Aus der Amazon.de-Redaktion
(With a little help from our) Sci-fi-friends Niven/Pournelle sind bereits ein altgedientes Gespann aus Hard-SF-Autoren und haben daher eine große Fangemeinde. Da sie die Fans auf den Conventions, kurz Cons genannt, treffen, sind sie ihnen sozusagen brüderlich zugetan.
Gefallene Engel könnte sehr gut den Fans gewidmet sein, denn es ist ein wahres Loblied auf ihre Tugenden.
In einem der nächsten zwei Jahrhunderte suchen zwei große Unglücke die Erde -- und vor allem die glorreichen USA -- heim: die längst prophezeite Eiszeit und das Regime der Öko-Bürokraten, der Grünen. Die Autoren lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie letztere für das größere Unglück halten. Eine Eiszeit ist etwas Natürliches, und so ein rechter (!) Amerikaner kann damit zurechtkommen, auch wenn es hart wird. Aber ideologisch verblendete Technikfeinde wie die Grünen verhindern, dass die technischen Mittel entwickelt werden, um mit den Unbilden der Natur fertigzuwerden. In dieser Zeit der vorrückenden Gletscher -- sie haben bereits Minneapolis und Winnipeg umschlossen -- fügt es sich, dass die Bewohner der im Orbit schwebenden Habitate einen Stickstoffsammler ausschicken und dieses Raumgefährt von den Luftabwehrrakten der Grünen abgeschossen wird. Man lässt sich eben nicht so einfach die Atmosphäre klauen! Die "Engel", wie sie von den SF-Fans in Minneapolis genannt werden, notlanden auf einem nahen Gletscher. Sofort starten die Fans, wiewohl sonst im Verborgenen wirkend, eine Rettungsaktion, immer die Entdeckung durch die reaktionären Polizeistreitkräfte fürchtend. Raphael und Gabriel, so tauft man die beiden Piloten des Fliegers, finden ihren Weg so in eine geheime Konvention der SF-Bruderschaft. Hier lernen sie nicht nur Muskeltraining und Yoga kennen, sondern auch ein paar schräge regierungsfeindliche Vögel. Den Autoren macht es sichtlich Spaß, die Szene zu schildern. Aber auch die Gegenseite kommt zu Wort, und eine clevere Frau von der Luftwaffenpolizei ist den Engeln auf den Fersen.
Der Rest des Buches dreht sich darum, die beiden gefallenen Engel wieder nach Hause zu schicken, denn ihre schwache Konstitution hält die irdische Schwerkraft trotz allen Trainings nicht aus. Ihr Rückweg führt quer durch die Staaten zu Museumsstücken an Ex-Raketen und zu einer experimentellen Rakete in der Mojave-Wüste. Dort laufen schließlich alle Handlungsfäden zusammen, auch die der zahlreichen Verfolger. Es müssen ungefähr alle SF-Fans, die Los Angeles aufzubieten hat -- bestimmt nicht wenige! -- mitgeholfen haben, um die Rakete mit allem Nötigen zu versorgen, die die Engel in den Orbit zurückbringen soll: Treibstoff, Proviant, aber auch lebende Kulturen für die Habitate, sogar Hühner. Natürlich gelingt der Start erst, als bereits alles verloren scheint. Da machen die Autoren ihrem Ruf als Profis alle Ehre.
Fazit: Wer sich auf die Sympathie der Autoren für SF-Fans einlässt und mit ihrer Kritik an den Grünen zurechtkommt, der findet an diesem hübsch und pfiffig erzählten Garn sein wahres Vergnügen. So ganz nebenbei flechten die Autoren etliche Kritikpunkte ein, was die Technikfeinlichkeit und übertriebene Vorsicht anbelangt. Bezüge werden sogar zu Bradburys Fahrenheit 451 hergestellt: Liest der gemeine Sciencefiction-Fan überhaupt politisch korrekte Literatur? Oder ist er nicht doch reif für die Umerziehung? An solchen Stellen bleibt dem Leser dann das Lachen im Halse stecken. --Michael Matzer
Kurzbeschreibung
Die Erde schlittert in eine neue Eiszeit hinein - nachdem militante Umweltaktivisten den Treibhauseffekt zu abrupt gestoppt und in sein Gegenteil verwandelt haben. Die USA sind zu einer Steppe geworden, eifersüchtig bewacht von einer antitechnischen Clique, die jedem Raumbewohner den Zugang zur Erde verweigert.