Dieses kleine Buch ist vergleichbar mit einer Kette, auf der einige wunderbar bearbeitete Edelsteine aufgereiht sind.
Auf dem Titelbild sieht man das Foto einer jungen, schönen Frau, das vermutlich in den 30er des letzten Jahrhunderts gemacht worden ist. Wen das Foto zeigt, erfährt man, wie auch bei den vier kleineren Fotos auf dem Einband, leider nicht. Vielleicht Ilse Stöbe, die 1942 im Alter von 31 Jahre hingerichtet wurde ? Die Lebensgeschichten von acht Frauen werden in einer präzisen, sehr schönen, ja anrührenden Weise vorgestellt. Die Fähigkeit der Autorin Elfriede Brüning (Journalistin und Schriftstellerin. geboren 1910) zu dieser interessanten, vielschichtigen Darstellung verdient Bewunderung. Abgesehen von Ilse Stöbe, mit der sie aber immerhin im gleichen Verlag gearbeitet hat (zu Beginn der 30er Jahre !), ist sie mit allen porträtierten Frauen bekannt (gewesen). Der Blick auf die "Gefährtinnen" ist von genauer Kenntnis, tiefer Sympathie, aber auch kritischer Distanz.
Die Lebenswege der Frauen, die bei allen Unterschieden das Interesse an einem solidarischen Leben verband, sind von kurzen Höhen und schweren Zeiten geprägt und reichen zum Teil über einen großen Abschnitt des letzten Jahrhunderts. Die Autorin legt auch dar, wie sie die Frauen kennen lernte und wie sie (zum Teil mühsam) den Kontakt über lange Jahre zu halten versuchte. Richterin, Bibliotheksleiter in einem Dorf, Schriftstellerin, Therapeutin - das waren die Berufe, doch wer Wesentlicheres erfahren möchte, möge das preiswerte Buch bitte lesen.
"Porträts vergessener Frauen": Wenn es einen Weg gibt das Vergessen wichtiger Menschen aufzuhalten oder zu verlangsamen, dann durch die Art und Weise, wie Elfriede Brüning solche Lebensgeschichten darlegt. Resumee: Bescheidene Schwächen des Verlages, über alles gesehen aber einfach hervorragend.