Stellt der Autor Erhard Kaps in den ersten beiden Bänden seiner Trilogie vorrangig Kindheit und Jugendjahre in den Mittelpunkt seiner Erinnerungen, so konfrontiert er uns in dem nunmehr in Form von zweiundvierzig neuen Geschichten und Episoden vorliegenden 3. Band mit seinen bedrückenden Erlebnissen um den Zweiten Weltkrieg, läßt er uns teilhaben an erfreulichen wie tragischen Erfahrungen in vierzig Jahren DDR-Diktatur und schließlich an den Geschehnissen um die deutsche Wiedervereinigung und das Danach. Ständig wird sichtbar, hier hat sich einer hellwachen, streitbaren Geist bewahrt, zieht einer sein Leben lang gegen Unrecht zu Felde, ohne Rücksicht auf eigene Nachteile. Der Erzähler wertet ehrlich, ist im Stande, Kapitel um Kapitel deutscher Geschichte anhand gewöhnlicher wie ungewöhnlicher Schicksale aus vier Generationen überzeugend darzustellen und zu einem beeindruckenden Mosaik zusammenzufügen. Da ist der Sommer 1936 mit dem Reichsarbeitsdienst im Bayerischen Wald, wo körperliche Schwerstarbeit im Straßenbau zu verrichten ist, oder der Sommer 1937, die Zeit der Ausbildung zum Soldaten im berüchtigten 11. Regiment in Leipzig-Gohlis. Es folgen Berichte über die schweren Monate im Kriegsgefangenenlager Bad Kreuznach, wo die Lagerinsassen bei Regen und Kälte unter freiem Himmel kampieren müssen und - ohne ausreichende Nahrung - wie die Fliegen sterben. Erhard Kaps selbst überlebt diese Hölle nur dank eines Korrekturtricks im Soldbuch und seiner damit verbundenen Versetzung in die Küche. Der Autor erzählt weiter von einst erfolgreichen, begüterten Menschen, die am Krieg zerbrechen. Er verschweigt auch nicht seine unbezähmbare Wut auf die DDR-Machthaber, als diese 1961 mitten durch Berlin eine Mauer errichten lassen, um dort bei Fluchtversuchen sogar auf die eigenen Bürger zu schießen. Als Einzelner versucht er dagegen anzukämpfen, wird 1962 verhaftet, zu fünf Jahren Freiheitsentzug abgeurteilt und drei Jahre im Zuchthaus Waldheim inhaftiert. Auch in dieser düstersten Lebensphase resigniert er nicht, übernimmt in Waldheim die Leitung der Kulturgruppe, gibt vor dem Vollzugsdienst und den Häftlingen Klavierkonzerte und beginnt schließlich in seiner Zelle zu schreiben. Die "ZuchthausGedichte" entstehen.
Erhard Kaps berichtet weiter über den erfolgreichen Aufbau seines Chemieunternehmens nach dem Krieg, die schmerzhafte Enteignung durch die Kommunisten 1972, dann die Reprivatisierung im Jahre 1990 und die damit verbundenen Auseinandersetzungen mit der Treuhandanstalt. Und schließlich schildert er die Zeit der Friedlichen Revolution im Osten aus dem Blickwinkel eines kritischen Beobachters, der noch mit 75 Jahren an jeder Montagsdemonstration in Leipzig teilnimmt.
Auch dies eine eindrucksstarke Lektüre aus der Feder eines Mannes, dem Freiheit und Unabhängigkeit und die Liebe zu seinen Mitmenschen immer wichtig waren. Ein Buch, das den Leser nicht mehr losläßt.
Der 3. Band wird wiederum aufgelockert durch diesmal sogar 36 historisch wertvolle Radierungen des Leipziger Künstlers Gerhard Fraundorf.