"Dieser Krieg, sagt man, dauert hundert Jahre...
Er unterscheidet sich nicht sonderlich von dem, der ihm vorausging, nicht mehr als von dem, der ihm folgen wird...
Wie Hagel oder wie die Pest stürzt sich der Krieg auf das Land, wenn man ihn am wenigsten erwartet...
Mit Vorliebe dann, wenn der Wein im Keller lagert und das Mädchen hübsch ist."
Frankreich, in einer Zeit, die die Gelehrten ferner Tage einst das Spätmittelalter nennen werden. Ein englischer König hatte Ansprüche auf den französischen Thron gelten gemacht. Als mächtigster Vasall des französischen Königs, der mehr französische Erde sein Eigen nennen konnte als der Herrscher des Landes selbst, hatte er auch die Mittel an der Hand, diesen Anspruch mit Gewalt durchzusetzen.
Dachte er. Es begann ein Krieg, den man später den Hundertjährigen nannte. Immer wieder stießen Ritter- und Söldnerheere aufeinander, fraßen das Land kahl, brandschatzten die Städte und verheerten die Dörfer. Die einfachen Bauern waren zu sehr mit dem Überleben beschäftigt, um sich viel um Politik, Ehre oder Ritterlichkeit zu kümmern. Die meisten Söldner auch.
In diesen Zeiten macht das Schicksal drei Menschen zu Gefährten, die unterschiedlicher kaum seien könnten: Die rothaarige Mariotte, die die Enkelin der alten Kräuterfrau ist und selbst als Hexe verschrieen wird. Aniset, der vorlaute, eigensichtige Dorfbengel. Und der Ritter ohne Namen und ohne Gesicht mit dem dreifarbigen Schild.
Die Wälder sind noch die Heimat der Feen, und sie sind nicht die kleinen, putzigen Flatterdinger, die viktorianische Dichter aus ihnen machen werden. Auf dem Land streifen noch wundermächtige Heilige und finstere Schwarzkünstler umher. Dichtgedrängt leben die Menschen in den Städten, Dörfern und Burgen, die ihnen Schutz versprechen und doch zuerst Brutstätten von Armut, Hunger, Seuchen und Intrigen sind.
Die drei geraten in den Bann einer uralten Prophezeihung, eines alten Liedes aus den Tagen, als die Römer das Land eroberten. Im Grenzland von Traum und Wirklichkeit begegnen sie Kobolden und mordgierigen Söldnern, einem alten Turm und einer finsteren Macht. Der Schwerpunkt des ersten (wie auch des zweiten) der drei Bände liegt eindeutig auf Landleben und Fantasy, der Dritte bietet tiefere und detailreiche Einblicke in die Welt spätmittelalterlicher Städter und Burgbewohner.
- Francois Bourgeon entführt uns in ein geheimnisvolles und zugleich derb-realistisches Mittelalter, in eine düstere Fantasy-Geschichte wie auch eine historische Erzählung, ein menschliches Drama wie ein die Zeiten überspannendes Epos.
Die drei Bänden der "Gefährten der Dämmerung" gehören zu besten, ernsthaftesten, spannendsten und überraschendsten Comics, die ich kenne, und zu den wenigen, die man immer wieder hervorkramen und mit Gewinn lesen kann.
Ob man sich nun für mittelalterliches Leben interessiert oder für Fantasy, die nicht bei knuffigen Hobbits und ringeschmiedenden Bösewichtern stehenbleibt - diese vielschichtige Erzählung ist uneingeschränkt zu empfehlen!