Die Autorin ist Soziologin und Anthropologin an der Hebräischen Universität Jerusalem und bereitete mir bereits mit Ihrem Buch „Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus“ Freude. Nun erscheint im Suhrkamp, in gewohnt nüchterner Art, ein neues Werk in Deutsch. Sein Inhalt: Ihre Adorno-Vorlesungen in Frankfurt, zu denen sie 2004 eingeladen wurde.
Eva Illouz ist eine erfrischende Denkerin, die bekanntes Gedankengut so präzis und lange modelliert, bis wir neue Konturen erkennen. Und zu ihrem Handwerkszeug gehört auch eine besondere Sprache. Mit ihren wissenschaftlichen Metaphern schafft sie es, mich davon zu überzeugen, dass man sich nicht zwingend fachspezifischen Begriffen bedienen muss, um über Erkenntnisse der Emotionsforschung berichten zu können. Denn immer spürt man, dass Eva Illouz Damasio & Co gelesen hat und sich eingehend mit den Folgen dieser Forschungsarbeiten beschäftigte. Was die Leser inhaltlich erwartet, gebe ich am liebsten mit der Nennung einiger Überschriften bekannt: Die Neuausrichtung der unternehmerischen Vorstellungskraft; Ein neuer emotionaler Stil; Die kommunikative Ethik als Geist des Unternehmens; Die Rosen und Dornen der modernen Familie; Das Narrative der Selbstverwirklichung; Die Pragmatik der Psychologie; Das umworbene Internet; Virtuelle Begegnungen; Phantasie und Enttäuschung.
Mein Fazit: Die in Israel lehrende Soziologin überführt Erkenntnisse der Emotionsforschung in Gegenden, in denen oft so gesprochen wird, das nicht einmal Insider mitkommen, worum es geht. Glasklar und in einer eigenen Sprache verbindet Eva Illouz Natur- mit Geisteswissenschaften. Eine Entdeckung.