Parodien, die sich mit dem Herrn der Ringe beschäftigen, gibt es einige, wenn auch nicht so viele wie Standard-Fantasyromane, die sich Tolkien als Vorbild nehmen. Eine richtige Parodie ist es auch nicht, die Alexander Lohmann hier vorlegt, eher eine liebevolle Hommage mit einem dicken Augenzwinkern (wahrscheinlich von einem grauen Magus mit Hut und wir lassen dahingestellt, ob es sich um Gandalf oder um Gulbert handelt).
Die Idee ist schnell erklärt: Der Herr der Ringe aus der Sicht der Bösen, die unbedingt verhindern müssen, dass das Herz des entschwundenen und gerade wiederkehrenden Oberbösen vernichtet wird. Natürlich spielt der Roman in einer eigenen Welt, aber die Anleihen an Mittelerde sind nicht zu übersehen. Statt der Hobbits gibt es allerdings Wichtel und man ist als Leser häufig versucht, ihnen eine zu klatschen (wenigstens der Elfenkönig bekommt sein Fett weg). Die Hauptakteure beim Versuch, das Kästchen mit Leuchmadans Herz zu bergen, sind die viel unterschätzten Gnome, die Kleveren Späher und Meuchler (Rein praktisch gesehen ist es also ein Völkerroman, der "Die Gnome" heißen könnte).
Aber auch die anderen Völker kommen nicht zu kurz, sei es, durch den schuhlederzähen, bitterbösen Goblin Werzaz, von dessen Kommentaren man nicht genug bekommen kann, sei es durch Gibrax, den Troll, der in seiner schlichten, aber bauernschlauen Art für Unterhaltung sorgt, sei es durch Daugrula, die Nachtalbe oder durch Baskon, den Wardu (Stellvertreter-Nazghul), der einem mit seiner Arroganz gehörig an den Nerven sägt.
Schön ist an diesem Roman, dass er weder mit dem Leser pfleglich umgeht, noch mit seinen Figuren. Manche Dinge kommen immer wieder, obwohl man froh war, sie tot zu sehen, andere bleiben tot, obwohl man sie gerne zurück im Leben hätte und verbiegen, um dem Plot zu gefallen, tut sich sowieso niemand. Ein bisschen böser hätten die Figuren sein können, denn immerhin sind es ja die Finstervölker, aber auf der Basis kann man wahrscheinlich kaum einen Roman schreiben, bei dem sich nicht alle auf Seite 30 zerfleischt haben. Hin und wieder gleitet die Handlung in Albernheiten ab, die sicherlich nicht jeden Humor treffen. Wer sich an diesen zwei Kritikpunkten stört, der greift besser gleich zu Band 2 "Tag der Messer", denn dort ist es nicht lustig und die einzige Figur, die zu nett ist, bekommt ständig eins auf die Nuss. Man kann ihn auf jeden Fall ohne die Kenntnis von Band 1 lesen, auch wenn der für Verständnis und Atmosphäre natürlich nicht schlecht ist.
Auf jeden Fall ist "Gefährten des Zwielichts" ein flüssig lesbarer, unterhaltsamer Roman mit guten Figuren und Einfällen. Die Verarbeitung des Buches, Cover und Illustration auf den Innenklappen (kann man hier leider nicht sehen), sowie Papier und Lektorat sind hervorragend!
Bin trotzdem böse, dass meine Lieblingscharaktere sterben ...