Zum Inhalt:
Maddy und ihr Stiefbruder Ben fahren mit der Geisterbahn, werden dort giftigen Dämpfen ausgesetzt. Maddy bekommt davon Gehirnschäden, Ben verstirbt.
Nach etwa einem Jahr, in dem Maddy geistig behindert ist und sich trotz zahlreicher Therapien keine Besserung einstellt, entscheiden sich ihre Eltern dafür, eine neue, nicht ganz legale Methode der Firma Braintree auszuprobieren: Ein Implantat wird in ihr Gehirn eingesetzt, welches drahtlos mit einem Computer und einem Gehirn verbunden ist und ihre kaputten Areale ersetzen bzw. neu aktivieren soll.
Nach der OP ist sie wieder "wie neu". Sie weiß wieder alles und noch mehr als das: Sie ist superintelligent, macht geistig alles überirdisch schnell, kann Dinge, die sie nie vorher wusste, selbst Computer langweilen sie, weil sie Maddys Meinung nach Informationen zu langsam liefern.
Um wieder in die Gesellschaft integriert zu werden, zieht sie wieder zurück in ihre Heimatstadt. Zuerst erscheint alles toll: Ihre Eltern - die geschieden sind - scheinen sich wieder anzunähern, ihre Freunde freuen sich über ihre Rückkehr, Maddy glaubt, dass alles wie früher ist und verdrängt, dass sie "seltsame" Gedanken hat, etc.
Doch dann bröckelt das Bild: Maddy langweilt sich, alles scheint ihr banal - weil sie so intelligent ist. In der Schule ist sie unterfordert, ihre beste Freundin kommt nicht mehr mit ihr zurecht und ihre Eltern beginnen sie quasi zu fürchten.
Deshalb kommt sie zurück ins Krankenhaus, wo die Ärzte sie nach Harmony schicken - eine künstliche Stadt, wo sie wieder leben lernen soll. Schnell merkt sie, dass sie dort ferngesteuert wird, sie kauft völlig irrational Dinge, wird immer unglücklicher. Ein sprechender Waschbär warnt sie vor allem, eine Manifestation eines Unterbewusstseins. Unerwartet trifft sie auf Ben, ihren totgeglaubten Stiefbruder, dessen Gehirn auch mittels eines Implantats ins Leben zurückgeholt wurde. Ihre Zweifel werden immer größer, sie versucht die Zusammenhänge zu verstehen und aus Harmony zu flüchten. Die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen und Maddy durchschaut langsam, was in Braintree so alles vor sich geht.
Persönliche Meinung:
Ich finde, das Buch ist genial geschrieben. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben, wird aber immer wieder mit anderen Perspektiven erweitert. In der Zeit z.B. in der Maddy geistig behindert ist und nicht sprechen kann, liest man immer wieder Berichte von den Beobachtungen ihrer Ärzte. Maddy glabubt geträumt zu haben, dass sie sich an den Büchern die Hände zerschnitten hat, auf ihren Armen finden sich dann auch tatsächlich Kratzer. Später erfährt man, dass viele Bücher in der Bücherei blutig sind oder durch neue ersetzt wurden. Ein Bericht erklärt dann, dass sie so schnell lesen kann, dass sie mit dem Umblättern nicht nachkommt und sich deshalb an den Büchern verletzt hat.
Maddys Intelligenz wird gut dargestellt, z.B.: Sie kritisiert in einem langen Gedankengang die Banalität des Fernsehen, während eines Staus durchdenkt sie, wie man fliegende Autos bauen kann und man den Massenverkehr in der Luft steuern müsste. Sie findet rasch Lösungen für jedes Problem - sie weiß immer, wie sie sich helfen muss.
Was ich an dem Buch etwas komisch fand, waren die bluttrinkenden Arbeiter von Braintree. Sie kamen nur auf etwa einer Seite vor, waren aber eigentlich unnötig. Viel später im Buch wird in einem Bericht erklärt, dass die Ratten (Versuchstiere mit Implantet von Braintree) auch Blut tranken von fremden Lebewesen und das es den Wissenschaftlern noch nicht klar ist, warum und das sie nur Überlegungen dazu haben. Vielleicht soll das einen weitern negativen Aspekt der Gehirnoperationen zeigen - ich habe keine Ahnung.
Das Auflösung der Braintree-Story war ziemlich rasch, ich musste ein paar Passagen zweimal lesen, um alles zu verstehen. Abgesehen davon fand ich die Auflösung sehr gut - selbst warum es genau ein Waschbär war, den Maddys Unterbewusstsein geschickt hat, wurde erklärt - was ich nicht unbedingt hinterfragt habe.
Zielgruppe: Von Maddys Alter ausgehend (15-16 J.), dachte ich, dass es ein Jugendbuch ist. Nach dem Lesen glaube ich eher, dass es für Erwachsene ist.
Fazit: Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen. Es ist aber keine seichte Lektüre, die man nebenbei lesen kann. Man sollte sich auf das Buch konzentrieren, um alle Zusammenhänge zu verstehen und mitzubekommen.