Nach dem Lesen von "Gefährtin der Dämmerung" hatte ich nur noch einen Gedanken: Was ist das? Was ist das? Oh mein Gott. Ist das wirklich die Autorin, die dieses fantastische Buch "Blutrote Küsse" geschrieben hat? Laut Cover und Danksagung ja, so die bittere Erkenntnis. Ich kann es nicht verstehen. Scheinbar bekommt ein Autor, der einmal ein richtig gutes Debüt verfasst hat automatisch einen Freifahrtschein für alle folgenden Bände seiner Serie, weil anders kann ich mit nicht erklären, wieso dieses Buch in der Form und mit dem Inhalt in seiner vollen Grausamkeit veröffentlich wurde.
Um noch einmal auf das Thema Inhalt zurückzukommen. Viel gibt es da nicht zu erzählen. Cat und Bones schlachten und metzeln sich in gewohnter Manier durch den größten Teil der Geschichte. Bis plötzlich eine böse Widersacherin auf den Plan tritt, nämlich Patra, die Tochter Kleopatras, die ein bisschen Sauer ist, weil es mit ihrem ehemaligen Geliebten schlecht ausging und nun nach Rache sinnt. Eigentlich hegt sie ihren Groll gegen ihren Erschaffer, aber der hängt gerne mit den beiden Protagonisten rum, weswegen auch gleich die ganze Truppe ins Kreuzfeuer genommen wird. Und das kommt Katzi und Knochen natürlich gerade recht, denn so können sie erneut zeigen, was sie am Besten können: nämlich abschlachten und metzeln.
Seufz! Schon im ersten Buch empfand ich die Gewalt als ein wenig grobschlächtig und überzogen, aber da kannte ich das vorliegende Werk ja noch nicht. Hier wird nun auf alle erdenklichen Formen von Tötungsmöglichkeiten zurückgegriffen. Es wird erschossen, erstochen, zerstückelt, zerhakt, angezündet, pulverisiert, in die Luft gesprengt, etc.; und dann kann man noch glücklich sein, wenn man vorher nicht noch stundenlang gequält und gefoltert wurde. Und es sind längst nicht mehr nur die bösen Buben, denen einen solchen Schicksal zu Teil wird, sondern jeder, der dem Traumpärchen nicht in den Kram passt (und das auf hohem dreistelligem Niveau). Ehemalige Geliebte von Bones (und derer gibt es einige) stehen ganz oben auf der Abschussliste, aber meistens reicht nur ein falscher Blick aus um in die ewige Jagdgründe geschickt zu werden. Andere Alternativen werden nicht aufgezeigt, der Tod ist allgegenwärtig. Ich konnte die etwa 350 Seiten über nie so richtig differenzieren, wer jetzt die Guten und wer die Böse sind. Stattdessen gab es für mich nur die eine Truppe, die zu 150% das Geschehen dominieren und die anderen, die halt den Zweck erfüllen, möglichst blutrünstig zu demonstrieren, wie unterlegen sie sind. Die paar Toten am Ende waren für mich dann auch nur noch Kollateralschäden, die mich nicht ernsthaft emotional tangiert haben.
Die Hoffnung vor Beginn der Lesens war natürlich, dass die Liebe zwischen Cat und Bones irgendwie zu alter Stärke zurückfindet, denn die hat ja im ersten Teil ungemein zu meiner großen Begeisterung beigetragen. Ich war schließlich nicht weiter überrascht, keine Bestätigung zu erfahren. Stattdessen darf man Live mit dabei sein, wenn zwischen Eifersuchtsattacken und schnellen Nummern hin und her gesprungen wird. Die Erotik war überhaupt nicht ansprechend; es wird schlicht und ergreifend dahinge... Na ja, die intime Beißerei und andere fragwürdige Praktiken aus dem Vorgänger ließen auch kaum innovative Steigerungen zu, da war das Pulver schon verschossen. Die Eifersucht selbst hat manchmal noch für die eine oder andere Erheiterung gesorgt; meistens hat es sich aber so zugespitzt, dass ich mich für die anzüglichen Sprüche und das peinliche Verhalten der Leidtragenden nur fremdschämen konnte.
Über den Rest lässt sich leider auch nicht viel Gutes sagen. Die Charaktere wirken blass, es tauchen sehr viele neue Vampire auf, aber auch die Altbekannten stechen nicht weiter heraus, sondern gehen im Suff der Gewaltorgien und -exzesse unter. Es gibt keinen richtigen Plot, einen konstanten Spannungsbogen sucht man vergeblich. Stattdessen wird Szene auf Szene aneinander gereiht, man liest so mit, ist gedanklich aber eigentlich ganz woanders und kann sich beglückwünschen, wenn man die letzte Seite gepackt hat.
Natürlich kommt bei mir jetzt noch die Frage auf, warum mein Eindruck so viel schlechter ist, als es die meisten anderen Rezensionen hier sind. Fehldruck? Wohl kaum. Falsche Erwartungen? Kann auch nicht sein, weil ich definitiv keine hatte. Ich denke mal, dass die Eindrücke vom Auftakt für mich persönlich verglichen mit "Gefährten der Dämmerung" einfach Millionen Lichtjahre auseinander liegen. Das eine war die Feststellung, ein super spannendes Buch gelesen zu haben, das andere das Gefühl, 8,95 ¤ aus dem Fenster geworfen zu haben.
Aber ich lasse trotzdem jeden seine Freude und vielleicht gefällt ja dem einen, was mich persönlich kopfschüttelnd zurücklässt. Theoretisch hätte ich auch nur einen Stern vergeben können, aber ich wollte mir ein Fenster offen lassen für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich eines Tages doch noch den letzten Teil der Serie (ausgeborgt) lesen werde und das ganze Elend dadurch noch getoppt wird.