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Pressenotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 08.07.2000
Wer interessiert sich heute noch für Gramsci? fragt Kersten Knipp und bedauert, dass die Komplettierung der deutschen Gesamtausgabe von Gramscis "Gefängnisheften" so spät kommt. Nun liegt auch der letzte Band vor, Anlass für Knipp eine gar nicht so kleine und durchaus kundige Führung durch Gramscis Philosophie zu machen. Das Fragmentarische seines Schreibens entsprach in gewisser Weise, mutmaßt die Rezensentin, seiner in einer Gefängniszelle gefristeten Existenz, sei aber nicht dadurch bedingt gewesen. Sie sieht es eher in seinem "positiven Sarkasmus" begründet, in seiner antiideologischer Einstellung, die ihn misstrauisch machte gegen alle Heilserwartungen politischer Lehren, so dass er den Marxismus lieber durch die Formel "Philosophie der Praxis" ersetzt haben wollte. Knipp verweist darauf, dass Gramsci in einem bedeutenden Punkt vom marxistischen Standpunkt abwich, indem er dem Staat eine denkbare positive Rolle zusprach.
© Perlentaucher Medien GmbH
Wer interessiert sich heute noch für Gramsci? fragt Kersten Knipp und bedauert, dass die Komplettierung der deutschen Gesamtausgabe von Gramscis "Gefängnisheften" so spät kommt. Nun liegt auch der letzte Band vor, Anlass für Knipp eine gar nicht so kleine und durchaus kundige Führung durch Gramscis Philosophie zu machen. Das Fragmentarische seines Schreibens entsprach in gewisser Weise, mutmaßt die Rezensentin, seiner in einer Gefängniszelle gefristeten Existenz, sei aber nicht dadurch bedingt gewesen. Sie sieht es eher in seinem "positiven Sarkasmus" begründet, in seiner antiideologischer Einstellung, die ihn misstrauisch machte gegen alle Heilserwartungen politischer Lehren, so dass er den Marxismus lieber durch die Formel "Philosophie der Praxis" ersetzt haben wollte. Knipp verweist darauf, dass Gramsci in einem bedeutenden Punkt vom marxistischen Standpunkt abwich, indem er dem Staat eine denkbare positive Rolle zusprach.
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Süddeutsche Zeitung vom 8./9. Juli 2000
"Gerade in diesen Wochen hat Gramscis Begriff der "Zivilgesellschaft" ganz unverhofft neue Beachtung gefunden. In Zeiten knapper Kassen wirbt der Staat für ein erneuertes bürgerliches Selbstverständnis. Trüge die Gesamtausgabe dazu bei, Gramsci nicht als Ideologen, sondern als Analytiker öffentlicher Debatten und zugleich als ihren fähigen Moderator vorzustellen, hätte sie ihre vornehmste Aufgabe erfüllt."
Kurzbeschreibung
Die deutsche Ausgabe der Gefängnishefte ist ein unverzichtbares Kompendium für alle politisch, kulturell und philosophisch Interessierten, die an den zentralen emanzipatorischen Gedankenformationen des 20. Jahrhunderts partizipieren wollen."Gerade in diesen Wochen hat Gramscis Begriff der 'Zivilgesellschaft' ganz unverhofft neue Beachtung gefunden. In Zeiten knapper Kassen wirbt der Staat für ein erneuertes bürgerliches Selbstverständnis. Trüge die Gesamtausgabe dazu bei, Gramsci nicht als Ideologen, sondern als Analytiker öffentlicher Debatten und zugleich als ihren fähigen Moderator vorzustellen, hätte sie ihre vornehmste Aufgabe erfüllt." (Süddeutsche Zeitung vom 8./9. Juli 2000)
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"Gerade in diesen Wochen hat Gramscis Begriff der 'Zivilgesellschaft' ganz unverhofft neue Beachtung gefunden. In Zeiten knapper Kassen wirbt der Staat für ein erneuertes bürgerliches Selbstverständnis. Trüge die Gesamtausgabe dazu bei, Gramsci nicht als Ideologen, sondern als Analytiker öffentlicher Debatten und zugleich als ihren fähigen Moderator vorzustellen, hätte sie ihre vornehmste Aufgabe erfüllt." (Süddeutsche Zeitung vom 8./9. Juli 2000)