rückkehr glauben wollte. Er hatte eine Geliebte und öffnete nicht die Tür. So tippte Ella Lingens ihr Inferno in die Maschine, kümmerte sich um die Erziehung ihres Kindes und wurde Ärztin. Leider konnte sie nicht mehr erleben, dass ihr so wichtiges Buch in den best-seller-Listen aufscheint. Ella Lingens starb am 31. Dezember 2002 im Alter von 94 Jahren. Sie hätte ihre Freude gehabt. Der Sohn hat sie gewiss.
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